• Essen

     

Vitamine und Spurenelemente in der Onkologie

Mehrere beobachtende Studien zeigen positive Effekte der Supplementation von Mikronährstoffen in verschiedenen Einsatzbereichen der Onkologie. Oftmals werden diese Studien von Befürwortern einer entsprechenden Herangehensweise zitiert. Beobachtende Studien unterliegen jedoch dem Risiko, beeinflussende Faktoren (engl. biases) nicht adäquat berücksichtigen zu können.

Im Folgenden werden die nach Einschätzung der Autoren wichtigsten Studien zur Supplementation von Mikronährstoffen in der Onkologie dargestellt. Soweit vorhanden werden Metaanalysen unter Beachtung der Qualität der Einzelstudien berücksichtigt. Die Dosierung der angegebenen Mikronährstoffe wird in Prozent der empfohlenen Tagesdosis (engl. Recommended Daily Allowance, RDA) gemäß Richtlinie 2008/100/EG angegeben.

Häufigkeit der Supplementation von Mikronährstoffen
Die Angaben dazu, wie häufig onkologische Patienten Mikronährstoffe supplementieren, variieren stark. Je nach Tumorentität, Geschlecht und geografischer Lage nehmen etwa 30 – 90 % der Patienten solche Präparate ein, häufig ohne das Wissen des behandelnden Arztes. Weiterhin nimmt laut einer Untersuchung jeder zweite Gesunde im Alter über 50 Jahren ergänzend Mikronährstoffe ein. Mit der Supplementation von Mikronährstoffen werden zumeist folgende Ziele verfolgt:

  • Vorbeugen onkologischer Erkrankungen
  • Vorbeugen und Beheben eines Mikronährstoffmangels bei onkologischen Patienten
  • Beeinflussen von Effektivität und Nebenwirkungen onkologischer Therapien

Vorbeugen onkologischer Erkrankungen

Antioxidantien
Oxidativer Stress scheint eine wichtige Rolle in der Pathogenese maligner Tumoren zu spielen. Mehrere Beobachtungsstudien zeigen eine signifikant positive Assoziation zwischen einer Ernährung reich an Antioxidantien sowie einem reduzierten Krebsrisiko. Kontrollierte, randomisierte Studien wiesen jedoch überwiegend keinen positiven Effekt durch die gezielte Einnahme von Antioxidantien auf die Mortalität nach. Vielmehr wurde erstmals im Jahr 1994 in der ATBC-Studie offensichtlich, dass die gezielte Supplementation mit Vitamin E (50 mg/d, 417 % RDA) und Beta-Carotin (Provitamin A; 20 mg/d, 417 % RDA) nachteilig sein kann:

In dieser prospektiven Studie wurden 29 131 finnische Raucher zwischen Behandlungsarmen mit beiden, einem oder keinem der genannten Antioxidantien randomisiert.

Wurde Beta-Carotin eingenommen, erhöhte sich die Inzidenz von Lungenkarzinomen signifikant um 18 % sowie die Mortalität um 8 %.

Die nachfolgende CARET-Studie zeigte ein vergleichbares Ergebnis, wenn Vitamin A (25.000 IU/d, 938 % RDA) und Beta-Carotin (30 mg/d, 625 % RDA) eingenommen wurden. Der negative Effekt hielt bis zu 6 Jahre nach Ende der Supplementation an. Weiterhin zeigte die SELECT-Studie zur Tumorprävention mit Selen (200 µg/d, 364 % RDA) und Vitamin E (400 IU/d, 3000 % RDA), dass die Supplementation mit Vitamin E das Risiko erhöhte, an einem Prostatakarzinom zu erkranken. Auch scheint eine hochdosierte Supplementation von Vitamin E zu einer gesteigerten Gesamtmortalität beizutragen. Bemerkenswerterweise zeigte sich auch ein Nachteil für die gezielte Supplementation für weitere Substanzen wie Vitamin B12 und Folsäure.

Eine Ausnahme zu den negativen Studien bildet eine Untersuchung aus China (Linxian) an gesunden Männern und Frauen: Die Kombination aus Selen (50 mg/d, 91 % RDA), Vitamin E (30 mg/d, 250 % RDA) und Beta-Carotin (15 mg/d, 313 % RDA) senkte die Gesamtmortalität um 10 %. Es muss jedoch kritisch angemerkt werden, dass diese Studie in einer ländlichen Region erfolgte, in der eine Unterversorgung mit Mikronährstoffen anzunehmen ist. Die hier gewonnenen Erkenntnisse können auf die mitteleuropäische Bevölkerung insofern nicht übertragen werden.

Vitamin D

Für Vitamin D bleibt die Datenlage trotz intensiver Forschung ebenfalls inkonsistent. Den größten positiven Effekt zeigte eine Studie bei 1179 gesunden Frauen über 55 Jahren, die eine tägliche Supplementation von Kalzium (1500 mg /d, 188 % RDA) und Vitamin D (1100 IE/d, 550 % RDA) erhielten. Das Risiko, an einem Tumor zu erkranken, war signifikant reduziert. Aufgrund der beeinträchtigten Studienqualität mit hoher Abbruchquote und weiterer, insbesondere negativer Studien (z. B. NHANES III), empfehlen Bjelakovic et al. in einer Cochrane-Übersicht keine generelle Supplementation von Vitamin D zur Krebsvorbeugung.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Vitamine und Spurenelemente in der Onkologie

Aus der Zeitschrift: DMW 12/2017

Call to Action Icon
DMW Jetzt abonnieren!

THIEME NEWSLETTER

  • Jetzt Newsletter abonnieren und kostenloses Whitepaper sichern!

    Jetzt kostenlos anmelden

    Melden Sie sich jetzt kostenlos zum Newsletter an und verpassen Sie keine Neuigkeiten mehr! Als Dankeschön erhalten Sie das Whitepaper "Prävention und Diagnostik multiresistenter Erreger".

Quelle

Buchtipps

Ernährungsmedizin
Hans Konrad Biesalski, Matthias Pirlich, Stephan C. Bischoff, Arved WeimannErnährungsmedizin

Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer

EUR [D] 99,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Taschenatlas Ernährung
Hans Konrad Biesalski, Peter Grimm, Susanne Nowitzki-GrimmTaschenatlas Ernährung

EUR [D] 34,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Krebs und Ernährung
Siegfried KnasmüllerKrebs und Ernährung

Risiken und Prävention - wissenschaftliche Grundlagen und Ernährungsempfehlungen

EUR [D] 34,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.