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Schlaganfall: Thrombolyse und Thrombektomie kombinieren

Bei der Behandlung des ischämischen Schlaganfalls gewinnt die Thrombektomie zunehmend an Bedeutung. Das hat nun Niederschlag in einer Aktualisierung der Leitlinien gefunden, die eine „Drip and Ship“-Strategie empfiehlt, wie die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) mitteilen.

In allen Stroke-Units ist die Lysetherapie seit Mitte der 90er Jahre Standard. Allerdings können tatsächlich nur etwa 50 bis 60 Prozent der Thromben tatsächlich erfolgreich lysiert werden. Mit der Thrombektomie setzt sich zunehmend ein weiteres Behandlungsverfahren durch, das nach Vorstellung der Fachgesellschaften rasch möglichst vielen Patienten zugutekommen soll. Dazu soll eine enge Zusammenarbeit von Stroke Units und Neurovaskulären Zentren beitragen, wobei Neuroradiologen, die den Kathetereingriff vornehmen, bereits verstärkt zertifizierte Fortbildungen anbieten.

Die Thrombektomie wurde zudem als Behandlungsoption in die aktualisierten Leitlinien aufgenommen. Aktuell erweitern dabei Kliniken, die eine Stroke Unit besitzen, ihr Angebot um die Thrombektomie, heißt es in einer Mitteilung der Fachgesellschaften. „Das Behandlungsverfahren wurde in den vergangenen Jahren so weit verfeinert, dass fast 90 Prozent der Gefäße wieder eröffnet werden können“, sagt dazu Professor Dr. Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Essen und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Er verweist dabei auf eine kürzlich in der Fachzeitschrift Lancet publizierte Meta-Analyse, die die Ergebnisse von fünf Studien zusammenfasst und zeigt, dass vielen Patienten durch die mechanische Thrombektomie schwerwiegende Behinderungen infolge des Schlaganfalls erspart blieben.

Die beteiligten Fachgesellschaften haben die Studienergebnisse zum Anlass genommen, ihre Leitlinie zu ergänzen (online auf www.dgn.org oder www.awmf.org). „Die Leitlinie gibt umfassende Anleitungen zu allen Aspekten der neuen Therapie“, berichtet Professor Dr. Peter Ringleb, Mitglied im Vorstand der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und Leiter der Sektion Vaskuläre Neurologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Er ist Erstautor der neuen Leitlinie. Im Regelfall werden nach seinen Worten beide Therapien – die Lysetherapie und die mechanische Thrombektomie – nach dem Prinzip des „Drip and ship“ miteinander kombiniert.

Da eine Katheterbehandlung derzeit nur an bestimmten Kliniken möglich ist, wird der Schlaganfallpatient in der akuten Situation zuerst in die nächste Stroke Unit gebracht, um ohne Zeitverzug mit der Lysetherapie („drip“) beginnen zu können. Die dort behandelnden Ärzte entscheiden dann umgehend, ob eine mechanische Thrombektomie in Frage kommt und der Patient mit dem Rettungswagen in eine Klinik transportiert („ship“) werden soll, in der die Katheterbehandlung möglich ist.

„Dass diese Vorgehensweise gut funktioniert, wurde jüngst vom neurovaskulären Rhein-Ruhr Netzwerk belegt“, berichtet Professor Dr. Christoph Groden, Leiter der Abteilung für Neuroradiologie des Universitätsklinikums Mannheim. Zu dem Netzwerk gehörten zum Zeitpunkt der Studie 17 Stroke Units im Ruhrgebiet, von denen acht 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche eine mechanische Thrombektomie anbieten. Die Erfahrungen bei 643 Patienten zeigen, dass „Drip and ship“ im deutschen Gesundheitswesen erfolgreich organisiert werden kann. „Die Überlebensrate der Patienten, die aus anderen Kliniken überwiesen wurden, war vergleichbar mit jenen, die in den Zentren direkt behandelt wurden“, so Christoph Groden. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) fordert, dass die Neurovaskulären Netzwerke flächendeckend ausgebaut werden. „Wir sind auf einem sehr guten Weg und haben bereits in kurzer Zeit die Zahl der Neuroradiologen bzw. Radiologen, die in der Thrombektomie erfahren sind, deutlich gesteigert“, sagt er. Um eine flächendeckende Versorgung zu erreichen, bauen die Fachgesellschaften auf die Stroke Units in Verbindung mit den Neurovaskulären Netzwerken.

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