• Einschätzungen aus unterschiedlichen Perspektiven

     

Rating-Verfahren in der Therapieplanung

Um Veränderungen in den kommunikativen Fähigkeiten abzubilden, sind Einschätzungen aus unterschiedlichen Perspektiven (vom Fachpersonal, von Betroffenen und von Angehörigen) erforderlich. Anhand eines Fallbeispiels werden im vorliegenden Beitrag drei zentrale Argumente für den Einsatz von Rating-Verfahren (BEKOS und LCQ) bei kognitiven Kommunikationsstörungen herausgearbeitet.

 

LERNZIEL

Der Beitrag zeigt auf, dass eine multiperspektivische Bewertung von Störungen im Gesprächsverhalten notwendig ist, um Veränderungen in den kommunikativen Fähigkeiten nach Schädel-Hirn-Trauma zuverlässig abzubilden.

Komplexität kognitiver Kommunikationsstörungen

Dass sprachpathologische Symptome wie eine fehlerhafte Wortwahl, morphologische Abweichungen oder Fehler in der syntaktischen Organisation sinnvoller Einheiten den kommunikativen Erfolg von Äußerungen gefährden können, ist naheliegend und unbestritten. Ebenso ist es nicht trivial, auf welche Weise auch kognitive Symptome den Kommunikationsprozess stören können.

Welche Bedingungen müssen also in sozialen Interaktionen oder bei der Verarbeitung schriftlicher Texte etwa hinsichtlich komplexer Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisleistungen erfüllt sein? Welche exekutiven Anforderungen gewährleisten, dass im interaktiven Prozess und in einem entsprechenden situativen Kontext Intersubjektivität und Verständigung zwischen Kommunikationspartnern hergestellt werden können? Schon bei diesen Fragen zeigt sich angesichts einer außerordentlich großen Vielfalt möglicher kognitiver Symptome, Schweregradabstufungen und potenzieller kombinatorischer Muster, um welch heterogene Phänomene es geht, wenn die Spezifik kognitiver Kommunikationsstörungen erfasst und hinsichtlich der Möglichkeiten therapeutischer Interventionen interpretiert werden soll.

Um in diesen interaktiven Prozessen Sinneinheiten einer stringenten thematischen Entwicklung von Gedankengängen zuordnen zu können, muss Relevantes von Irrelevantem unterschieden werden. Darüber hinaus müssen Kohärenz und Eindeutigkeit hergestellt werden können. Andernfalls kommt es zu irritierenden Abschweifungen und kausal schwer nachvollziehbaren Strukturen. Zusätzlich ist die Fähigkeit zur Abstraktion und zur Einbeziehung der Perspektive des Gegenübers im situativen Kontext erforderlich (Theory of Mind). Das Kommunikationsverhalten der Interaktionspartner ist zu unterschiedlichen kommunikativen Anlässen an einer Vielzahl konventionalisierter Vorgaben (z. B. sozialen Verhaltensnormen, Scripts, Frames) orientiert. Durch diese wird die Sinnhaftigkeit kommunikativer Handlungen in Kontexten wechselseitig nachvollziehbarer und für die Beteiligten verständlich. Auch nonverbale Handlungen haben einen wichtigen Einfluss auf diesen Verständigungsprozess.

In diesen Prozessen arbeiten im Normalfall logisch-kausale Operationen mit lexikalischen und syntaktischen Mitteln einander zu, wenn etwa kohärente Verknüpfungen durch sprachliche Kohäsionsmittel gekennzeichnet werden (vgl. z. B. logische Subjunktionen wie „weil“ oder adverbiale Kennzeichnungen eines Widerspruchs wie „allerdings“). Wenn das aufgrund kognitiver und/oder sprachlicher Symptome nicht ungestört gelingt, kann die kognitiv-propositionale Struktur von Äußerungen für den Kommunikationspartner unverständlich bleiben. Bei Patienten mit kognitiven Kommunikationstörungen beobachten wir zudem Auffälligkeiten bei ihrer Wahl des stilistischen Registers; ihre Äußerungen können dabei ausgesprochen elaboriert, artifiziell und im konkreten sozialen Anlass irritierend wirken.

Ebenso können Missverständnisse entstehen, wenn Äußerungen z. B. bei semantischen Symptomen vage oder inhaltsleer bleiben oder nicht angemessen korrigiert werden können. Wir beobachten auch vorschnelle und teilweise unkontrolliert wortreiche Äußerungen, die oft ebenso schwer nachvollziehbar sind wie stark reduzierte Äußerungen bei ausgeprägten Antriebsstörungen. Die skizzierten Symptome können eine erfolgreiche Kommunikation besonders im Zusammenhang mit oft vorliegenden Einschränkungen des Störungsbewusstseins (Anosognosie) beeinträchtigen.

 

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Rating-Verfahren in der Therapieplanung bei kognitiven Kommunikationsstörungen

Aus der Zeitschrift: Sprache - Stimme - Gehör 02/2020

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