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Cochlea-Implantat-Versorgung bei Senioren

In diesem Artikel werden Einblicke in die Entwicklung audiologischer und kognitiver Fähigkeiten von Senioren mit einem Cochlea-Implantat beschrieben. Weiterhin erfahren Sie, ob eine präoperative MRT-Bildgebung zur audiologischen und kognitiven Prognose beiträgt.

Einleitung
Im Jahre 2025 werden etwa 1,2 Milliarden Menschen über 60 Jahre alt sein, so veröffentlichte es die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auch in Deutschland zeigt die demografische Entwicklung eine Verschiebung des Bevölkerungsalters in Richtung Senioren. In unserer HNO-Klinik spiegelt sich diese Entwicklung ebenfalls wider. Derzeit sind etwa 26 % der Cochlea-Implantat-Träger über 65 Jahre alt.

International wird in der CI-Versorgung auf einen hohen Standard hingewiesen, der sich in 3 Hauptbereichen darstellen lässt: in einer qualifizierten präoperativen Auswahl des Patienten, in einer anspruchsvollen möglichst atraumatischen Operation mit Erhalt intracochleärer Strukturen und in einer vollständigen postoperativen Therapie. Die Therapiequalität wird mittels audiologischer Testverfahren überprüft, die allerdings vor Jahrzehnten an einem Kollektiv mittleren Alters (MW = 47 Jahre; 31 – 65 Jahre) überprüft wurden. Die Indikation umfasst erst seit einigen Jahren auch Senioren im hohen Alter und damit auch die Frage der kognitiven degenerativen Leistungsfähigkeit.

Merke
Derzeit wird vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen Schwerhörigkeit und kognitivem Abbau gibt. Personen mit geringem bis hochgradigem Hörverlust haben ein 2 – 5-fach erhöhtes Risiko eine Demenz auszuprägen, verglichen mit Personen ohne Hörverlust. 

Studien, die sich auch mit bildgebenden Verfahren beschäftigen, berichten von Zusammenhängen zwischen einem peripheren Hörverlust und Atrophien des Schläfenlappens oder des gesamten Gehirns. Verursacht wird dieses durch eine Kombination von verschiedenen unabhängigen Mechanismen, wie z. B. vaskuläre und neurodegenerative Prozesse, soziale Isolation, reduzierte kognitive Stimulation. Hörgeräte und Cochlea-Implantate können, je nach Hörverlust, therapeutisch eingesetzt werden um dem Hörverlust entgegen zu wirken. Auch im Alter von ≥ 65 Jahren ist eine Cochlea-Implantation noch sicher und effektiv, wie der Literaturbericht von Cosetti zeigt. Ebenso können bei Patienten, die älter als 80 Jahre alt sind, Cochlea-Implantate erfolgreich operiert und genutzt werden. Die Patienten zeigen nach der CI-Versorgung sprachaudiometrisch bessere Ergebnisse in Ruhe und im Geräusch als präoperativ. Studien, die sich mit den kognitiven Entwicklungen bei älteren CI-Patienten beschäftigen, sind noch rar. Mosnier et al. konnte in ihrer Publikation zeigen, dass die kognitiven Fähigkeiten älterer CI-Patienten im Mittel ansteigen. Im Rahmen der CI-Routineuntersuchungen haben wir kognitive Screenings mit älteren, CI-versorgten Patienten durchgeführt und deren Ergebnisse mit den audiologischen und bildgebenden Daten korreliert. Daraus ergeben sich folgende Fragestellungen:

Wie verändern sich die audiologischen und kognitiven Fähigkeiten durch eine CI-Versorgung in Abhängigkeit vom Lebensalter?

Korrelieren die audiologischen und/oder kognitiven Daten mit der präoperativen MRT-Bildgebung?

Material und Methode
Im Zeitraum von März 2013 bis Mai 2014 wurden 31 postlingual ertaubte Erwachsene im Alter von 65,28 bis 87,42 Jahren (MW = 75,7 Jahre) unilateral mit einem Cochlea-Implantat der Firmen Advanced Bionics, Cochlear oder MED-EL versorgt. Alle Patienten sprachen flüssig Deutsch. Zur Testung der audiologischen Fähigkeiten wurden der Freiburger Einsilbertest und der HSM-Satztest in Ruhe und mit Geräusch (10 dB S/N ratio) im Freifeld bei 65 dB Schallausgangspegel angewandt. Zusätzlich wurde bei den Patienten als kognitives Screeningverfahren der Uhrentest und der Mini-Mental-Status (MMST) durchgeführt. Die Testung 12 Monate nach Implantation wurde von 29 Patienten absolviert.

Von 30 Patienten lagen präoperative kernspintomographische Aufnahmen (MRT) vor, die neben der Felsenbeinbildgebung mindestens axiale T2-gewichtete- und FLAIR-Aufnahmen über das gesamte Gehirn beinhalteten. Anhand dieser Bildgebung wurde das Ausmaß vorbestehender mikroangiopathischer Läsionen sowie der Grad der Volumenminderung durch einen erfahrenen Neuroradiologen eingeschätzt und in 3 Schweregrade (gering, mäßig, deutlich) unterteilt.

Die erhaltenen Daten wurden mit dem Programm SPSS statistisch ausgewertet. Dazu dienten der Wilcoxon-Test zum statistischen Vergleich der Ergebnisse zu unterschiedlichen Zeitpunkten und der Mann-Whitney-U-Test zum Vergleich der Altersgruppen. Gruppe 1 beinhaltete dabei Patienten mit einem Implantationsalter zwischen 65 und 76 Jahren (n = 14) und Gruppe 2 Patienten, die älter als 76 Jahre alt waren (n = 17). Alle Korrelationen zwischen MRT und audiologischen oder kognitiven Ergebnissen wurden nach Pearson berechnet. Das Signifikanzniveau wurde bei p ≤ 0,05 (*p ≤ 0,05, **p ≤ 0,01, ***p ≤ 0,001) festgelegt.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag CI-Versorgung bei Senioren auch unter differenzialdiagnostischen Überlegungen

Aus der Zeitschrift Sprache-Stimme-Gehör 01/2018

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