• Mariendistel

     

Phytotherapie bei Erkrankungen der Leber und Galle

Der Einsatz von Phytotherapeutika bei Erkrankungen der Leber und Galle basiert auf langjährigen guten Erfahrungen in der Praxis, ein Großteil ist von der Kommission E monografiert. Mariendistel, Artischocke, Rote Bete und Schafgarbe sind bewährte Therapeutika bei Lebererkrankungen. Für Gallenwegsdyskinesien zählen Wermut, Schöllkraut, Erdrauch, Rettich und Löwenzahn zu den wichtigsten Phytotherapeutika. Die Phytotherapie ist eine starke und verlässliche Partnerin in der Behandlung der Leber- und Gallenerkrankungen, wenn man sie gezielt einsetzt und sie in ein sinnvolles Therapiekonzept einfügt.

Von unseren inneren Organen ist die Leber das größte und wiegt etwa 1,5-2 kg. Sie wird täglichvon etwa 2000 Litern Blut durchflossen, das sind etwa 4 Blutkonserven pro Minute. Über die Pfortader nimmt sie nährstoffhaltiges Blut (z. B. Fette, Kohlenhydrate, Eiweiße, Glukose, Vitamine und Spurenelemente) aus dem Intestinaltrakt auf, um sie zu verstoffwechseln und/oder zu speichern. Zudem werden Toxine (exogene Schadstoffe und endogene Abbauprodukte) in der Leber gebunden und in eine ausscheidungsfähige Form gebracht. Eine weitere Aufgabe der Leber ist die tägliche Produktion von etwa einem halben Liter Gallensaft, der in der Gallenblase eingedickt und bedarfsweise an den Darm zur Fettverdauung abgeben wird.

Ist der Input an Toxinen in die Leber höher als die Outputleistung der konjugierten Giftstoffe, die durch die Biotransformation in das größte unserer Stoffwechselorgane gelangt sind, dann kommt es, abhängig von der Dauer und dem Grad der Intoxikation zu einer allmählichen Schädigung der Leberzellstruktur.

Mariendistel

Hier setzt nun eine der wichtigsten Heilpflanzen für die Leber an: die Mariendistel (Silybum marianum oder Carduus marianus). Ihren Namen soll sie daher haben, das der heiligen Maria beim Stillen ein paar Tropfen ihrer Milch auf das Blatt gefallen sind und dadurch das Blatt seine marmorierte Farbe erhielt. Die Bezeichnung Silybum geht auf das griechische Wort Sillybon zurück, was Quaste oder Anhängsel bedeutet und sich wohl auf die Wurzel bezieht oder auf die Blüte.

Sie gehört zu den Korbblütlern (Asteraceae) und zur Unterfamilie der Carduoideae. Wie ihr Name verrät, ist sie eine Distel und zählt zu den am besten untersuchten Heilpflanzen. Ihre Heimat ist ursprünglich der Mittelmeerraum. In unseren Breitengraden kommt sie nur gelegentlich verwildert vor. Verwendet werden die Früchte der Pflanze. Diese enthalten u. a. 1,5-3 % Silymarin. Bei diesem Wirkstoff fand man 3 gut untersuchte Haupteffekte:

  • Membraneffekt (leberzellprotektiver Effekt)
  • Leberzellregeneration
  • Radikalfängerfunktion
Silymarin ist eine Mischung der Isomere von Silibin, Silicristin und Silidianin. Die Substanz stabilisiert die Zellmembran der Leberzellen. Das hat einen protektiven Effekt auf die Invasion von Zellgiften in das Zellinnere. Offensichtlich werden durch Silymarin Bindungsstellen bzw. Transportsysteme dieser Gifte an der Zellmembran blockiert. Die Antidotwirkung gegenüber den leberzellschädigenden Noxen wie Alkohol, Chemikalien und auch Medikamenten beruht offenbar darauf, dass Silymarin an Zellproteine und Rezeptoren der Zellmembranen binden und dadurch die Toxine verdrängen und ihre Invasion in das Zellinnere vermindern kann.

Zudem fand man eine schützende Wirkung gegen den transmembralen Verlust von Leberzellenzymen. Die zellprotektive Wirkung von Silimarin ist natürlich abhängig von der Höhe der zugeführten ­Noxen.

Der zellregenerative Effekt erklärt sich durch Aktivierung des Enzyms Polymerase A. Diese steigert die für die Zellintegration wichtige Eiweißsynthese, dazu kommt die Wirkung auf die Leberzellproliferation.

Die Hauptwirkstoffe, das Silimarin und seine Isomere, gehören zu den Flavonolignanen. Sie besitzen überdies eine zuverlässige radikalantagonisierende Wirkung auf die freien Radikale, die ebenfalls ganz wesentlich zur Schädigung der Leberzelle beitragen.

Aus diesen Effekten ergibt sich die positive Wirkung bei den Lebererkrankungen wie der Fettleber, der toxischen Hepatose (Alkohol, Berufsnoxen, Medikamente), den virusbedingten Hepatitiden und durch eine antifibrotische Wirkung bei der Leberzirrhose. Unter der standardisierten Therapie mit Mariendistelextrakten können die Progredienz der hepatogenen Erkrankungen gebremst und die Symptome gelindert werden.

Besonders eindrucksvoll ist die Wirkung bei den akuten Knollenblätterpilzvergiftungen. Bei einer Kontamination mit den Mykotoxinen Amanitin und Phalloidin kommt es nach etwa 12-24 Stunden zur Blockierung der RNA-Polymerase in den Leberzellen, die daraufhin absterben. Die Mortalitätsrate der Erkrankten liegt in diesen Fällen bei 30-50 %

Silybinin scheint Amanitin kompetitiv zu hemmen und, wie schon erwähnt, die Biosynthese der Leberzellproteine zu reaktivieren. Eine sofort eigeleitete Infusionsbehandlung innerhalb von 24 Stunden mit Silybinin (Legalon® SIL; 20 mg pro kg Körpergewicht und Tag in 4 Einzeldosen) kann die Mortalitätsrate auf unter 10 % senken.

Auch bei Leberzirrhose, Fettleber und Fettleberhepatitis fand man eine deutlich verbesserte Überlebensrate. Sogar die Diabetesparameter zeigten eine signifikante Verbesserung.

Klinische Untersuchungen belegen ebenfalls eine antivirale Aktivität von Silibinin gegenüber dem Hepatitis-C-Virus (HCV) und dem Humanen-Immundefizienz-Virus (HIV).

Monografie der Kommission E

Mariendistelextrakte sind durch die Kommission E positiv monografiert und zur unterstützenden Behandlung bei chronisch entzündlichen Lebererkrankungen und Leberzirrhose geeignet. Die empfohlene Dosierung liegt bei 200-400 mg Silymarin pro Tag. Dabei werden bei oraler Gabe bis zu 20-50 % resorbiert. Die Resorption ist allerdings von der Galenik des jeweiligen Präparats abhängig.

Präparate, Dosierungen, unerwünschte Wirkungen

Fertigpräparate und Dosierung

Gängige Fertigpräparate im Handel sind z. B.:

Legalon® forte Hartkapseln (Fa. Meda Pharma), 3-mal täglich 1 Hartkapsel unzerkaut mit etwas Flüssigkeit einnehmen
Legalon® Protect Madaus Hartkapseln (Fa. Meda Pharma), 3-mal täglich 2 Hartkapseln unzerkaut mit etwas Flüssigkeit vor dem Essen einnehmen
Legalon® SIL Pulver (Fa. Meda Pharma) zur Herstellung einer Infusionslösung
hepa-loges® Hartkapseln (Fa. Loges), 3-mal täglich 1 Hartkapsel mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen
Hepar-Pasc® (Fa. Pascoe), Erwachsene und Kinder > 12 Jahre: 3- bis 4-mal täglich 1 Filmtablette unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen
Phytohepar® novo Hartkapseln (Fa. Steigerwald), Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren: 2-mal täglich 1 Hartkapsel unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit jeweils nach einer Mahlzeit einnehmen; Hartkapsel nicht im Liegen einnehmen

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen werden lediglich bei 1-2 % der Fälle beobachtet. In der Regel sind dies nur leichte, passagere gastrointestinale Beschwerden.

Teeanwendung

Die Mariendistel eignet sich auch als Teeanwendung: Man übergießt 1-2 Teelöffel Mariendistelfrüchte mit 1 Tasse kochendem Wasser und lässt ihn 10-20 Minuten ziehen. Nach dem Abseihen werden täglich 1-3 Tassen schluckweise getrunken. Eine Kur kann wegen der geringen Nebenwirkungen unbedenklich über 6 Wochen und länger angewendet werden.

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Aus der Erfahrungsheilkunde 04/2015

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