• © Alexander Fischer - TVG

    Prävention und Therapie von Harnwegsinfektionen waren in den letzten Jahrzehnten fast ausschließlich eine Domäne der Antibiotika.

     

Neue Aspekte zur Wirkung von Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen

Prävention und Therapie von Harnwegsinfektionen waren in den letzten Jahrzehnten fast ausschließlich eine Domäne der Antibiotika. Dagegen beschränkte sich die Rolle der Phytotherapeutika allenfalls auf die adjuvante Behandlung, da der Fokus der Medizin auf der antimikrobiellen Wirkung lag, die bei den meisten Drogen sehr schwach ausgeprägt ist. Auch die seit Langem bekannte Förderung der Durchspülung der Harnwege änderte nichts an ihrer mangelnden Attraktivität, zumal bis heute klinische Studien weitgehend fehlen, die die empirisch guten Behandlungsergebnisse mit Phytotherapeutika objektivieren. Inzwischen wird jedoch die Gabe von Antibiotika wegen der Resistenzproblematik u.a. beim akuten unkomplizierten Harnwegsinfekt infrage gestellt. 

Neue Erkenntnisse zu Virulenzfaktoren von uropathogenen E. coli (UPEC) führten zu ersten In-vitro-Studien, die eine mögliche Wirkung von verschiedenen pflanzlichen Drogen bei der Motilität, der Modifikation der Hydrophobie der Bakterienoberfläche und bei der Fimbrienfunktion von UPEC beschreiben. Auch die Fähigkeit der UPEC zur Kolonisation und zur Bildung eines Biofilms sind mögliche Angriffspunkte pflanzlicher Drogen. Klinische Studien dazu fehlen noch. Die unterschiedlichen Wirkfaktoren der einzelnen pflanzlichen Drogen rechtfertigen jedoch die empirisch gefundenen Kombinationen und weisen auf deren Potenzial hin, das größer sein dürfte, als bisher angenommen.Akute Harnwegsinfektionen sind besonders bei Frauen häufig und neigen zu Rezidiven. Im Alter von 15–39 Jahren haben 15,2% der Frauen mindestens einen Harnwegsinfekt/Jahr, von den 40–59-Jährigen gilt dies für 11,4%, im Alter von 60–79 Jahren sind es noch 9,7%. Während Harnwegsinfekte bei Frauen zumeist unkompliziert (uncomplicated urinary tract infections, UTI) sind, d.h. spontan und komplikationslos ausheilen, sind sie bei Kindern, Schwangeren, Männern sowie Patienten mit Veränderungen an den Harnwegen nie unkompliziert. UTI wurden stets über 3–7 Tage mit Antibiotika behandelt. Die alleinige Gabe von pflanzlichen Durchspülungsmitteln, z.B. als Tee, ist jedoch bei asymptomatischer Bakteriurie, chronischen bakteriell verursachten Zuständen nach Pyelonephritis, Urethritis oder Zystitis, die zu 75–95% durch uropathogene E. coli (UPEC) hervorgerufen werden (80–90% der ambulanten Infektionen und 30–50% der im Krankenhaus erworbenen Harnwegsinfektionen) und zur Rezidivprophylaxe sinnvoll.

Nach den neueren Leitlinien muss bei der UTI nicht immer sofort eine antibiotische Therapie begonnen werden. Vielmehr werden – auf dem Hintergrund der zunehmenden Resistenz der Erreger und der international propagierten Reduktion der Therapie mit Antibiotika – rein symptomatische Therapien, z.B. mit 3 × 400 mg Ibuprofen, aber auch komplementärmedizinische Methoden als Alternativen erwähnt. Allerdings wird beispielsweise in der S3-Leitlinie „Brennen beim Wasserlassen“ hinsichtlich der Einnahme von Präparaten aus Bärentraubenblättern oder einer Kombination aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel bei UTI aufgrund von unzureichenden klinischen Studiendaten keine Empfehlung ausgesprochen. Aus dem gleichen Grund ist die Empfehlung bei dysurischen Beschwerden für Zubereitungen aus Wacholderbeeren, Birkenblättern, Brennnesselkraut, Goldrutenkraut, Hauhechelwurzel und Orthosiphonblättern offen.

Bisher wurde in den entsprechenden Lehrbüchern die empirische Verwendung von pflanzlichen Drogen bei UTI mit einem erhöhten Harnfluss infolge der Hyperosmolarität des Urins bzw. mit spasmolytischen, antiphlogistischen und/oder antimikrobiellen bzw. bakteriostatischen Effekten pflanzlicher Inhaltsstoffe begründet. Als Beispiel soll eine neuere In-vitro-Studie dienen, in der die antimikrobielle Aktivität der in einem Kombinationspräparat aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel enthaltenen Mischung aus Benzyl-, Allyl- und Phenylethylisothiocyanaten bei klinisch relevanten Keimen geprüft wurde: Unter anderem wurden Candida spp. sehr stark gehemmt, etwas schwächer wirksam war die Mischung bei S. aureus, S. pyogenes und E. coli. Sowohl die gegenüber Antibiotika resistenten als auch nichtresistente Stämme reagierten jedoch vergleichbar empfindlich.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag Neue Aspekte zur Wirkung von Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen

Aus der Zeitschrift für Phytotherapie 3/2014

Call to Action Icon
Zeitschrift für Phytotherapie Jetzt abonnieren!
© privat Treffen Sie Prof. Dr. Karin Kraft

Prof. Dr. Karin Kraft ist auf der 49. Medizinischen Woche mit den Themen: "Traditionelle Europäische Medizin - wirksam und beliebt“ , „Neue phytotherapeutische Optionen in der Schmerztherapie“ und „Phytotherapie – Neues aus Wissenschaft und Praxis".

Newsletter-Service

  • Thieme Newsletter - Wissen das sich anpasst - Jetzt kostenlos registrieren

    Jetzt kostenlos anmelden

    Aktuelles aus Ihrem Fachgebiet: Mit brandaktuellen News und Neuerscheinungen, Schnäppchen und tollen Gewinnspielen sind Sie up to date und immer einen Schritt voraus.

Quelle

Zeitschrift für Phytotherapie
Zeitschrift für Phytotherapie

EUR [D] 70,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Taschenatlas Akupunktur und Triggerpunkte
Hans Ulrich Hecker, Angelika Steveling, Elmar T. Peuker, Kay LiebchenTaschenatlas Akupunktur und Triggerpunkte

EUR [D] 61,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Cookie-Einstellungen