Operationszeitpunkt nach kardialem Stenting

  • Kardiologie Stenting DMW Thieme

    Bei einer Operation innerhalb von zwei Jahren nach kardialem Stenting steigt die Komplikationsrate, wenn der Eingriff ein Notfall oder die kardiologische Erkrankung des Patienten fortgeschritten ist (Bild: Thieme Verlagsgruppe/Kirsten Oborny).

     

Nicht-kardiale Operationen, die nach koronarer Stentimplantation durchgeführt werden, haben ein erhöhtes Risiko für kardiale Komplikationen. Die Leitlinien der American Heart Association/des American College of Cardiology empfehlen, nicht-kardiale Eingriffe bei Patienten nach Implantation unbeschichteter Metallstents (BMS) mindestens 6 Wochen aufzuschieben. Nach dem Einsatz Medikamenten-freisetzender-Stents (DES) sollten es mindestens 12 Monate sein. Diese Empfehlungen sind jedoch umstritten.

Die retrospektive Kohortenstudie von Hawn et al. basiert auf 41 989 nicht-kardialen Operationen, die innerhalb von 24 Monaten nach einer koronaren Stentimplantation zwischen 2000 und 2010 durchgeführt wurden. Endpunkt der Studie war eine Kombination schwerer unerwünschter kardialer Effekte (Tod aufgrund jeglicher Ursache, Myokardinfarkt, kardiale Revaskularisation) innerhalb von 30 Tagen postoperativ. Analysiert wurde dabei u.a. der Zusammenhang zwischen Zeitpunkt des nicht-kardialen Eingriffs, Stenttyp und Absetzen der doppelten Plättchenhemmung.

Innerhalb der Beobachtungszeit wurden 124 844 koronare Stents implantiert (47,6% DES; 52,4% BMS). 28 029 Patienten wurden innerhalb von 24 Monaten nach Implantation operiert (22,5%; 95%-Konfidenzintervall [KI] 22,2%–22,7%). Dies führte bei 1980 Personen zu schweren unerwünschten kardialen Effekten (4,7%; 95%-KI 4,5%–4,9%). Die Rate dieser Komplikationen war abhängig vom Zeitraum, der zwischen Stenting und Operation lag (<6 Wochen, 11,6%; 6 Wochen bis <6 Monate, 6,4%; 6–12 Monate, 4,2%; >12–24 Monate, 3,5%; p<0,001). Je nach Stenttyp lag die Rate bei 5,1% für BMS und 4,3% für DES (p<0,001). Nach Adjustierung waren die am stärksten mit schweren kardialen Komplikationen einhergehenden Risikofaktoren: Notfall-Operation (adjustiertes Odds Ratio [aOR] 4,77; 95%-KI 4,07–5,59), Herzinfarkt innerhalb von 6 Monaten vor dem Eingriff (aOR 2,63; 95%-KI 2,32–2,98), erhöhtes kardiales Risikoprofil (aOR 2,13; 95%-KI 1,85–2,44). Wurde die Operation 6 Monate nach dem kardialen Stenting durchgeführt, gab es zwischen den verwendeten Stent-Typen keine signifikanten Unterschiede im Hinblick auf schwere unerwünschte kardiale Ereignisse. Auch das Absetzen der doppelten Plättchenhemmung im perioperativen Zeitraum war nicht mit den kardialen Komplikationen assoziiert.

Fazit
Bei Patienten, die innerhalb von zwei Jahren nach kardialem Stenting operiert werden müssen, steigt die Komplikationsrate, wenn die Operation ein Notfall oder die kardiologische Erkrankung fortgeschritten ist. 6 Monate nach dem Stenting spielte der Stent-Typ keine Rolle mehr. Nach Ansicht der Autoren sollten die Richtlinien zum Operationszeitpunkt nach Stentimplantation überarbeitet werden.

Sponsoring: Die Studie wurde von einer öffentlichen Institution finanziell unterstützt.

 

Quelle: DMW 03/2014; Dr. med. Christoph Feldmann, Köln

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