• © Jasmin Pischka

     

Die Dysarthrie des Morbus Parkinson

Durch die Lektüre des Artikels soll der Leser die klinische Präsentation der Parkinson-typischen Dysarthrie und ihre Entwicklung im Krankheitsverlauf sowie die zugrundeliegende Pathophysiologie kennenlernen.

Beim Morbus Parkinson (MP) handelt es sich um eine sporadische neurodegenerative Erkrankung, an der in Deutschland über 350 000 Menschen leiden. Klinisch ist der Morbus Parkinson charakterisiert durch motorische Auffälligkeiten, nämlich durch die Kombination einer Akinese mit Rigor, Tremor und/oder posturaler Instabilität. Diese motorischen Kernsymptome, die im Wesentlichen durch einen Verlust domaninproduzierender Zellen in der Substantia nigra des Mittelhirns verursacht sind, beginnen subtil, nehmen aber im Verlauf von wenigen Jahren kontinuierlich zu. Sie können schließlich im Verlauf sämtliche Bewegungsabläufe einbeziehen und beeinträchtigen. Das medikamentöse Therapiekonzept des MP beruht darauf, den Dopaminmangel im Bereich der Basalganglien mittels dopaminagonistisch wirksamer Pharmaka auszugleichen. Allerdings ist anhand neuropathologischer Untersuchungen inzwischen nachgewiesen, dass die neurodegenerativen Veränderungen weit über die Schädigung der Substantia nigra hinausgehen und nicht sämtliche Krankheitssymptome durch einen Dopaminmangel, sondern durch die Dysfunktion weiterer, z.T. noch nicht präzise definierter neuronaler Netzwerke und Neurotransmitter verursacht sind.

Die hypokinetische Dysarthrie des Morbus Parkinson

Klinisches Bild

Erste Beschreibung

Systematische Untersuchungen der Parkinson-typischen Dysarthrie wurden erstmalig 1969 durch die Arbeitsgruppe um Darley durchgeführt, wobei mittels qualitativer perzeptueller Analyse ein typisches Muster von Sprechauffälligkeiten definiert wurde, das als „hypokinetische“ Dysarthrie zusammengefasst werden kann. Charakteristische Merkmale sind demnach eine Reduktion der Sprechlautstärke (Hypophonie), eine Einschränkung der Tonhöhen- und Lautstärke-Modulation („monopitch and monoloudness“), eine Verringerung der Akzentuierung („reduced stress“), gestörte Präzision in der Artikulation von Konsonanten, raue und behauchte Stimmqualität sowie variables Sprechtempo, z.T. mit unangemessenen Sprechpausen im Wechsel mit kurzen „Sprechschüben“ („rush“).

Weitere Untersuchungen

Seitdem sind zahlreiche weitere Untersuchungen zu unterschiedlichen Aspekten der Parkinson-Dysarthrie publiziert. Insbesondere die pathognomonischen klinischen Auffälligkeiten der Hypophonie und Monotonie ließen sich übereinstimmend als eingeschränkte Modulationsfähigkeit von Tonhöhenverlauf und Lautstärke im Verlauf des Sprechens objektivieren. Darüber hinaus wurde bei der Mehrzahl der untersuchten Patienten eine Phonationsstörung identifiziert, einhergehend mit einer Verringerung der durchschnittlichen Sprechlautstärke, einer erhöhten durchschnittlichen Tonhöhe sowie einem höheren Anteil von Mikroperturbationen als Maß einer laryngealen Instabilität, was sich klinisch durch eine raue oder heisere Stimmqualität manifestieren kann.

Störungen der Sprechatmung

Die Beeinträchtigungen der Stimmbildung können durch zusätzliche Störungen der Sprechatmung beim MP verstärkt werden, was z. B. in einer verringerten Anzahl der produzierten Silben pro Atemzug oder einer Reduktion der maximalen Vokalhaltedauer resultieren kann. Als ursächlich für die insuffiziente Sprechatmung wird meist ein erhöhter Widerstand des respiratorischen Systems angesehen, ausgelöst durch Rigor und Hypokinese der Atemmuskulatur. Diese Mechanismen werden meist auch als Erklärung für die laryngealen Funktionsstörungen angesehen, wobei aber auch zusätzlich Indizien für pathologische zentrale Atemmuster beim MP gefunden wurden.

Beeinträchtigung der Artikulation

Ein weiteres klinisches Merkmal der hypokinetischen Dysarthrie ist die Beeinträchtigung der Artikulation, einhergehend mit einer verwaschen wirkenden, unpräzisen Aussprache. Auch dieser Aspekt der Parkinson-Dysarthrie kann als rigor- und/oder hypokinese-bedingte Reduktion des Bewegungsumfanges der Artikulatoren (d. h. Muskulatur von Zunge, Lippen und Kiefer) gedeutet werden, mit konsekutiven Einschränkungen von Umfang und Geschwindigkeit der Bewegungsabläufe. So konnte bspw. gezeigt werden, dass Parkinson-Patienten in einer experimentellen Sprechsituation eine vorgegebene Sprechrate auf Kosten der Bewegungsamplitude aufrecht zu halten versuchten, im Sinne einer – insuffizienten – Kompensation der krankheitsbedingten Minderbeweglichkeit der Artikulatoren. Dieses Phänomen des „articulatory undershooting“ beeinflusst nicht nur die Artikulation der Konsonanten, sondern führt auch zu einer verminderten Präzision der Formantenbildung und damit der Vokalartikulation.

Lesen Sie den gesamten Beitrag: Die Dysarthrie des Morbus Parkinson

Aus der Zeitschrift Sprache Stimme Gehör 04/2015 

 

 


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