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Bitterstoffe – von der traditionellen Verwendung bis zum Einsatz an der Haut

Bitterstoffe werden in der traditionellen Phytotherapie schon lange zur Linderung von Magenbeschwerden sowie bei Gallen- und Verdauungsproblemen eingesetzt. Erst seit wenigen Jahren weiß man allerdings, dass Bitterstoff-Rezeptoren außer in den Geschmacksknospen der Zunge auch im gesamten Verdauungstrakt und in nahezu allen anderen extraintestinalen Organen gebildet werden. In diesem Beitrag werden geschichtliche, pharmakologische, medizinische und neueste naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu den Bitterstoffen und Bitterstoff-Rezeptoren mit besonderem Augenmerk auf die Bedeutung der Bitterstoff-Rezeptoren für die Haut aufgezeigt.

Bitterstoffe dienen Pflanzen u. a. als Abwehrsubstanz gegen Fressfeinde. Leiden pflanzenfressende Tiere, wie z. B. Schafe, allerdings an Übelkeit, fressen sie die bitter schmeckende Schafgarbe, obwohl sie sie sonst auf der Weide stehen lassen. Schimpansen in Uganda, die an Malaria erkrankt sind, heilen sich auch mit Bitterstoffen. Sie fressen dann die extrem bitteren Blätter des Mahagoni-Gewächses Trichiliar rubescens. Die Inhaltsstoffe wirken dabei ähnlich wie Chloroquin, ein gängiges Malariamittel des Menschen . Die Schimpansen nutzen allerdings nicht nur die Blätter einer Pflanze, sondern fressen verschiedene Arten. Eine weitere Pflanze ist z. B. der Mjonso-Baum (Vernonia amygdalina), den Schimpansen normalerweise wegen seiner bitteren und giftigen Blätter nicht fressen . Doch an Malaria erkrankte Tiere fressen die Blätter oder lutschen das Mark aus den Zweigen. In diesen Pflanzenteilen konnten Steroidglykoside mit antibakteriellen und antiparasitischen Eigenschaften gefunden werden. Dadurch, dass mehrere verschiedene Pflanzen gefressen werden, ist es für den Malariaerreger schwieriger, Resistenzen zu entwickeln – ein häufiges Problem, das beim Menschen u. a. bei der Malariabekämpfung auftritt.

Der Bitterblattbaum Mjonso wird auch von den Stammesmitgliedern der WaTongwe in Zentralafrika eingesetzt. Dieses Naturvolk kocht die Blätter und isst sie mit Fleisch, um Magenbeschwerden, Malaria und Darmparasiten zu bekämpfen.

Traditionelle und neuzeitliche Nutzung von Bitterstoffen

In der ca. 5000 Jahre alten ayurvedischen Medizin spielen bitter schmeckende Heilkräuter eine wichtige Rolle, insbesondere in der richtigen Ernährung. „Bitterstoffe reduzieren nach ayurvedischer Auffassung Körpergewebe, v. a. Fett (Meda), reinigen das Blut (Rekta) und tonisieren Muskelgewebe (Mamsa)“ . Ebenso haben Bitterstoffe als fester Bestandteil ausgewogener Ernährungskonzepte eine lange Tradition in der chinesischen Medizin: „Der bittere Geschmack ist dem Element Feuer und somit der Hitze, dem Intellekt, dem Handeln, der Freude, dem Lachen und dem Wachstum zugeordnet“.

Vom griechischen Arzt Hippokrates (460–360 v. Chr.) über Hildegard von Bingen (1098–1179) bis ins Spätmittelalter zu Leonhart Fuchs (1502–1566) nahmen bitter schmeckende Pflanzen in den Kräuterbüchern einen wichtigen Platz ein [8]. Unter den zahlreichen Hinweisen gegen innere Leiden wurde besonders die fiebersenkende Wirkung hervorgehoben. Dies hat sich bei einigen Drogen noch in der Namensgebung erhalten: Centaurium umbellatum heißt auch Fieberkraut, und Menyanthes trifoliata Fieberklee.

Mit der Entwicklung erster moderner Analysenmethoden in den Naturwissenschaften begann die Identifizierung und Isolierung bitter schmeckender Komponenten in Heilkräutern. Deshalb gab es Anfang des 20. Jahrhunderts ein umfangreiches beschreibendes Wissen über Bittersubstanzen. Über die physiologische Wirkung der Bitterstoffe war jedoch so gut wie nichts bekannt. Die medizinische Bedeutung der Bitterstoffe ging in den nächsten Jahrzehnten immer weiter zurück und Bitterstoffe hatten nur noch eine gewisse Bedeutung zur Appetitanregung in Form von bitteren Aperitifs oder zur Verdauungsförderung als Magenbitter.

Gleichzeitig wurden aus den meisten Gemüsesorten und Früchten Bitterstoffe zugunsten eines angenehmeren und milderen Geschmacks herausgezüchtet. In den letzten Jahren erlebten Bitterstoffe allerdings eine Renaissance aufgrund der vielfach beschriebenen positiven Eigenschaften, die in den folgenden Abschnitten näher beschrieben werden.

 Lesen Sie den gesamten Beitrag hier Bitterstoffe – von der traditionellen Verwendung bis zum Einsatz an der Haut

Aus der Zeitschrift Zeitschrift für Phytotherapie 5/2018

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