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S2k-Leitlinie Zöliakie: Top 3 Infos

Diagnostik und Therapie der Zöliakie

Die erste deutsche S2k-Leitlinie „Zöliakie“ gilt seit 30.4.2014 und fasst diagnostische und therapeutische Maßnahmen zur Zöliakie und deren Komplikationen zusammen. Die Leitlinie beschreibt auch differenzialdiagnostische Strategien zur Abgrenzung der Zöliakie von der Weizenallergie und der sog. nicht-Zöliakie-nicht-Allergie-Weizensensitivität. Sie wurde von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Zöliakie (DZG e. V), einer der größten Patienten-Selbsthilfeorganisationen in Deutschland, herausgegeben.

 

Top-Info 1: Serologie

Bei Verdacht auf eine Zöliakie sind Gewebs-Transglutaminase-IgA-Antikörper zu bestimmen. Sind diese positiv, sollten mindestens 6 Biopsien entnommen werden.

Bei Verdacht auf eine Zöliakie sind primär serologische Untersuchungen indiziert. Die Bestimmung der Gewebs-Transglutaminase-IgA-Antikörper (tTG-IgA-Ak) oder der Endomysium-IgA-Antikörper (EmA-IgA-Ak) sowie des Gesamt-IgAs sind indiziert (bis zu 10 % der Zöliakie-Patienten haben einen IgA-Mangel). In der Regel genügt ein spezifischer Antikörpertest (tTG oder EMA). Antikörper gegen natives Gliadin, Schnell-, Speichel- und Stuhltests sind nicht sinnvoll. Sind die tTG-IgA-Ak positiv, sollen mindestens 6 Biopsien aus verschiedenen Abschnitten des Duodenums einschließlich des B. duodeni und dem mittlerem und distalem Duodenum entnommen werden. Bei sehr hohen Antikörpertitern und typischen abdominellen Symptomen kann insbesondere bei kleinen Kindern auf eine diagnostische Endoskopie verzichtet werden.

 

Top-Info 2: DQ2- und DQ8-Bestimmung

Eine DQ2- und DQ8-Bestimmung kann helfen, eine Zöliakie auszuschließen.
Häufig ernähren sich Patienten aufgrund der Verdachtsdiagnose einer Zöliakie bereits glutenfrei, wenn sie ihren Arzt konsultieren. Die serologische Untersuchung ist hier oft nicht zielführend, da unter Diät die Antikörper-Titer fallen. In Europa sind ca. 85–90 % der Zöliakiebetroffenen positiv für HLA-DQ2 und ca. 10–15 % für HLA-DQ8. In der Normalbevölkerung sind allerdings 25–35 % Träger von HLA-DQ2 oder -DQ8. Daher hat ein Nachweis von HLA-DQ2 oder -DQ8 nur einen niedrigen positiven Vorhersagewert. Eine Negativität hingegen schließt eine Zöliakie weitgehend aus.

 

Top-Info 3: Glutenfreie Ernährung

Zöliakiepatienten dürfen Hafer essen.

Glutenfreie Diät (GFD) bedeutet den kompletten Verzicht auf glutenhaltiges Getreide (d. h. Weizen, Dinkel, Grünkern, Roggen, Gerste, Triticale, Khorasan-Weizen [Kamut®], Emmer, Einkorn) sowie den daraus hergestellten Erzeugnissen. Häufig werden bis zu 10 mg Gluten (10 Brotbröseln oder ein Teil einer Nudel) pro Tag toleriert; diese Menge führt nicht oder nur sehr selten zu Schleimhautschäden. Diese strenge Diät in die Praxis umzusetzen ist schwierig und Patienten fragen häufig nach Erleichterungen. Haferflocken verbessern eine GFD geschmacklich, erhöhen das Sättigungsgefühl, die Variabilität der GFD und damit die Lebensqualität. Sortenreine Haferflocken ohne Glutenkontamination werden von der Mehrzahl der Betroffenen ohne nachteilige Wirkungen auf die Dünndarmschleimhaut vertragen. Sie können bei regelmäßiger Überwachung konsumiert werden.
Top-Info 4: Refraktäre Zöliakie

Bei Auftreten bzw. Wiederauftreten von Symptomen (Diarrhö, Gewichtsverlust, Leistungsminderung, Müdigkeit) sollte an Komplikationen einer Zöliakie (refraktäre Zöliakie, Enteropathie-assoziiertes T-Zell-Lymphom, ulzerative Jejunitis, Adenokarzinom des Dünndarms) gedacht werden.
Die Symptome, die auf eine Komplikation hinweisen, sind unspezifisch und können z. B. auch im Rahmen von Diätfehlern auftreten. Letztere sind in jedem Fall mittels einer erneuten Ernährungsberatung auszuschließen. Tiefe Duodenalbiopsien inkl. Immunhistologie (CD8, T-Zellrezeptor-β) und Molekularpathologie (T-Zellrezeptor-Klonalitätsanalyse) sowie eine abdominelle Schnittbildgebung helfen in der Differenzialdiagnose.

 

Fazit

Die Zöliakie ist eine häufige Erkrankung; die Symptome sind meist unspezifisch, vielfältig und häufig primär extraintestinaler Natur („Chämaleon der Inneren Medizin“). Bei einem Großteil der Betroffenen ist die Diagnose nicht bekannt („Eisbergphänomen“). Eine sachkundige Ernährungsberatung ist wichtig; die Möglichkeit, Hafer zu konsumieren, verbessert die Lebensqualität.

Aus der Zeitschrift DMW 03/2015; S2k-Leitlinie Zöliakie: Diagnostik und Therapie der Zöliakie; Andreas Stallmach, Detlef Schuppan

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