• Sarah Stalke

     

„Es liegt mir, ständig Neues auszuprobieren!“

Vorgezeichnete Wege und immer gleiche Routinen sind nicht so sehr ihr Ding. Sarah Stalke liebt es, Neues zu entdecken und sich und andere immer wieder für spannende Ideen und Projekte zu begeistern. Nach ihrem Medizinstudium und ersten praktischen Erfahrungen in der Klinik sah sie den Erhalt der Approbation als Chance, sich beruflich noch einmal neu zu orientieren – und stieß über Facebook auf den Karrieretag für Ärztinnen und Ärzte bei Thieme. Seit Februar 2019 arbeitet sie als Volontärin im Verlagsbereich Medicine an der Weiterentwicklung digitaler Angebote für Medizininnen und Mediziner. Wir haben mit Frau Stalke darüber gesprochen, wie es ist, als junge Ärztin bei Thieme zu arbeiten.

Frau Stalke, warum haben Sie sich nach dem Abitur für das Medizinstudium entschieden?

Sarah Stalke: Anfangs war das Medizinstudium für mich noch eine Möglichkeit unter vielen und ich habe nach dem Abitur über verschiedene Studiengänge nachgedacht. Die Medizin erschien mir einerseits unglaublich vielfältig, schon allein wegen der vielen wissenschaftlichen Fächer in der Vorklinik. Andererseits habe ich das Medizinstudium als besonders klar und eindeutig erlebt – darunter können sich sowohl mein fünfjähriger Neffe als auch meine über 90jährige Oma etwas vorstellen. Das hat mir gefallen.

Letztlich hat mich dann meine Schwester, die auch Medizinerin ist, überzeugt. Sie war sehr begeistert und hat mich mit dieser Begeisterung angesteckt. Zu Beginn wäre es für mich auch noch infrage gekommen, den Studiengang zu wechseln. Aber ich war über die Jahre immer mit meiner Wahl zufrieden und das hat sich bis heute nicht geändert. 

Wie kam es, dass Sie über berufliche Alternativen zur Arbeit im Krankenhaus nachgedacht haben?

Stalke: Ich war immer offen für verschiedene Optionen. Mein Gedanke war, dass ich mit Abschluss des Studiums und der Approbation in der Tasche eine Chance habe, mich selbst noch mal neu kennenzulernen und weiterzuentwickeln. Denkbar waren für mich beispielsweise auch eine Facharztausbildung, die nicht nur Patientenarbeit mit sich bringt, wie die klinische Pharmakologie. Auch die Gesundheitsforschung hat mich als Tätigkeitsfeld gereizt. Ich fand es im Studium schon faszinierend, mal einen Schritt aus der direkten Patientenversorgung zurückzutreten und die Anforderungen der Gesellschaft an Medizin und Gesundheitsversorgung im Allgemeinen zu betrachten. 

Wie ging es dann weiter?

Stalke: In dieser Zeit der Neuorientierung bin ich im Oktober 2018 über eine Facebook-Anzeige auf den Karrieretag für Ärztinnen und Ärzte bei Thieme aufmerksam geworden. Den Gedanken, in einem Unternehmen zu arbeiten, das Informationen und Services rund um Medizin und Gesundheitswesen bereitstellt, fand ich interessant und Thieme war mir aus dem Studium ja bereits bekannt. Außerdem fand ich es toll, dass ich in der Anzeige direkt als Ärztin angesprochen wurde, denn ich wollte meine Erfahrungen und Expertise aus dem Medizinstudium unbedingt weiterhin nutzen. Also habe ich mich um einen Platz beworben.

Wie haben Sie den Karrieretag bei Thieme erlebt?

Stalke: Ich hatte so etwas wie ein Assessment Center erwartet und war bereit für fachliche Aufgaben und ein Bewerbungsgespräch. Stattdessen war es einfach ein entspannter Tag mit interessanten Menschen und spannenden Einblicken in verschiedene Tätigkeitsfelder des Unternehmens, für die die Expertise von Medizinerinnen und Medizinern unabdingbar ist. Ich habe mich mit offenen Armen empfangen gefühlt und war überrascht, wie angenehm und wertschätzend die Atmosphäre war. Am Ende des Tages habe ich gedacht: Das könnte etwas für mich sein. 

Was war für Sie der nächste Schritt? 

Stalke: Ich habe zunächst über eine Hospitation nachgedacht. Doch durch das wirklich breit gefächerte Programm des Karrieretags hatte ich das Gefühl, bereits einen sehr guten Einblick in das Unternehmen bekommen und viel kennengelernt zu haben. Also habe ich mich direkt auf eine ausgeschriebene Volontariatsstelle beworben. Die Bewerbung ging dann intern an meinen jetzigen Chef, der mich anrief und fragte, ob ich nochmal nach Stuttgart kommen würde. Kurze Zeit später war ich wieder hier zum Bewerbungsgespräch. Und im Februar 2019 habe ich bei Thieme angefangen. Es hat sich einfach sehr gut gefügt und nach dem Studium hat sich der Einstieg bei Thieme über ein Volontariat richtig angefühlt.  

Womit beschäftigen Sie sich heute bei Thieme?

Stalke: Ich bin als Volontärin in der Produktentwicklung digitaler Angebote für Mediziner eingestiegen. Hier arbeite ich vor allem an der Konzeption und Weiterentwicklung der medizinischen Wissensplattform eRef mit. Die Inhalte, die sich aus den Thieme Büchern, Zeitschriften, Datenbanken und anderen Quellen speisen, werden enorm aufwendig aufbereitet und interaktiv gestaltet. Dadurch eröffnen sich Ärztinnen und Ärzten ganz neue Möglichkeiten der Entscheidungsfindung in Alltags- und Notfallsituationen. Außerdem ist die eRef auch ein tolles E-Learning-Tool: Für die Vorbereitung auf die Facharztprüfung gibt es beispielsweise eine interaktive Selbstabfrage mit Kommentaren und Antworten. 

Meine Aufgaben sind zweigeteilt: Zum einen arbeite ich redaktionell. Die Thieme Inhalte, die wir haben, sind ein großer Schatz. Für die individuellen Funktionen der eRef kommt es aber darauf an, diese so aufzubereiten, dass in den verschiedenen Situationen im Behandlungsalltag die jeweils entscheidenden Informationen bereitstehen. Hier kommen mir mein Fachwissen als Ärztin und meine Kenntnisse, wie es im Klinikalltag zugeht, sehr zugute.

Ich beschäftige mich aber auch mit der konzeptionellen und technischen Weiterentwicklung der eRef. Hier stehen wir im engen Austausch mit unserem technischen Entwicklungsteam. Zu meinen Aufgaben gehören beispielsweise Produktpräsentationen vor potenziellen Kooperationspartnern oder das Prüfen von neuen interaktiven Angeboten für den klinischen Alltag. Die Integration der qualitätsgesicherten, interaktiven Arzneimittelinformationen und Funktionalitäten des Medikation Information Analyse Service (MIA Service) unseres Partners Dosing war ein toller Erfolg im letzten Jahr. 

Was begeistert Sie an Ihrer täglichen Arbeit besonders?

Stalke: Weiterentwicklung ist bei uns sehr wichtig, viel basiert auf agiler Projektarbeit. Das bedeutet auch, dass mal etwas nicht funktioniert. Dann muss man sich umorientieren und neu denken. Das liegt mir gut. Mir gefällt die Beweglichkeit. Deshalb habe ich das Gefühl, hier im Bereich der digitalen Produktentwicklung absolut richtig zu sein. Wir arbeiten an innovativen Angeboten für Ärztinnen und Ärzten in Klinik und Praxis und ich trage mit meiner Arbeit ganz konkret dazu bei, dass die für sie relevanten Fachinformationen jederzeit für sie verfügbar sind. 

Wenn ich mir vorstelle, dass ich damit mein Umfeld, meine Freunde, vielleicht sogar meine Schwester im Studium und in ihrem Arbeitsalltag da unterstütze, wo sie es wirklich brauchen, und sie so ein kleines bisschen weniger Stress haben, fühlt sich das toll an.

Wo kommt Ihnen Ihr abgeschlossenes Medizinstudium zugute?

Stalke: Im Studium habe ich fundiertes Fachwissen erworben und weiß auch praktisch, wie die Arbeit in der Klinik funktioniert. Mein ärztliches Fach- und Erfahrungswissen hilft dabei, bei der Entwicklung unserer Angebote und Produkte den Fokus auf den klinischen Alltag beizubehalten. 

Zum anderen bringe ich Kontakte zu jungen Medizinern und Ärztinnen mit, die jetzt gerade den Berufseinstieg in der Klinik wagen oder das erste Jahr hinter sich haben. Da frage ich oft einfach mal nach: Was ist im Suchverlauf deines Handys? Was hattest du in der letzten Nachtschicht für Probleme? Was hättest du dir gewünscht? Wo hättest du gern nachgeschaut? Dieses Netzwerk ist enorm hilfreich.  

Was waren bisher Ihre persönlichen Highlights?

Stalke: Ein Highlight ist es immer, wenn eine meiner Ideen oder ein Konzept umgesetzt wird. Wir arbeiten in Projekten und probieren Vieles einfach aus. Wenn wir von einer neuen Projektidee überzeugt sind, bauen wir das im kleinen Rahmen in Zusammenarbeit mit unseren Entwicklern auf. Es ist ein tolles Gefühl, wenn ein neues Feature in der eRef dann erfolgreich und fristgerecht funktioniert und auch noch gut ankommt bei unseren Partnern, im Verlag und am Ende bei den Nutzern. Ein Beispiel dafür sind etwa die neuen Weiterbildungscurricula in der eRef, die die relevanten Informationen für die Weiterbildung in den verschiedenen Fachbereichen bündeln. Ärztinnen und Ärzte werden damit in ihrem klinischen Alltag wie auch bei der Vorbereitung auf die Facharztprüfung bestmöglich unterstützt. Die Zusammenarbeit mit den tollen und engagierten Herausgeberteams der Curricula hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Insgesamt ist es für mich wunderbar, dass ich jeden Tag gerne zur Arbeit gehe. Selbst wenn es natürlich auch mal Zeiten mit vielen Terminen und Stress gibt, komme ich am nächsten Morgen wieder gerne her. Das ist ein Grundgefühl, das ich sehr schätze.

Zieht es Sie manchmal in die Klinik oder das Labor zurück? 

Stalke: Das werde ich sehr oft gefragt. Es gibt natürlich Momente, in denen ich denke: Ärztin oder Arzt in der Klinik ist schon ein besonderer Beruf, der schwer mit etwas anderem vergleichbar ist. Aber für mich ist bei Thieme der richtige Platz, an dem ich gerne meine Zeit und Energie investiere. 

 

Das Interview führte Jan Dehmelt