• Blutproben

     

Polycythaemia vera im Jahre 2015

Die klassischen myeloproliferativen Neoplasien, chronische myeloische Leukämie, Polycythaemia vera (PV), essenzielle Thrombozythämie (ET) und die primäre Myelofibrose (PMF), wurden in der Vergangenheit aufgrund der klinischen Ähnlichkeit unter dem Begriff der chronischen myeloproliferativen Erkrankungen zusammengefasst. Nach der Entdeckung des Philadelphia-Chromosoms und des korrespondierenden bcr-abl-Fusionsgens, welche eine klare Abgrenzung der CML und die Entwicklung einer zielgerichteten am molekularen Defekt ansetzenden Therapie erlaubten, standen die anderen Entitäten über längere Zeit im Hintergrund des klinischen und wissenschaftlichen Interesses. Erst im Jahre 2005 eröffnete die Entdeckung der JAK2V617F-Mutation, einer Punktmutation im Gen der JAK2-Tyrosinkinase, neue Perspektiven für Diagnostik und Therapie dieser Erkrankungen..

Die JAK2-V617F-Mutation wird nicht nur als klonaler Marker zur Diagnosesicherung von PV, ET, PMF und einzelner seltenerer Entitäten eingesetzt, sie ist insbesondere auch eine Zielstruktur für die Entwicklung selektiver Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI). Mit der Zulassung des JAK1 /JAK2-Inhibitors Ruxolitinib (Jakavi®) für Patienten mit PV, die sich refraktär oder intolerant gegenüber Hydroxyurea zeigten, steht erstmals ein TKI für die Behandlung dieser Erkrankung zur Verfügung.

In Europa liegt die Inzidenz der PV zwischen 0,4 % und 2,8 % pro 100 000 Einwohner pro Jahr. Das mediane Alter bei Diagnosestellung beträgt etwa 60 Jahre. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt nach aktuellen Analysen bei knapp 19 Jahren und ist trotz dieser relativ günstigen Daten schlechter als die der Normalbevölkerung.

Der natürliche Krankheitsverlauf der PV umfasst unterschiedliche Stadien. Die in der Regel über Jahre anhaltende chronische Phase ist durch die klinischen Merkmale der gesteigerten Myeloproliferation charakterisiert. Diese imponiert als Proliferation aller drei Zellreihen (Erythropoese, Megakaryopoese, Granulopoese) und Splenomegalie. Die Proliferation der Erythropoese steht hierbei im Vordergrund und bestimmt das klinische Bild. Häufigste und potenziell bedrohliche Komplikationen sind arterielle oder venöse Thromboembolien bei bis zu 40 % der Patienten. Bei unbehandelter PV stellen sie mit 63 % der Todesfälle die häufigste Todesursache dar [8]. Probleme der Spätphase sind der Übergang in eine sekundäre Myelofibrose (MF) mit extramedullärer Hämatopoese und zum Teil ausgeprägter Splenomegalie und die Transformation in eine akute Leukämie. Die Rate an MF liegt nach einer medianen Beobachtungszeit von 10 Jahren bei 15 %, nach 20 Jahren bei 50 %. Der direkte Übergang in eine akute Leukämie ist selten (4 %), während etwa 20 % der Patienten mit Post-PV MF in eine AML transformieren.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier Diagnostik und Therapie der Polycythaemia vera im Jahre 2015

Aus der Zeitschrift DMW 20/15

DMW Jetzt kostenlos testen

Newsletter-Service

  • Thieme Newsletter - Wissen das sich anpasst - Jetzt kostenlos registrieren

    Jetzt kostenlos anmelden

    Aktuelles aus Ihrem Fachgebiet: Mit brandaktuellen News und Neuerscheinungen, Schnäppchen und tollen Gewinnspielen sind Sie up to date und immer einen Schritt voraus.

Quelle

Buchtipps

Nephrologie
Ulrich Kuhlmann, Friedrich C. Luft, Joachim Böhler, Mark Dominik Alscher, Ulrich KunzendorfNephrologie

Pathophysiologie - Klinik - Nierenersatzverfahren

EUR [D] 169,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Gastroenterologie compact
Irmtraut KoopGastroenterologie compact

Alles für Klinik und Praxis

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.