Wie Lippenblütern gegen Herpes wirken

Kongressbericht

Lippenherpes oder Herpes labialis wird hauptsächlich durch eine Infektion mit Herpes-simplex-Viren vom Typ 1 (HSV-1), seltener durch HSV-2, hervorgerufen und ist durch virushaltige Bläschen im Bereich der Lippen und Mundschleimhaut gekennzeichnet. HSV-1 ist weltweit verbreitet, mehr als 85% der Weltbevölkerung sind für HSV-1 seropositiv. Solange es keine wirksame Impfung gegen das Virus gibt, ist die Entdeckung von neuen antiviralen Wirkstoffen von großem Interesse

In experimentellen Studien konnten wir zeigen, dass ätherische Öle verschiedener Pflanzen sowie alkoholische Extrakte aus Lamiaceen (Lippenblütlern) sich in Zellkultur (Affennierenzellen) als außerordentlich wirksam gegen HSV-1 erwiesen haben. I

n Zellkultur konnte die Infektiosität von zellfreien Viren durch die pflanzlichen Vielstoffgemische um 95 - 99% reduziert werden. Zellfreie HS-Viren treten beim Patienten primär während der Bläschenphase auf. Das Sekret der Bläschen ist hoch infektiös und stellt eine wichtige Infektionsquelle für suszeptible, noch seronegative Mitmenschen, insbesondere Kleinkinder dar. Im Vergleich zu ätherischen Ölen zeigten alkoholische Extrakte aus Braunelle, Melisse und Pfefferminze in unseren experimentellen Studien einen dualen Wirkungsmechanismus, indem sie nicht nur zellfreie Viren inaktivierten, sondern bei Vorbehandlung der Wirtszellen die Infektion dieser Zellen mit HSV-1 um 60 - 80% reduzierten.

Der letzte Befund weist darauf hin, dass diese Extrakte die Virusanheftung an die Wirtszellen erfolgreich blockieren können. Interessanterweise waren sowohl die ätherischen Öle als auch die Lamiaceen-Extrakte in der Lage, auch die Infektiosität von Aciclovir-resistenten Herpesviren entscheidend zu reduzieren. Diese Beobachtung dürfte in erste Linie darauf zurückzuführen sein, dass der virale Replikationszyklus von HSV-1 durch Aciclovir und die Pflanzenprodukte an unterschiedlichen Stellen inhibiert wird. Erste klinische Studien lassen erkennen, dass Patienten mit rezidivierenden Lippenherpes-Episoden von der topischen Behandlung mit ätherischen Ölen und Melissen-Blattextrakten profitieren können

 

Autor: J. Reichling, Universität Heidelberg, Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie, Abtl. Biologie, Im Neuenheimer Feld 364, 69120 Heidelberg. Quelle: Zeitschrift für Phytotherapie 2013; 34 - V08.

 

 

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