• Selbsteinschätzung körperlicher Aktivität

     

Selbsteinschätzung körperlicher Aktivität

Der Vergleich von subjektiver und objektiver körperlicher Aktivität bei Rückenpatienten nach stationärer Rehabilitation

Die Hinführung zu einem körperlich aktiven Lebensstil ist ein übergeordnetes Ziel der Bewegungstherapie und rehabilitativen Nachsorge, das auch bei der großen Gruppe von Rehabilitanden mit chronischen Rückenschmerzen von zentraler Bedeutung ist.

In der Bewegungsförderung ist die Frage nach der patientenbezogenen Selbsteinschätzung des körperlichen Aktivitätsverhaltens sowohl für die therapeutische Praxis als auch aus wissenschaftlicher Sicht von großer Relevanz. Für die therapeutische Praxis ist bspw. zu berücksichtigen, dass die patientenbezogene Selbsteinschätzung, das heißt in diesem Fall das Ausmaß der Übereinstimmung von subjektiver und objektiver körperlicher Aktivität, die Motivation und Intention zur Veränderung des Bewegungsverhaltens maßgeblich beeinflussen kann. So kann eine Überschätzung des eigenen Aktivitätsverhaltens eine potentielle Barriere für den Erfolg von Interventionen sein, da sich TeilnehmerInnen unter Umständen bereits als ausreichend aktiv einschätzen und somit eine bewegungsbezogene Verhaltensveränderung nicht als notwendig empfinden.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist für die Bewertung von Interventionseffekten neben den Fragen nach der Objektivität, Reliabilität und Validität eines Instruments zur Messung körperlicher Aktivität auch die Frage nach dessen Anwendbarkeit in der Praxis von zentraler Bedeutung. Bezüglich der Operationalisierung von körperlicher Aktivität wird dabei in der Literatur ein inverser Zusammenhang zwischen Messgenauigkeit und Praktikabilität beschrieben, d. h. mit steigender Praktikabilität nimmt die Messpräzision ab. [Abb. 1] zeigt Methoden zur Operationalisierung körperlicher Aktivität und unterscheidet dabei Referenz-Methoden, objektive Verfahren und subjektive Verfahren. Während die Messpräzision von den subjektiven Verfahren in Richtung Referenz-Methoden zunimmt, nimmt die Praktikabilität, d. h. die Durchführung in der Routineanwendung, gleichzeitig ab. Die Herausforderung in der anwendungsorientierten Wissenschaft besteht darin, für die jeweilige Untersuchung ein praktikables Instrument mit bestmöglicher Messpräzision auszuwählen.

Ausgehend von der Einteilung in [Abb. 1] zeigten bereits mehrere Studien, dass Daten zur körperlichen Aktivität aus subjektiven und objektiven Verfahren häufig nicht übereinstimmen. Prince et al. zeigten dazu in einem umfassenden Review, dass es bei den subjektiven Erhebungen sowohl zu deutlichen Über- als auch Unterschätzungen im Vergleich zu objektiven Daten kam. Dabei konnte allerdings kein klares Muster bezüglich der Abweichungen identifiziert werden. Auch Gaede-Illig, Alfermann, Zachariae und Menzel zeigten in einer Studie an über 430 Probanden, dass subjektive Angaben stark von objektiven Werten zur körperlichen Aktivität abwichen, wobei sie im Mittel eine subjektive Überschätzung der körperlichen Aktivität beschreiben. Zu den gleichen Ergebnissen kam ein Review zur Validität eines international anerkannten Fragebogens (IPAQ-SF), das eine zum Teil deutliche Überschätzung der subjektiven körperlichen Aktivität im Vergleich zu objektiven Daten beschreibt. Analog zur Tendenz der Überschätzung der subjektiven körperlichen Aktivität zeigt die Studienlage zudem eine zum Teil deutliche Unterschätzung von Sitzzeiten bzw. körperlicher Inaktivität. Die Notwendigkeit einer ergänzenden indikationsspezifischen Betrachtung des Themas zeigt eine Arbeit von van Weering, Vollenbroek-Hutten und Hermens, die zeigte, dass die Selbsteinschätzung von Rückenschmerzpatienten im Vergleich zu gesunden Probanden deutlich schlechter ist.

Ausgehend von der in der Literatur aufgezeigten Problemlage bei der Übereinstimmung subjektiver und objektiver Verfahren sowie der Bedeutung der patientenbezogenen Selbsteinschätzung für die Interventionskonzeption und -evaluation von Bewegungsförderungsmaßnahmen ist das Ziel der vorliegenden Studie die subjektiven und objektiven körperlichen Aktivität bei Patienten mit Rückenschmerzen zu vergleichen.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag mit Abbildungen: Selbsteinschätzung körperlicher Aktivität: Der Vergleich von subjektiver und objektiver körperlicher Aktivität bei Rückenpatienten nach stationärer Rehabilitation

Aus der Zeitschrift Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin 2/2016

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Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin
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