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Nebenwirkungen von Psychopharmaka: Tipps für die Praxis

Psychopharmaka sind hochwirksame, aber auch mit Nebenwirkungen behaftete Medikamente, die für viele Patienten unverzichtbar sind. Der Umgang mit Nebenwirkungen – Zuwarten, Dosisreduktion, Medikamentenwechsel, Zugabe eines „Antidots“ sowie spezielle Verhaltensmaßnahmen – hängt von ihrer Art, Schwere und dem Wunsch des Patienten ab. Dieser Beitrag soll Arzt und Patient Entscheidungshilfen bei häufigen und beeinträchtigenden Nebenwirkungen bieten.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) von Psychopharmaka – in erster Linie Antidepressiva und Antipsychotika (Neuroleptika) – stellen nicht nur die Adhärenz des Patienten auf eine Belastungsprobe. Wenn nicht adäquat darauf eingegangen wird, können sie auch das therapeutische Verhältnis beschädigen. Die Art, wie UAW angegangen werden, hängt nicht zuletzt von der Einstellung des Behandlers gegenüber psychischen Erkrankungen ab: Werden sie als Befindlichkeitsstörungen ohne hohen Krankheitswert gesehen, werden Psychopharmaka gerne als „Life Style Drugs“ betrachtet und abgesetzt. Ein unreflektiertes Absetzen der Medikation kommt auch vor, wenn Psychopharmaka vom Arzt – aus mangelnder Erfahrung – oder vom Patienten als etwas Fragwürdiges oder potenziell Gefährliches wahrgenommen werden. Nicht unerheblich ist dabei der Einfluss neuer Medien, in denen nicht nur Informationen, sondern auch Ideologien an den Patienten herangetragen werden – ein Problem, das auch in anderen medizinischen Bereichen, z. B. bei Impfungen, auftritt.

HINTERGRUND
Es sollte stets bedacht werden: Psychiatrische Erkrankungen führen in einem weitaus höheren Maße als viele somatische Erkrankungen – bei denen die medikamentöse Therapie traditionell nicht infrage gestellt wird – zu andauernder Behinderung und deutlich verkürzter Lebenserwartung. 

Andauernde Behinderung und deutlich verkürzte Lebenserwartung sind Charakteristika schwerer psychischer Erkrankungen. Ursächlich sind dabei nicht allein der Suizid, sondern ebenso Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Neoplasien und Unfälle. Umgekehrt ist gut belegt, dass z. B. das Mortalitätsrisiko bei kardialen Erkrankungen bei gleichzeitigem Vorliegen einer Depression signifikant ansteigt und die Behandlung erschwert wird.

MERKE
Therapieverzicht stellt bei schweren psychiatrischen Erkrankungen im Regelfall keine Option dar. 

Bezüglich der oft geäußerten Skepsis zur Wirksamkeit von Psychopharmaka ist zu betonen: Es handelt sich hier um eine der wirkungsvollsten Medikamentengruppen mit einer Number needed to treat (NNT) im einstelligen Bereich. Zum Vergleich: Die NNT für Acetylsalicylsäure zur Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt beträgt 67. Hochwirksame Medikamente bedeuten aber oft auch ein höheres Maß an UAW.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Nebenwirkungen von Psychopharmaka: Tipps für die Praxis

Aus der Zeitschrift: DMW 22/2017

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