• Die ketogene Diät

     

Die ketogene Diät – was sie kann, wie sie wirkt und wie sie gelingt

Ketogene Diät bedeutet Kohlenhydratverzicht. Bei Epilepsie ist sie seit 100 Jahren etabliert. Bei Diabetes Typ 2 kann sie eine echte Alternative sein, da sie schnell zur Gewichtsreduktion führt, der Blutzucker konstant bleibt und Insulinspitzen vermieden werden. Vielversprechende Ergebnisse haben aktuelle Forschungsarbeiten ergeben bei Multipler Sklerose, Alzheimer und Krebs als begleitende Therapiemaßnahme. Die Autoren geben einen Überblick zu den möglichen Wirkmechanismen, den Indikationen sowie zur Umsetzung in der Praxis.

Die ketogene Diät, unter Laien auch in unterschiedlichen Varianten als „Anti-Krebs-Diät“, „anabole Diät“, „Atkins-Diät“ oder „Low Carb Diät“ bekannt, ist eine extrem fettreiche und kohlenhydratarme Ernährungsform, von der Therapieerfolge bei zahlreichen Krankheitsbildern berichtet werden. Das Spektrum der Erkrankungen reicht von Epilepsie, Alzheimer, Multiple Sklerose, Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose über Diabetes Typ 2, kardiovaskulären Erkrankungen bis hin zu Krebs. Gleichzeitig wird diese spezielle Ernährungsform oft mit Skepsis betrachtet. Die Bedenken könnten auf einem falschen Verständnis von den involvierten physiologischen Prozessen basieren. Ketogene Diäten induzieren einen metabolischen Zustand, der erstmals von Hans Krebs als „physiologische Ketose“ beschrieben wurde. Diese wird oft mit der pathologischen Ketoazidose in Verbindung gebracht, wie sie z. B. bei Personen mit gestörter Insulinsekretion auftreten kann. 

Was steckt hinter der ketogenen Diät?

Ketogene Diät bedeutet Kohlenhydratverzicht.

Während einer ketogenen Diät kann der Körper, genauso wie beim Fasten, seinen Energiebedarf nicht mehr decken und beginnt eigene Kohlenhydratspeicher aus Muskel- und Leberglykogen zu entleeren. Dies ist notwendig, da es Organe gibt, die rein auf Kohlenhydrate bzw. deren kleinsten Baustein Glukose angewiesen sind. Eines dieser Organe ist das Gehirn. Obwohl es nur 2 % unseres Körpergewichts ausmacht, braucht es 20 % der zugeführten Energie. Der Stoffwechsel ist unter Kohlenhydratverzicht gezwungen sich umzustellen, um das Gehirn weiter adäquat mit Energie zu versorgen. Es kommt zur Glukoseneubildung (Gluconeogenese) u. a. aus körpereigenen Aminosäuren. Hält der Kohlenhydratverzicht an, kommt es schließlich zur Bildung der Ketonkörper ß-Hydroxybutyrat, Acetoacetat und Aceton in der Leber. Dies kann als wichtiger Überlebensmechanismus betrachtet werden, um auch bei längeren Fastenzeiten die adäquate Energieversorgung des Gehirns aufrechtzuerhalten. Der Glukosebedarf des Gehirns sinkt von ca. 130 g auf 40 g am Tag und der Großteil wird nun durch Ketonkörper abgedeckt. Die ketogene Diät ist eine Möglichkeit von Effekten des Fastens langfristig zu profitieren ohne einer Kalorienrestriktion ausgesetzt zu sein.

Indikationen

Gewichtsreduktion und Diabetes Typ 2

Aufgrund der Entleerung von Glykogenspeichern, niedrigem Insulinspiegel und einem schnelleren Sättigungsgefühl während der ketogenen Diät, kommt es anfangs schnell zu einer Gewichtsreduktion. Niedrige Insulinspiegel erhöhen zudem den Fettabbau. Auch die Gluconeogenese fordert hohe metabolische Kosten und trägt zum Abnehmen bei. Während ketogene Diäten für den Autoimmuntyp Diabetes Typ 1 absolut ungeeignet sind, sind sie für Diabetes Typ 2 eine echte Option. Der Blutzucker bleibt konstant, Insulinspitzen werden vermieden. Erste Studien zeigen, dass eine ketogene Diät zu einer normalisierten Nahrungsaufnahme bei übergewichtigen Diabetes-Typ-2-Patienten führen kann. Weiterhin verbesserten sich Blutzucker, Insulinsensitivität, HbA1c sowie Blutfette und Triglyceride.

Epilepsie und Störungen des zerebralen Energiestoffwechsels

Seit 100 Jahren ist die ketogene Diät in der Epilepsiebehandlung etabliert. Hier wird sie bei pharmakoresistenten (bei Nichtansprechen von mindestens zwei Antiepileptika) Anfallserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen als relativ nebenwirkungsarme Alternative angewandt. In vielen Studien konnte die Anwendung der ketogenen Diät ein signifikantes Herabsetzen der Anfallsfrequenz bewirken. Die Wirksamkeit ketogener Diäten in der Prävention von Anfällen ist noch nicht komplett verstanden. Vermutet wird eine Regulierung der Neurotransmitter durch Ketonkörper sowie eine Hemmung des mTOR-Signalwegs, der eine wichtige Rolle in der Epileptogenese spielt. In einem großen Cochrane Review konnte im Vergleich zu Kontrollen eine 30–40 %ige Reduktion der Anfälle beschrieben werden. Die Wirksamkeit sei vergleichbar mit antiepileptischen Medikamenten. Problematisch sei jedoch die Compliance. Einer ketogenen Diät strikt zu folgen ist anspruchsvoll und bedarf ausgereifter Planung, ernährungstherapeutischer Beratung und Begleitung. Es gibt keine „Cheat days“ – bei Nichteinhalten der Diät drohen erneute Anfälle.

Lesen Sie hier den gesamten Artikel: Die ketogene Diät – was sie kann, wie sie wirkt und wie sie gelingt

Aus der Zeitschrift: zkm - Zeitschrift für Komplementärmedizin 02/2018

Call to Action Icon
Zeitschrift für Komplementärmedizin Jetzt kostenlos probelesen!

Newsletter-Service

Quelle

Buchtipps

Vollwert-Ernährung
Karl von Koerber, Claus LeitzmannVollwert-Ernährung

Konzeption einer zeitgemäßen und nachhaltigen Ernährung

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.