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Psychosomatische Sprechstunde in der Hausarztpraxis – ein neues Kooperationsmodell von Psychosomatik und Allgemeinmedizin

Eine hohe Zahl an Patienten mit psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen erhält derzeit keine adäquate fachärztliche bzw. fachpsychotherapeutische Behandlung, sondern verbleibt diesbezüglich alleinig beim Hausarzt. Ursachen sind häufig lange Wartezeiten auf Psychotherapie, patientenseitige Barrieren oder offene differenzialdiagnostische Fragen. Daher entwickelten wir ein Versorgungskonzept, das direkt in der Hausarztpraxis ansetzt und offen für jegliche psychosomatische Störung ist. Dieses Modell, das im Kern eine vor-Ort Sprechstunde durch einen Facharzt für Psychosomatische Medizin umfasst, wird im Folgenden vorgestellt. Erste Erfahrungen bezüglich Inanspruchnahme und Patientenklientel belegen eine hohe Akzeptanz seitens Patienten, Hausärzten und Fachärzten für Psychosomatische Medizin.

Versorgung von Patienten mit psychosomatischen Störungen in der Hausarztpraxis

Mit einer Prävalenz von ca. 30% sind psychische Störungen in der erwachsenen Allgemeinbevölkerung in Deutschland sehr häufig. Die quantitativ wichtigste Gruppe stellen dabei Angst- und depressive Störungen dar. Nur 10–40% der Betroffenen berichten, das Gesundheitssystem im Rahmen der psychischen Störung in Anspruch zu nehmen. Es resultiert somit eine hohe Anzahl unversorgter Patienten mit psychischen Störungen, von denen wiederum die Mehrheit nicht spontan remittiert, sondern der Gefahr eines chronischen Verlaufs ausgesetzt ist. Betroffen von der niedrigen Versorgungsrate sind v. a. Ältere und Patienten mit chronischen somatischen Erkrankungen. Zusätzlich bestehen regionale Versorgungsunterschiede. Die erste Anlaufstelle für Patienten mit psychosomatischer Belastung ist zumeist der Hausarzt. Obwohl psychosomatische Grundversorgung inzwischen integraler Baustein der Allgemeinarztweiterbildung ist, bestehen hier weiterhin Defizite im korrekten Erkennen solcher Störungen, lange Wartezeiten auf Psychotherapie oder patientenseitige Barrieren und so werden aktuell immer noch nur rund 40% der Betroffenen leitlinienorientiert behandelt. Bisherige Versuche, die Versorgung psychosomatisch erkrankter Patienten durch Fortbildung von Hausärzten bezüglich Diagnostik und Therapie zu verbessern, zeigten keine ausreichenden Effekte in Hinblick auf den Verlauf der Beschwerden. Daher scheint es lohnenswert, alternative Ansätze zur Verbesserung der Versorgung psychisch Kranker direkt in der Hausarztpraxis zu erproben.

Modelle der psychosomatischen Versorgung in Hausarztpraxen

Modelle und Studien zur spezifischen psychosomatischen Versorgung im primärärztlichen Bereich stammen überwiegend aus dem angloamerikanischen Raum. Die bislang untersuchten Modelle können nach der Art und dem Grad der Zusammenarbeit zwischen Hausarzt und psychosozialer Fachkraft klassifiziert werden.

In Deutschland aktuell verbreitet ist die autonome Versorgung, im Rahmen derer Hausärzte und Facharzt bzw. Fachpsychotherapeut weitestgehend unabhängig voneinander arbeiten.

Hauptsächlich in den USA etabliert ist das Collaborative Care Modell basierend auf einem Behandlungsteam, klassischerweise bestehend aus Hausärzten und einem auf Leitlinien geschulten Fallkoordinator (bspw. Medizinische Fachangestellte oder Sozialarbeiter) sowie einem Psychotherapeuten/Psychiater, welcher dem Team beratend und supervidierend zur Seite steht. Die Effektivität dieses Versorgungsmodells wurde in zahlreichen RCTs belegt. Am bekanntesten ist das Improving Mood Promoting Access to Collaborative Treatment (IMPACT) Modell, welches aktuell auch in Deutschland erprobt wird.

Integrated Care beschreibt das Versorgungsmodell mit den qualifiziertesten Akteuren und der direktesten Kooperation in der Behandlung psychischer Störungen. Hier arbeiten Allgemeinmediziner und Fachpsychotherapeuten gleichberechtigt und störungsunspezifisch mit denselben Patienten. Die Studienlage hierzu gilt aktuell als begrenzt, insbesondere was die direkte gemeinsame Versorgung betrifft. Im stationären Bereich hat sich das Konsil-/Liaison-Modell als interdisziplinäres Versorgungskonzept erfolgreich etabliert. Vergleichbare Konzepte in der hausärztlichen Versorgung gibt es bisher nicht.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier Psychosomatische Sprechstunde in der Hausarztpraxis – ein neues Kooperationsmodell von Psychosomatik und Allgemeinmedizin

Aus der Zeitschrift Psychotherapie · Psychosomatik · Medizinische Psychologie 

 

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