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    Ältere Menschen sind aufgrund von Alterungsprozessen und Fehl- bzw. Minderernährung gefährdet für Mikronährstoffmängel.

     

Bedeutung der Orthomolekularen Medizin in der Geriatrie

Einführung

In der täglichen hausärztlichen Praxis gibt es eine Vielzahl geriatrischer Patienten, meist mit Polymorbidität und entsprechender Polymedikation. Die Versorgung dieser Patienten bindet schon in der schulmedizinischen Routine viel ärztliche Kompetenz und Zeit. In dieser Übersicht will ich anregen, einige grundsätzliche Möglichkeiten der Orthomolekularen Medizin in die Diagnostik und Therapie einfließen zu lassen, um die geriatrische Versorgung ohne bedeutend mehr zeitlichen Aufwand zu optimieren. Die Ernährung der älteren Generation wird meist durch kohlehydratreiche Nahrungsmittel (Brot, Kartoffeln, Reis, Süßwaren), Milchprodukte (Milch, Käse, Quark, Joghurt), Wurstwaren und akzeptable Mengen Obst und/oder Gemüse geprägt. Hochwertiges, mastfreies Fleisch, Fisch, Nüsse, Eier oder Pilze werden seltener konsumiert, was zu einem Mangel der gerade in diesen Lebensmitteln enthaltenen orthomolekularen Stoffe (siehe Diagnostik) führen kann. Daraus resultieren eine Vielzahl der Befindlichkeitsstörungen und Krankheiten bei geriatrischen Patienten und ein unnötig schwerer oder irreversibler Verlauf, wie z. B. bei diversen neurodegenerativen Erkrankungen.

Diagnostik

Die in der hausärztlichen Routine kontrollierten Laborwerte beinhalten selten mehr als das kleine Blutbild, Leber- und Nierenwerte, Blutzucker, Cholesterin und Triglyzeride, die Elektrolyte Natrium, Kalium und Kalzium sowie TSH basal.

Die Erfassung einer Organfunktion sagt jedoch kaum etwas über die Pathophysiologie und Biochemie der Zellen aus und die o. g Werte verändern sich nur bei entsprechend starker Schädigung der Organe. Viele – oft unspezifische – Symptome wie Müdigkeit, die von Patienten geklagt werden, sind auch nicht in der Bildgebung anderer diagnostischer Verfahren, wie Sonografie, EKG, Lungenfunktion oder radiologischen Verfahren zu ergründen. Die Aussage, „dann sei das eben das Alter“, kann vor dem Hintergrund leicht behandelbarer orthomolekularer Mängel so nicht hingenommen werden und jeder Arzt ist hier aufgerufen, erweiterte orthomolekulare Diagnostik zu betreiben.

Als Basis für eine optimale Zellfunktion sind viele orthomolekulare Stoffe lebenswichtig. Aus meiner Praxiserfahrung fehlen geriatrischen Patienten neben Eiweiß und Aminosäuren (L-Carnitin u. a.) hauptsächlich Omega-3-Fettsäuren, Magnesium, Selen, Zink, Vitamin B12 und D3 sowie Coenzym Q10, gelegentlich auch Vitamin B6. Eine ergänzende Messung dieser Werte hilft in der Einschätzung der geklagten Beschwerden bzw. der vorhandenen Multimorbidität sehr weiter. Dabei ist zu beachten, dass die genaue Einschätzung des Mangels nicht allein auf Serummessungen beruhen darf. Der überwiegend zelluläre Gehalt von Magnesium, Selen und Zink wird optimaler über eine Vollblutmessung ermittelt, Coenzym Q10 über die cholesterinkorrigierte Messung und Vitamin B12 über Parameter wie Holo-Transcobalamin (Holo-TC), Homocystein im Plasma oder auch Methylmalonsäure im Morgenurin oder Serum. In die spätere therapeutische Entscheidung müssen klinische Parameter und Symptome einfließen.

Orthomolekulare Substanzen

Natrium und Kalium

Im Gegensatz zum meist ausreichend über die Nahrung aufgenommenen Kalzium gibt es im Alter viele Störfaktoren für die Elektrolyte Natrium und Kalium.

Natrium kann durch die meist salzarme Ernährung der Älteren fehlen und wird zusätzlich durch Diuretika ausgeschieden. Zudem gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten einer sekundären Überproduktion von ADH mit daraus folgender Hyponatriämie, wie z. B. zerebrale Erkrankungen (SAB, Hirnatrophie, Zentralvenenthrombose), Medikamente (Carbamazepin, Neuroleptika, Antidepressiva), Paraneoplasie, Sarkoidose, Stress, Schmerzen, Übelkeit, akute Psychose, oder Hypothyreose. Bei dauerhaft < 115 mmol/l und akut < 125 mmol/l liegenden Serumwerten drohen Hirnödem mit Somnolenz, Verwirrtheit und Muskelkrämpfe bis zum Koma.

Neben der Therapie der Ursache können Empfehlungen zu salzreicherer Ernährung und ggfs. Kochsalztabletten gegeben werden.

Kalium ist im Zusammenspiel mit Natrium essenziell für zahlreiche zelluläre Funktionen, speziell Muskel-, Nieren- und Nerventätigkeit. Eine Hypokaliämie kann eine Vielzahl von Ursachen haben. Neben mangelnder Kaliumzufuhr über die Nahrung liegt es meist an übermäßigem Kaliumverlust, der oft mit erhöhtem Wasserverlust, z. B. als Folge von Erbrechen und Durchfall, einhergeht. Im Rahmen eines Conn-Syndroms kann es durch gesteigerte renale Kaliumausscheidung zu einer Hypokaliämie kommen. Bei Älteren sind die häufig eingesetzten Diuretika und Abführmittel von Bedeutung. Bei Hypokaliämie können Adynamie, Kopfschmerzen, Verstopfung, Schwäche bis Lähmungen der Extremitätenmuskulatur auftreten, eine arrhythmogene Wirkung von Digitalispräparaten und Katecholaminen, ventrikuläre und supraventrikuläre Extrasystolen bis hin zu Vorhof- oder Kammerflimmern. Neben der Ursachenbekämpfung sind Diuretika bei älteren Menschen kritisch einzusetzen, auch vor dem Hintergrund des Ausschwemmens anderer Mineralien und Spurenelemente wie Natrium, Magnesium und Zink sowie den potenziell negativen Auswirkungen auf Glukose- und Harnsäurestoffwechsel.

Eine kaliumreiche Ernährung besteht aus Früchten, Kartoffeln, Avocados, Spinat, Tomaten und Gemüsesäften, Fleisch, Milch, Bohnen und Pilzen. Eine orale Zufuhr von Kalium ist ausreichend, entweder als Monopräparat oder in Kombination mit Magnesium.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Bedeutung der Orthomolekularen Medizin in der Geriatrie

Aus der Zeitschrift Erfahrungsheilkunde 5/2012

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Stephan Wey ist Referent bei der 49. Medizinischen Woche in Baden-Baden u. a. mit den Themen: "Krebs: Die ganze Klaviatur des Heilens in der Onkologie“ , „Vitamin D – Grundlagen und Kolorektales Karzinom“.

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