• Infusion

     

Subkutane Flüssigkeitssubstitution bei betagten Patienten während Hitzewellen

Zunehmend werden geriatrische Patienten in Krankenhäusern wegen Exsikkose behandelt. Bei Hitzeperioden sind ältere Menschen anfälliger für Dehydratationszustände, insbesondere bei febrilen Begleiterkrankungen und einer Polypharmazie. Es müssen ambulante Versorgungsstrukturen gesichert werden, um eine orale Flüssigkeitsaufnahme zu gewährleisten. Parallel dazu muss die Möglichkeit der zeitlich begrenzten parenteralen Flüssigkeitsgabe wie die subkutane Infusion (Hypodermoclysis) im ambulanten Gesundheitssektor flächendeckend eingesetzt werden.

Alte Patienten nehmen häufig nicht ausreichend Flüssigkeit zu sich – ein Problem, mit dem angesichts zunehmender Hitzeperioden in Zukunft häufiger zu rechnen sein wird. Die einfachste Maßnahme – mehr Trinken – stößt bei alten Patienten jedoch oft an Grenzen. Dieser Beitrag schildert eine effiziente Alternative, die auch von geschulten Laien durchgeführt werden kann: die subkutane Flüssigkeitssubstitution.

Hitzewellen und Mortalität | Während des „Jahrhundertsommers“ 2003 wurde für Deutschland eine Übersterblichkeit von 7000 Personen beschrieben. Betroffen waren insbesondere ältere und bettlägerige Patienten. Auch in den Folgejahren kam es zu längeren Hitzeperioden. Auf verschiedenen Ebenen der öffentlichen Gesundheitsfürsorge wurde dieses Problem wahrgenommen und evaluiert. So beschäftigten sich das Bundesgesundheitsministerium und die WHO mit den Folgen von Hitzewellen in Deutschland und Europa. Auch in internationalen Publikumszeitschriften ist ein Problembewusstsein entstanden (z.B. Newsweek: „Are you ready for more?“). In der Zwischenzeit wurde vom Deutschen Wetterdienst (DWI) ein Hitzewarnsystem etabliert.
Klimawandel-Projektionen prognostizieren häufigere, intensivere und länger andauernde Hitzewellen – auch in Nordeuropa.


Eingeschränkte Adaptation | Unter Hitzewellen leiden vermehrt vulnerable Personengruppen wie Säuglinge und ältere Menschen, insbesondere bei zusätzlichen Begleiterkrankungen. Oft wird eine sogenannte Trinkschwäche diagnostiziert. Die Ursachen sind mannigfaltig, z.B. eine dementielle Problematik, eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Getränken oder das abnehmende Durstgefühl.
Nicht selten kommt dazu eine Angst vor Inkontinenz oder nächtlichen Toilettengängen, die zu einer verminderten Flüssigkeitsaufnahme führen.
Mit zunehmendem Alter sinkt die Toleranz des Organismus gegenüber Wasser- und Elektrolytveränderungen.

 

Physiologische Veränderungen | Grund für die verminderte Kompensationsfähigkeit älterer Patienten sind physiologische Alterungsprozesse.
Bei Hitzeperioden steigt die Perspiratio insensibilis von 300–500 ml auf bis zu 10l pro Tag unter tropischen Arbeitsbedingungen.
Im Alter sind Schweißsekretion und kardiovaskuläre Funktion bei Hitzeexposition allerdings verändert.
Der Fettanteil an der Körpermasse nimmt zu und das Gesamtkörperwasser sinkt um 10%. Dadurch ist die intrazelluläre Flüssigkeitshomöostase anfälliger für eine verminderte Zufuhr bzw. einen erhöhten Verlust von Flüssigkeit.
Die Sekretion von ADH und ANP ist Alterungsvorgängen unterworfen, die letztlich das Durstgefühl reduzieren. Bildung und Ausschüttung von ADH können zudem beeinflusst werden von


• Sulfonylharnstoffen
• Diuretika
• ischämischen Ereignissen
• entzündliche Veränderungen
• paraneoplastischen Vorgängen

 

Komplikation durch Medikamente | Ältere Menschen sind aufgrund von Komorbiditäten häufig auf Medikamente angewiesen, die eine Exsikkose provozieren können. Hierzu gehören:


• ACE-Hemmer,
• Diuretika,
• Laxantien.


Durch sedierende Nachtmedikation, z.B. Benzodiazepine, kommt es zu einer vermehrten Tagesschläfrigkeit und in der Folge zur verminderten oralen Flüssigkeitsaufnahme.
Bei Hitzeperioden sind ältere Menschen anfälliger für Dehydratationszustände, insbesondere bei febrilen Begleiterkrankungen und Polypharmazie.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag:
Subkutane Flüssigkeitssubstitution bei betagten Patienten während Hitzewellen

 

Aus der Zeitschrift
Deutsche Medizinische Wochenschrift 11/2015.

Call to Action Icon
Zeitschrift DMW Jetzt kostenlos testen

Newsletter-Service

  • Thieme Newsletter - Wissen das sich anpasst - Jetzt kostenlos registrieren

    Jetzt kostenlos anmelden

    Aktuelles aus Ihrem Fachgebiet: Mit brandaktuellen News und Neuerscheinungen, Schnäppchen und tollen Gewinnspielen sind Sie up to date und immer einen Schritt voraus.

Buchtipps