• Demenz

     

Vaskuläre Demenz und Hypertonie

Dementielle Erkrankungen sind in den kommenden Jahren eine wachsende Herausforderung für unser Gesundheitssystem. Da es bislang keine therapeutischen Möglichkeiten gibt, um eine manifeste Demenz effektiv zu behandeln, sind Maßnahmen zur Primärprävention von herausragender Bedeutung

Zu den gesicherten Risikofaktoren für vaskuläre Demenzen gehört die arterielle Hypertonie. Auch bei Patienten mit Alzheimerdemenz führt eine Hypertonie vermutlich dazu, dass sich die kognitive Situation schnell verschlechtert. Eine konsequente Blutdruckeinstellung, spätestens im mittleren Lebensalter, ist eine entscheidende Möglichkeit zur Prävention kognitiver Funktionsverluste. Darüberhinaus ist es wichtig, auch die anderen bekannten kardiovaskulären Risikofaktoren einzustellen. Regelmäßige körperliche Aktivität und Pflege sozialer Kontakte sind die Basis der Präventionsmöglichkeiten. Eine rechtzeitige medikamentöse antihypertensive Therapie kann das Fortschreiten von kognitiven Funktionseinbußen zumindest verlangsamen und so den Eintritt einer Demenz z. T. verhindern.

Definitionen

Leichte kognitive Störungen (ICD-10 F06.7) | Bei Weitem nicht alle kognitiven Einschränkungen sind mit einer Demenz gleichzusetzen. Im Gegensatz zur Demenz beeinträchtigen leichte kognitive Störungen den Alltag der Patienten nicht oder nur in geringem Maß. Sie können allerdings ein Vorstadium einer Demenzerkrankung sein.

Demenz (ICD-10 F00-F03) | Laut ICD-10-GM Version 2015 ist eine Demenz „ein Syndrom als Folge einer meist chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns“. Bei einer Demenz sind viele höhere kortikale Funktionen gestört, das Bewusstsein ist jedoch nicht getrübt. Begleitet werden die kognitiven Beeinträchtigungen gewöhnlich von Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation. Diese Symptome können auch früher eintreten.

Der Begriff Demenz beschreibt eine heterogene Gruppe von Erkrankungen unterschiedlicher pathophysiologischer Mechanismen mit dem Leitsymptom „kognitive Störung“.
Vaskuläre Demenz (VD) | Zur Diagnose einer VD ist es erforderlich, vaskuläre Hirnveränderungen im CT oder MRT nachzuweisen. Bei Patienten mit VD sind höhere kortikale Funktionen wie Schreiben, Lesen und Rechnen länger erhalten als bei Patienten mit Alzheimer-Demenz (AD). Bei VD finden sich 3 größere Gruppen:

Defektsyndrom nach größeren, einzelnen oder multiplen, ischämischen oder hämorrhagischen Insulten (Symptomatik sehr variabel).
hypertensive zerebrale Mikroangiopathie (multiple Lakunen der tiefen Kerne, diffuse Marklagerschädigung).
andere Formen bei Stenose oder Verschluss großer Gefäße und kleiner Gefäße (z. B. Grenzzoneninfarkte).
Bei mindestens 30 % aller Patienten finden sich „Mischdemenzen“, bei denen sich vaskuläre und degenerative Schädigungen überlagern.

Diagnostik

Sorgfaltspflicht | Für den betroffenen Menschen, sein familiäres, soziales oder berufliches Umfeld kann die Diagnose „Demenz“ weitreichende Folgen haben. Neben Angst vor Stigmatisierung oder dauerhafter Abhängigkeit sind auch depressive Veränderungen bis hin zu Suiziden bekannt. Im klinischen Alltag wird die Diagnose jedoch teilweise unkritisch benutzt, ohne dass empfohlene Kriterien der Diagnostik und Verlaufsbeobachtung eingehalten werden.

Pseudodemenz abgrenzen | Auch in Kliniken werden Patienten mitunter vorschnell als „dement“ klassifiziert – nicht nur, weil sich hieraus ggf. eine bessere Darstellung im DRG-System ergibt. Dabei wird vernachlässigt, dass eine Vielzahl von Akuterkrankungen oder Dekompensationen die kognitiven Funktionen z. T. drastisch verschlechtern können, ohne dass die Kriterien der Demenz erfüllt sind. Pathologische Ergebnisse in Tests, die zur Objektivierung beitragen sollen, sind daher häufig zu finden. Auf eine ambulante Kontrolle nach vollständiger Rekompensation wird oft verzichtet, so daß die Diagnose „Demenz“ bestehen bleibt, auch wenn es sich nur um eine Pseudodemenz bei Exsikkose, Stoffwechselentgleisungen, Infektionskrankheiten, unter bestimmten Medikamenten oder um ein Delir gehandelt hat.

Wichtig ist darüber hinaus, eine Depression oder Parkinson-Symptomatik abzugrenzen, die beide gerade bei älteren Patienten auftreten können.

 

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Aus der Zeitschrift DMW 21/2015

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