Vergleich kardio- und gastrointestinaler Nebenwirkungen

  • Thieme Verlagsgruppe/Studio Nordbahnhof

     

Traditionelle Nichtsteroidale Antirheumatika (tNSAR) und COX-2-Hemmer (Coxibe) werden zur Analgesie bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Dabei galten Coxibe bislang als magenverträglicher, und tNSAR als sicherer in Bezug auf kardiovaskuläre Risiken. Eine kürzlich in The Lancet veröffentliche Metaanalyse hat ernüchternde Ergebnisse in Bezug auf die Therapiesicherheiten der beiden Cyclooxygenase-Hemmer geliefert.

Zur Analgesie bei rheumatischen Erkrankungen, wie chronischen Arthroseschmerzen, kommen traditionelle Nichtsteroidale Antirheumatika (tNSAR) oder COX-2-Hemmer (Coxibe) infrage. Eine kürzlich in The Lancet veröffentliche Metaanalyse hat die Therapiesicherheit der beiden Cyclooxygenase-Hemmer systematisch verglichen. Dazu wurden 600 Studien von mindestens vier Wochen Dauer analysiert. Der Fokus lag auf den gastrointestinalen Risiken wie Magenulzera und Magenperforationen, sowie den kardiovaskulären Risiken wie Myokardinfarkten und Schlaganfällen. Galten Coxibe bislang als magenverträglicher, und tNSAR als sicherer in Bezug auf kardiovaskuläre Risiken, so zeigte die Metaanalyse eher ernüchternde Ergebnisse in Bezug auf die Therapiesicherheiten.

Auch tNSAR können in hohen Dosen dem Herzen schaden

In hohen Dosen können auch tNSAR dem Herzen schaden. Erwartungsgemäß erhöhten die Coxibe zwar die Rate schwerer vaskulärer Ereignisse (um 37 % versus Placebo, p = 0,0009), Gleiches galt aber auch für die tNSAR. So erhöhte das traditionelle Nichtsteroidale Antirheumatikum Diclofenac der Metaanalyse zufolge den primären Endpunkt, die Rate schwerer kardiovaskulärer Ereignisse, um 41 % versus Placebo (p = 0,0036). Hauptgrund war eine gesteigerte Myokardinfarktrate. Das tNSAR Ibuprofen war sogar mit einer um 122 % erhöhten Myokardinfarktrate assoziiert (p = 0,0253). Naproxen, das ebenfalls zu den tNSAR zählt, zeigte hingegen kein Exzessrisiko für kardiovaskuläre Ereignisse.

Hohe Gefahr von gastrointestinalen Komplikationen

Sowohl tNSAR als auch Coxibe erhöhen das Risiko von Komplikationen im oberen Gastrointestinaltrakt in hohen Dosen deutlich. Bei dem tNSAR Diclofenac und den Coxiben war laut Metaanalyse die Gefahr gastrointestinaler Ereignisse fast verdoppelt. Bei den tNSAR Ibuprofen und Naproxen lag sogar ein vierfach höheres Risiko für Komplikationen im Magen-Darm-Bereich vor.

Therapeutisch irrelevant hohe Dosierungen?

Was bedeuten die Ergebnisse der Metaanalyse nun für die ärztliche Praxis? In der Metaanalyse wurden ausschließlich Studien mit sehr hohen Tagesdosen untersucht, zum Beispiel von 150 mg Diclofenac, 2.400 mg Ibuprofen oder 1.000 mg Naproxen. Im Gegensatz zu den USA werden in Deutschland so hohe Dosen nur in Ausnahmefällen und nicht über längere Zeiträume verordnet. Auch erscheint es unwahrscheinlich, dass Patienten zum Beispiel das OTC-Präparat Ibuprofen in derart hoher Dosierung eigenmächtig einnehmen und sich so den beschriebenen Risiken aussetzen. Die Frage, inwieweit sich tNSAR und Coxibe in therapeutisch relevanten Dosen in Bezug auf gastrointestinale und kardiovaskuläre Risiken unterscheiden, kann die Metaanalyse nicht beantworten.

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