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Das Nocebophänomen – Wie ­Kommunikation krank machen kann

Das Nocebo gilt als der „böse Bruder“ des Placebos, da es sich um unerwünschte Wirkungen handelt. Eng gefasst meint der Begriff negative Effekte bei Teilnehmern von Arzneimittelstudien, die zur Placebogruppe gehören. Dennoch lassen sich die gleichen Nebenwirkungen beobachten, die vom Ve­rum verursacht werden könnten

Dass Angst und schlechte Gedanken krank machen können bzw. Krankheitsverläufe negativ beeinflussen ist seit Langem bekannt und gilt durch zahlreiche Studien als gesichert. Erfahrungsmedi­zinisch gut belegt ist ebenfalls, dass ­Störungen in der Arzt-Patienten-Kommunikation zu Heilungsblockaden, Verschlechterungen und zu Symptomen führen können, die medizinisch oft nicht zu erklären sind. Einen Namen hat dieses Phänomen, dass Angst, Gedanken, Informationen und Kommunikation der Gesundheit schaden können, erst vor ca. 50 Jahren aus Erfahrungen in der klinischen Forschung bekommen: Kennedy nannte dieses Phänomen Nocebo (lat.: Ich werde schaden).

Zunächst wurde der neue Begriff sehr eng gefasst. Kennedy meinte damit negative Nebeneffekte von Placebos, d. h. das Entstehen von Symptomen, die wie die positiven Effekte einer Zuckerpille zum Erstaunen der Forscher als unspezifische Wirkungen auftraten. So antworteten in einer Studie zu einem Brechmittel 80 % der Patienten, die zur Placebogruppe gehörten, dennoch mit Erbrechen. Vergleichbare Beobachtungen werden seitdem in fast allen placebokontrollierten Studien gemacht. Der nicht gewünschte Effekt wird daher auch als der böse Bruder des Placebos bezeichnet.

Eine Erweiterung erhielt der Begriff spätestens durch Hahn, der außerhalb des engen pharmakologischen Kontexts aus der anthropologischen Forschung Fälle des psychogenen Todes berichtete und die Kategorie der Erwartung in den Vordergrund rückte: Die Erwartung von Krankheit und die damit verbundenen Affektzustände (v. a. Angst) können nach Hahn Symptome bzw. Krankheit bis hin zum Tod erzeugen.

In diesem Artikel verfolge ich einen erweiterten Nocebobegriff in Anlehnung an Hahn, ohne jedoch den engen Begriff (ungewollte negative Effekte von Placebos) zu vernachlässigen. Beide hängen nämlich eng miteinander zusammen. Voraussetzung ist immer eine zu Angst führende negative Erwartungshaltung des Patienten, die wiederum durch Informa­tion oder Kommunikation stimuliert ­worden ist. Der Begriff Kommunikation umfasst dabei nicht nur die direkte zwischenmenschliche Kommunikation, sondern auch die Medienkommunikation und die Selbstkommunikation (das innere Gespräch mit sich selbst) sowie schließlich die interne Kommunikation im biologischen System Mensch und die komplexen Wechselwirkungen mit der natürlichen Umwelt und sozialen Umgebung. Angeregt werden kann Angst bzw. eine nega­tive Erwartungshaltung durch schriftliche Texte zu Wirkmitteln (insbesondere Beipackzettel von Medikamenten), aber auch durch die Gesprächsführung des Arztes. Darüber hinaus können durch Medien und systemische Faktoren (Umfeld, Co-Therapeuten) Noceboreize gegeben werden.

Aufgabe des Artikels ist es, einen kurzen Überblick zum Nocebomechanismus zu geben und diesen durch Beispiele zu belegen. Einem späteren Beitrag bleibt es vorbehalten, Überlegungen zu den verschiedenen Typen des Noceboeffekts und zur Bedeutung des Phänomens insbesondere für die komplementäre Medizin vorzustellen sowie Vorschläge zu machen, wie diese ungewollten Effekte in der klinischen Praxis zum Wohle des Patienten vermieden werden können.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Das Nocebophänomen – Wie ­Kommunikation krank machen kann

Aus der Zeitschrift Erfahrungsheilkunde 2/2016

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