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Typ-2-Diabetes – Ist Schichtarbeit ein Risikofaktor?

Abweichungen des Schlaf-Wach-Rhythmus vom endogenen zirkadianen Rhythmus beeinflussen den Metabolismus tiefgreifend: So begünstigt Schichtarbeit offenbar u. a. vaskuläre Ereignisse, das metabolische Syndrom sowie Adipositas. Auch Hinweise darauf, dass Schichtarbeit das Diabetes-Risiko erhöht, gibt es bereits. V. Vimalananda et al. untersuchten diesen Zusammenhang bei Afroamerikanerinnen, einer Bevölkerungsgruppe, bei der Diabetes-Prävalenz (12,2 %) und Adipositas-Prävalenz (60 %) hoch sind.

Die Population der prospektiven Studie bestand aus 28 041 der Teilnehmerinnen der „Black Women‘s Health Study“, einer seit 1995 laufenden prospektiven Kohortenstudie, die Gesundheits- und Krankheitsdeterminanten bei Afroamerikanerinnen untersucht. Die Teilnehmerinnen waren zu Studienbeginn 21–69 Jahre alt und gaben alle 2 Jahre per Fragebogen Auskunft zu Lebensstil, medizinischen Problemen, Diabetes-Erkrankung und Medikamenteneinnahme. Im Jahr 2005 hatten die Teilnehmerinnen angegeben, ob sie jemals in Nachtschicht (zwischen 0:00 und 8 Uhr) gearbeitet hatten und gegebenenfalls über welchen Zeitraum. Das multivariable Cox-Basismodell beinhaltete die Variablen Alter, Zeitperiode, Diabetes bei Verwandten ersten Grades, Bildung sowie sozioökonomischer Status in der Nachbarschaft. In weiteren Modellen wurden auch Lebensstilfaktoren und BMI berücksichtigt. Während der 8-jährigen Beobachtungszeit erkrankten 1 786 Frauen neu an Diabetes. Verglichen mit Frauen, die nie in Nachtschicht gearbeitet hatten, trugen jene, die dies 1–2 Jahre, 3–9 Jahre bzw. ≥10 Jahre getan hatten, ein um 17, 23 bzw. 42 % höheres Risiko an Diabetes zu erkranken. Diese Assoziation schwächte sich durch Berücksichtigung der Störfaktoren ab auf eine Risikosteigerung um 9 %, 11 % bzw. 23 %. Der Zusammenhang variierte nicht mit Adipositas, war jedoch ausgeprägter bei Frauen < 50 Jahren: Verglichen mit Frauen, die nie Nachtschicht gearbeitet hatten, trugen die Unter-50-Jährigen, die ≥ 10 Jahre Nachtschicht gearbeitet hatten ein um 39 % höheres Diabetes-Risiko. Frauen ≥ 50 trugen hingegen ein um 17 % erhöhtes Risiko.

 

Fazit

Afroamerikanerinnen, die langfristig in Nachtschichten arbeiten, haben ein erhöhtes Risiko, neu an Diabetes zu erkranken. Da diese Assoziation auch nach Korrektur um Lebensstilfaktoren und BMI bestehen bleibt, wird sie vermutlich nicht nur durch die Störung des zirkadianen Rhythmus, sondern durch zusätzliche Mechanismen vermittelt. Es müsse weiter untersucht werden, wie die Anpassung des zirkadianen Rhythmus an die Schichtarbeit zu erleichtern oder Schichtarbeit zugunsten anderer Arbeitsformen vermieden werden kann, fordern die Autoren.

I. Schulz-Hanke

Aus der Zeitschrift Diabetologie und Stoffwechsel 3/2015

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