• Schilddrüsenknoten

     

Schilddrüsenknoten: ATA-Leitlinie aus europäischer Sicht

Die überarbeitete Leitlinie der American Thyroid Association (ATA) von 2015 bezieht sich auf ein Land mit im Durchschnitt normaler Jodversorgung. Bei der Abklärung von Schilddrüsenknoten muss jedoch die Jodversorgung berücksichtigt werden. In einer kürzlich publizierten Stellungnahme gehen europäische und amerikanische Experten auf die besonderen Verhältnisse in ehemaligen Jodmangelgebieten in Europa ein, wozu auch Deutschland gehört.

Die American Thyroid Association (ATA) hat 2015 hat eine grundlegend überarbeitete Leitlinie der vorausgehenden Fassung von 2009 publiziert. Die von amerikanischen Thyreologen unter Beteiligung von 2 europäischen Kollegen verfassten Leitlinien reflektieren die Verhältnisse in einem Land mit im Durchschnitt normaler Jodversorgung. In den USA sind die meist kleineren Schilddrüsenknoten in der Regel als solitäre Knoten und selten in einer Knotenstruma nachweisbar und Autonomien sehr selten. In der Abklärung von Schilddrüsenknoten muss jedoch die Jodversorgung berücksichtigt werden. Auch wenn die Jodversorgung in Deutschland insgesamt noch nicht optimal ist, gehört unser Land nicht mehr zu den Jodmangelgebieten. Als Folgen des Jodmangels weisen aber immer noch ca. 25 % der Bevölkerung Schilddrüsenknoten oder eine Knotenstruma auf. Kürzlich wurde eine Stellungnahme europäischer Nuklearmediziner, Endokrinologen und endokriner Chirurgen unter Beteiligung amerikanischer Kollegen publiziert, die auf die besonderen Verhältnisse in ehemaligen Jodmangelgebieten in Europa eingeht und die amerikanischen Leitlinien unter Berücksichtigung der europäischen Gegebenheiten kommentiert.


Epidemiologie des malignen Schilddrüsenknotens

Den mehr als 20 Millionen in Deutschland lebenden Menschen, die nach Hochrechnung einen (möglicherweise nie diagnostizierten) Schilddrüsenknoten aufweisen, steht eine vergleichsweise geringe Anzahl von Schilddrüsenkarzinomen gegenüber. Nach der Inzidenzstatistik des Robert-Koch-Instituts (www.krebsdaten.de) erkrankten 2016 in Deutschland 7780 Patienten (5280 Frauen und 2500 Männer) an einem Schilddrüsenkarzinom. Die 10-Jahres-Prävalenz dieses Karzinoms beträgt bei Frauen 42 400 und bei Männern 16 400. Mit einer 10-Jahres-Überlebensrate von 91 % bei Frauen und 86 % bei Männern ist die Prognose des differenzierten Schilddrüsenkarzinoms im Vergleich zu anderen Karzinomen sehr gut.

Die geringe jährliche Inzidenz von Schilddrüsenkarzinomen bei 20 Millionen Schilddrüsenknoten (wegen des Auftretens multipler Knoten ist die Gesamtzahl der Knoten sogar noch sehr viel höher!) macht deutlich, warum bei der Abklärung des Schilddrüsenknotens die ATA-Leitlinien nicht uneingeschränkt übernommen werden können, sondern die besonderen Verhältnisse in einem ehemaligen Jodmangelgebiet berücksichtigt werden müssen.

Nach der Statistik des Robert-Koch-Instituts ist die Erkrankungsrate des differenzierten Schilddrüsenkarzinoms in den letzten Jahren besonders bei Frauen deutlich gestiegen (www.krebsdaten.de). Auf der anderen Seite ist die Sterberate leicht gefallen. Dies wird durch die Detektion von vorwiegend papillären Mikrokarzinomen (Durchmesser < 1 cm) erklärt. Diese Zunahme von Mikrokarzinomen findet sich auch in Ländern mit ausreichender Jodversorgung und aufgrund der guten Prognose wird vom Nachweis solcher Mikrokarzinome im höheren Alter abgeraten.

In Bezug auf die Inzidenz des differenzierten Schilddrüsenkarzinoms als solitärer Knoten und in der Knotenstruma ist zu beachten: Noch in den 1980er-Jahren entwickelten sich Schilddrüsenkarzinome in bis zu 40 % der Fälle in multinodösen Strumen; diese wurden meist zufällig bei der histologischen Aufarbeitung von Operationspräparaten diagnostiziert. In späteren Studien war dieser Anteil zwar geringer, aber immer noch weitaus höher als in den USA.

 

Lesen Sie den vollständigen Beitrag hier Schilddrüsenknoten: ATA-Leitlinie aus europäischer Sicht

Aus der Zeitschrift DMW - Deutsche Medizinische Wochenschrift 

Call to Action Icon
DMW Jetzt abonnieren!

THIEME NEWSLETTER

Quelle

Buchtipps

Laryngeal Cancer
Rogerio Dedivitis, Giorgio Peretti, Ehab Y. Hanna, Claudio Roberto CerneaLaryngeal Cancer

Clinical Case-Based Approaches

EUR [D] 119,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Harrisons Innere Medizin
Norbert Suttorp, Martin Möckel, Britta Siegmund, Manfred DietelHarrisons Innere Medizin

EUR [D] 249,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Checkliste Doppler- und Duplexsonografie
Helmut Kopp, Malte LudwigCheckliste Doppler- und Duplexsonografie

EUR [D] 71,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.