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Motivationale Faktoren für die Präferenz der Fachrichtung Allgemeinmedizin. Eine quantitative Untersuchung unter Medizinstudierenden NRWs für eine zielgerichtete Nachwuchsgewinnung

Der demografische Wandel, die anlaufende Ruhestandswelle, eine wachsende Inanspruchnahme von Teilzeitstellen im ambulanten Bereich, aber auch die noch immer zu geringen Nachwuchszahlen stellen die ambulante Primärversorgung vor große Herausforderungen.

Sofern es nicht gelingt, mehr Ärzte für diesen Sektor zu gewinnen, droht laut Prognosen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bis 2030 eine großflächige Unterversorgung der Patienten, v. a. in ländlichen Gebieten. Daher ist die nachhaltige Gewinnung von Nachwuchs in der Allgemeinmedizin (AM) ein aktuelles Thema für Entscheidungsträger im Gesundheitswesen. Entsprechende Studien zur Fachrichtungswahl von Medizinstudierenden und den Beweggründen hierfür können erste Anhaltspunkte für den Entwicklungsbedarf und zielgerechte Veränderungen liefern. Seit 2011 wurden hierzu drei bundesweite und eine regionale Studie veröffentlicht, denen zufolge nur ca. 9% der Studierenden eine Weiterbildung in der AM planen, und auch nur ca. 30% die AM als eine Option neben anderen Fachrichtungen sehen. Als Beweggründe für oder gegen die Fachrichtungswahl Allgemeinmedizin werden in diesen Studien folgende Faktoren identifiziert: Work-Life-Balance, Familie und Freizeit, Berufsprestige und Einkommen, Teamorientierung, Abwechslung im Beruf, Wissenschaftsorientierung, Patientenorientierung, Karriere, Image, persönliche Ambition, Zukunftsperspektiven, Bürokratische Hemmnisse, hohe Arbeitsbelastung.

Die statistischen Zusammenhänge zwischen der Fachrichtungswahl Allgemeinmedizin und möglichen Beweggründen wurden bisher nur in 2 regionalen Studien an kleineren Kohorten (N<1000) untersucht, wobei der Fokus jeweils auf ausgewählten Faktoren lag. Es zeigte sich zum einen, dass das weibliche Geschlecht und das Vorhandensein eines Lehrstuhls für Allgemeinmedizin am Ausbildungsort und zum anderen praktische Erfahrung während des Studiums in starkem Zusammenhang mit der Motivation zu einer hausärztlichen Tätigkeit stehen. Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine amerikanische Meta-Analyse. Zusätzlich wiesen bei einem Sample von 659 Studierenden das Alter, die Familie oder Freunde in der AM, das Erwägen des Hausarztberufs zu Studienbeginn, die Bevorzugung eines Arbeitsplatzes in ländlicher Umgebung, ein breites Patientenspektrum und die langzeit-Arzt-Patienten-Beziehung einen Zusammenhang mit der Fachrichtungswahl AM auf. Sowohl die mit der Fachrichtungswahl Allgemeinmedizin zusammenhängenden Faktoren als auch die Stärke solcher Zusammenhänge können richtungsweisend für das Priorisieren von Entwicklungsbedarfen und zielgerechten Veränderungen sein. Die Ermittlung solcher Zusammenhänge mit den Beweggründen in einer repräsentativen Kohorte ist deshalb essenziell. Mit ca. 19% stellt Nordrhein-Westfalen (NRW) einen bedeutenden Anteil der insgesamt 92011 zum Wintersemester 2016/2017 in Deutschland eingeschriebenen Nachwuchsmediziner und bietet damit gute Voraussetzungen für eine Studie zu Zusammenhängen zwischen Einstellungen und Charakteristika von Studierenden und der Fachrichtungswahl. Das Ziel der vorliegenden Studie ist es, anhand eines repräsentativen Samples aus allen Medizinstudierenden NRWs Faktoren für die Entscheidung Medizinstudierender zur Wahl der Fachrichtung Allgemeinmedizin zu extrahieren und deren Zusammenhang mit dieser Fachrichtungswahl zu quantifizieren, um daraus Empfehlungen zur Nachwuchsgewinnung abzuleiten.

Methodik

Als Grundlage für diese Studie dienen die Daten einer Online-Umfrage. Über den Kompetenzverbund Allgemeinmedizin NRW (http://www.allgemeinmedizin-nrw.de), einen Zusammenschluss der Abteilungen für Allgemeinmedizin der acht medizinischen Fakultäten NRWs (Aachen, Bonn, Bochum, Duisburg-Essen, Düsseldorf, Köln, Münster, Witten/Herdecke) wird eine flächendeckende Beforschung des medizinischen Nachwuchses in NRW ermöglicht.

Im Rahmen der vorliegenden Querschnittstudie wurden im Zeitraum vom 31.10.2016 bis zum 31.01.2017 (WS 2016/2017) alle in NRW immatrikulierten Medizinstudierenden zur Teilnahme an einer Online-Umfrage zu ihrer Fachrichtungswahl und ihren Beweggründen für ihre Wahl eingeladen. Abhängig vom Studienstandort und dessen Vorgaben wurde über E-Mail-Verteiler der Studiendekanante, Ausschreibungen (Schwarzes Brett), soziale Medien und Dozenten rekrutiert. Während des Erhebungszeitraumes fanden nach Möglichkeit bis zu 2 Nachfassaktionen pro Standort im November und Januar statt, um eine möglichst hohe Rücklaufquote zu erzielen. Als Anreiz zur Teilnahme wurden Bargeld und Thieme-Gutscheine (ohne sonstige Beteiligung des Thieme-Verlags an dieser Studie gespendet) unter den Teilnehmenden verlost.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Motivationale Faktoren für die Präferenz der Fachrichtung Allgemeinmedizin – eine quantitative Untersuchung unter Medizinstudierenden NRWs für eine zielgerichtete Nachwuchsgewinnung
aus der Zeitschrift Das Gesundheitswesen 06/2020

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