Osteoporose-Unterversorgung in Deutschland

  • Best Studie

    Osteoporose-Kranke in Deutschland sind laut BEST unterversorgt und haben eine niedrige Compliance. (Bild: psdesign1/Fotolia)

     

Anfang 2013 publizierten das Wissenschaftliche Institut der Techniker Krankenkasse (TK) für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG) und das Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) die Versorgungsforschungsstudie BEST (Bone Evaluation Study). Die Daten zeigen nicht nur aktuelle Hochrechnungen zur Epidemiologie der Osteoporose in Deutschland, sondern lassen vermuten, dass ein großer Teil der Osteoporose-Patienten keine angemessene Behandlung erhielt.

Die Routineanalyse von Abrechnungsdaten der TK in den Jahren 2006 bis 2009 ergab eine erhebliche Zahl an Osteoporose-Neuerkrankungen: Bundesweit sind es jährlich etwa 885.000 Menschen. Hinzu kommen unbehandelte und nicht diagnostizierte Fälle. Die Jahresprävalenz für Osteoporose lag im Untersuchungszeitraum bei den TK-Versicherten bei 14 Prozent. Dabei hatten Frauen mit 24 Prozent eine weitaus höhere Prävalenz als Männer mit 6 Prozent. Hochgerechnet waren im Jahr 2009 in Deutschland 6,3 Millionen Bürger über 50 Jahren von Osteoporose betroffen. Innerhalb des Untersuchungszeitraums von vier Jahren erlitt rund die Hälfte der Patienten mindestens eine Fraktur. 

Unzureichende Versorgung und Compliance

Weitere Daten der Routineanalyse zeigten, dass 60 % der Osteoporose-Kranken trotz einer Fraktur nicht die benötigten Medikamente verschrieben bekamen. Selbst in schweren Fällen von Osteoporose mit sieben oder mehr Knochenbrüchen waren noch 42 % der Versicherten nicht ausreichend versorgt. Hinzu kommen Erkenntnisse aus anderen Studien zur Compliance bei der Einnahme von Osteoporose-Medikamenten. Untersuchungen zufolge nahm ein beträchtlicher Anteil der Patienten die verschriebenen Medikamente nicht regelmäßig ein.

Patienten besser versorgen und Kosten einsparen

Die Kosten, welche osteoporotische Frakturen jährlich verursachen, sind neben den teils schwerwiegenden Konsequenzen für die Patienten enorm: Allein in Deutschland liegen diese Kosten bei 4,5 Milliarden Euro, denn Osteoporose-Patienten werden nach Schenkelhalsfrakturen schnell zu Pflegefällen. Erleidet ein Patient zwei oder mehr Frakturen, steigen die mittleren Behandlungskosten von 342 Euro auf 2.219 Euro im Jahr.

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass diagnostische und therapeutische Möglichkeiten derzeit nicht optimal ausgeschöpft werden. In Zukunft sollte es deshalb vor allem darum gehen, Betroffene besser medikamentös zu versorgen. So lassen sich Frakturen und damit schwere Verläufe vermeiden – und hohe Kosten im Gesundheitswesen einsparen. Zum Vergleich: Einige Osteoporose-Medikamente gibt es bereits für rund 30 Euro im Monat. Gleichzeitig sollte die Therapietreue der Patienten weiter gestärkt werden, um das Risiko von osteoporotischen Frakturen zu senken.

  • BEST Studie

    Nur ein kleiner Teil der an Osteoporose Erkrankten wird adäquat medizinisch versorgt (Modifiziert nach Linder et al.)

     

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