Wie stehen Patienten zu Placebos?

  • Thieme Verlagsgruppe/Frank Kleinbach

     

Als Teil der medizinischen Versorgung ist es umstritten, Placebo-Behandlungen zu verordnen. Doch was denken die Patienten selbst über den Einsatz von Placebos? Bei einer Telefonumfrage in den USA gaben insgesamt 853 Personen ihr Statement hierzu ab – mit erstaunlichem Ergebnis.

Placebos spielen immer wieder eine wichtige Rolle in klinischen Studien, wo die Ergebnisse der Placebo-Gruppe denen der Wirkstoffgruppe gegenübergestellt werden. Hier besteht allerdings die bewusste Zustimmung der Teilnehmenden, eventuell ein Teil der Placebo-Kontrollgruppe zu sein. Auch in der Praxis finden Placebos immer mehr Einsatz, aber um sich rechtlich abzusichern, muss der Arzt zumindest teilweise mit offenen Karten spielen. Er ist nicht verpflichtet, das Wort „Placebo“ zu verwenden, sondern kann sein Vorgehen umschreiben:

» Das Medikament, das ich Ihnen verschreibe, wirkt anders als Ihre bisherige Medizin. Es funktioniert auf der psychologischen Ebene. «

Die reinen Placebos, also in Form von Zuckerkapseln ohne jeglichen Wirkstoff, werden in der Praxis selten eingesetzt. Meist verschreibt der Arzt Medikamente, die er selbst für wirkungslos hält oder die nicht auf das vorliegende Krankheitsbild passen. Das sind häufig Vitaminpräparate oder auch homöopathische Mittel – sogenannte Pseudo-Placebos.

Eine US-Studie zeigt nun, was die Patienten selbst über den Einsatz von Placebos denken. Nur für etwa 22 % der Befragten (Alter: 18-75 Jahre) war es inakzeptabel, dass ein Arzt eine Placebo-Behandlung überhaupt empfiehlt. Dagegen urteilten 76 %, dass der Arzt eine Therapie mit Placebos durchaus empfehlen dürfe, wenn er von Nutzen und Unbedenklichkeit überzeugt wäre. Für die Hälfte aller Befragten war dies ebenfalls noch akzeptabel, sollte sich der Arzt unsicher bezüglich des Nutzens der Behandlung sein.

Ein entscheidender Grundsatz jedoch betraf die Aufrichtigkeit und das Vertrauen in den Arzt. Ein Großteil der Patienten war der Meinung, dass der Mediziner ihnen stets mitteilen müsse, dass es eine Placebo-Behandlung sei. Sonst wäre es durchaus möglich, dass dies einen negativen Einfluss auf die Patient-Arzt-Beziehung habe. Besonders wenn sie herausfänden, dass es sich um ein Placebo handle und die Behandlung keinen Effekt hatte, sagten etwa 81 %.

Ein Drittel der Befragten gab an, dass sie bei mäßigen abdominalen Schmerzen ein Placebo einnehmen würden, wenn der Arzt es empfiehlt. Patienten sind also durchaus aufgeschlossen gegenüber dem Einsatz von Placebos, jedoch möchten sie vom behandelnden Arzt darüber aufgeklärt werden. Die Studienlage ist sehr dünn, denn es stellt sich abschließend die Frage, ob der „Placebo-Effekt“ dann genauso eintritt. Die Tendenz zeigt aber, dass das Placebo auch bei informierten Patienten besser wirkt als bei entsprechenden Wartegruppen ohne Behandlung.

Quelle: Hull SC, Colloca L, Avins A, Gordon NP, Somkin CP, Kaptchuk TJ, Miller FG. Patients’ attitudes about the use of placebo treatments: telephone survey. BMJ 2013;347:f3757.

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