• Natürliche Killerzellen, Lymphozyten, Kolorektales Karzinom, Innere Medizin, Onkologie, Georg Thieme Verlag

     

Natürliche Killerzellen im Blut sagen Risiko für kolorektale Karzinome voraus

Natürliche Killerzellen (NK) spielen eine bedeutsame Rolle bei der Immunabwehr maligner Zellen und es gibt Hinweise darauf, dass Malignom-Patienten eine verringerte NK-Aktivität aufweisen. Kürzlich kam ein Labortest auf den Markt, mit dem anhand einer kleinen Blutprobe die Aktivität der NK bestimmt werden kann. Dieser Test wurde nun in einer Pilotstudie prospektiv eingesetzt, um das Darmkrebsrisiko vorauszusagen.

In die prospektive, monozentrische Querschnittsstudie wurden insgesamt 872 Personen > 40 Jahre aufgenommen, bei denen zwischen 2014 und 2016 eine Screening-Koloskopie vorgesehen war. Dabei stellten sich mehr als 2 Drittel der Patientinnen und Patienten aufgrund einer familiären Vorbelastung für kolorektale Karzinome oder Polypen, einer eigenen Vorgeschichte mit Polypen, einem positiven FIT (Fäkal Immunchemischer Test) bzw. rektalen Blutabgängen vor.

Am Tag der Koloskopie erfolgte vor der Sedierung die venöse Entnahme von 1 ml Vollblut. Im Entnahmeröhrchen befand sich ein vorbereitetes, patentiertes Zytokin, das innerhalb einer Inkubationszeit von 20 – 24 Stunden bei 37 °C die natürlichen Killerzellen zur Sekretion von Gamma-Interferon (IFNG) ins Plasma stimulierte. Die IFNG-Konzentration konnte schließlich mittels ELISA (Enzyme-linked Immunoabsorbent Assay) gemessen werden.

Negativer prädiktiver Wert der NK-Aktivitätsmessung > 99 %

Bei 23 Patienten der Gesamtkohorte wurde endoskopisch ein kolorektales Karzinom nachgewiesen und 348 Studienteilnehmer hatten Adenome. Patientinnen und Patienten mit kolorektalen Karzinomen wiesen im Bluttest eine signifikant niedrigere NK-Aktivität auf als Vergleichspersonen ohne Karzinomnachweis (86 vs. 298 pg/ml). ROC-Analysen ergaben als Schwellenwert zur Detektion von kolorektalen Karzinomen eine NK-Aktivität von 181 pg/ml. Mit diesem Grenzwert kann durch die NK-Aktivitätsmessung eine Sensitivität von 87 %, eine Spezifität von 60,8 %, ein positiver prädiktiver Wert von 5,7 % und ein negativer prädiktiver Wert von 99,4 % erzielt werden. Bei Personen mit einer NK-Aktivität < 200 pg/ml lag die Wahrscheinlichkeit für ein kolorektales Karzinom 10-mal höher als bei Personen mit einer NK-Aktivität ≥ 200 pg/ml.

Obwohl die Studie nicht für einen direkten Vergleich des FIT und des NK-Aktivitäts-Tests ausgelegt war, ergab sich folgende interessante Beobachtung: Von 11 Patienten mit positivem FIT und kolorektalem Karzinom wiesen 10 eine verringerte NK-Aktivität auf. Bei Patienten mit positivem FIT und verringerter NK-Aktivität wurde mit mehr als 40-fach erhöhter Wahrscheinlichkeit endoskopisch ein kolorektales Karzinom detektiert. Wären nur Patienten mit positivem FIT und verringerter NK-Aktivität koloskopiert worden, wären damit 91 % der kolorektalen Karzinome mit nur 24 % der Koloskopien detektiert worden.

Fazit

In einem Hochrisikokollektiv ergab sich für die Bestimmung der NK-Aktivität im Blut eine hohe Sensitivität und ein hoher negativer prädiktiver Wert für das Vorhandensein eines kolorektalen Karzinoms. Ob durch die Messung der NK-Aktivität in Kombination mit dem FIT möglicherweise die Zahl der Koloskopien bei ausreichender Sicherheit reduziert werden kann oder ob die Testung hilfreich bei der Sortierung der Koloskopie-Warteliste wäre, sollte in weiteren Studien geklärt werden, so die Autoren.


Aus der Zeitschrift für Gastroenterologie 03/2018; Dr. Katharina Franke, Darmstadt

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