• © Westend61/F1online

    © Westend61/F1online

     

Late Talkers – Keine Entwarnung für die „Late Bloomers“

Können Kinder mit verzögertem Sprechbeginn ihren Rückstand wieder aufholen? Die bekannten Frühindikatoren erlauben keine sichere Vorhersage über sprachliche Entwicklung nach dem 4. Lebensjahr. Die Studie von P. S. Dale et al. zeigt, dass die natürliche Entwicklungsvarianz auch nach dem 4. Lebensjahr hoch ist.

In der letzten Zeit häuft sich die Evidenz dafür, dass Kinder, bei denen im Alter von 2 Jahren ein verzögerter Sprechbeginn diagnostiziert wurde (Late Talkers, späte Sprecher), Gefahr laufen, in ihrem sprachlichen Entwicklungsstand dauerhaft „hintendran“ zu bleiben. Dabei soll eigentlich – laut anderen Untersuchungen – mehr als die Hälfte der Late Talkers ihren sprachlichen Rückstand ohne Intervention mit 4 Jahren aufgeholt haben (Late Bloomers, Aufholer). Handelt es sich hierbei um eine leider nur vorübergehende Rückbildung einer Spracherwerbsstörung?

Eine Längsschnittstudie aus Großbritannien untersuchte den Sprachentwicklungsverlauf von jeweils 373 Aufholern und Referenzkindern aus einer dortigen Zwillingskohorte und fand im Alter von 7 und 12 Jahren in beiden Gruppen Kinder mit einem nicht altersgemäßen sprachlichen Entwicklungsstand. Die Testaufgaben zum ersten Zeitpunkt prüften die Lesefähigkeit und Wortschatzaufbau. Zu dem zweiten Alterszeitpunkt wurden altersgerechte Aufgaben zu Wortschatz, Semantik, Syntax, Pragmatik und Leseverstehen gestellt. Nach vorherrschender Meinung erlernen späte Sprecher jeden neuen Aspekt des Sprache verzögert oder gestört, sodass sich die Rückstände über die nächsten Entwicklungsstufen aufsummieren und mit dem Alter immer größer werden. Eine Aufholung des Sprachrückstandes mit 4 Jahren lasse sich mit vorhandenen Instrumenten nur für die Bereiche Wortschatz und Grammatik erfassen.

Die Ergebnisse der Studie sprechen dafür, dass für die Aufholer entgegen der vorherrschenden Meinung kein größeres Risiko besteht, Folgeprobleme in der Schule zu entwickeln, als für die Kinder der Referenzgruppe. Dagegen wird, so die Autoren, ein Risiko für die Ausbildung einer späteren Sprachstörung, die alle Kinder im unteren Normbereich betreffen kann, unterschätzt. Aus Mangel an zuverlässigen Prädiktoren für die weitere Sprachentwicklung ziehen die Autoren den Schluss, dass bei allen Kindern im unteren Normbereich der sprachliche Entwicklungsstand regelmäßig überprüft werden sollte.

Fazit

Die Ergebnisse bedeuten eine gute Nachricht für die langfristig erreichbare Sprachkompetenz im Schulalter. Allerdings sollte bei den Aufholern das allgemeine Risiko für spätere Sprachprobleme im Auge behalten werden.

Quelle: Sprache Stimme Gehör 04/2014; Late Talkers – Keine Entwarnung für die „Late Bloomers“; Rezensent: Elena Kramer

Call to Action Icon
Sprache ● Stimme ● Gehör abonnieren Logopädenpreis plus 25 € Buchgutschein

Newsletter Logopädie

  • Thieme Newsletter - Wissen das sich anpasst - Jetzt kostenlos registrieren

    Jetzt kostenlos anmelden

    Mit aktuellen Neuerscheinungen, Schnäppchen und tollen Gewinnspielen sind Sie ständig up to date und immer einen Schritt voraus.

Quelle

Sprache • Stimme • Gehör
Sprache • Stimme • Gehör

Zeitschrift für Kommunikationsstörungen

EUR [D] 102,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.