• Amla-Frucht

     

Rasayana – Ayurvedisches Anti-Aging

Ein langes Leben zu führen und auch im Alter noch von jugendlicher Spannkraft zu sein, das ist ein Wunsch, den Menschen wohl schon seit Anbeginn der Menschheit hegen. Ein Ausdruck dieses tiefen Wunsches sind zahlreiche Erzählungen von alten Menschen, die auf wundersame Weise ihre Jugend wiedererlangen, sie finden sich in Mythen und Märchen vieler Kulturen.

Ein Blick in die Medizingeschichte zeigt, dass sich auch die Medizin wahrscheinlich zu allen Zeiten damit beschäftigt hat, wie man ältere Menschen gesund erhalten oder gar verjüngen kann. Insofern ist die heutige „Anti-Aging-Medizin“ im Grunde nur die Fortsetzung eines jahrhundertealten Phänomens.

Im Ayurveda, der bedeutendsten medizinischen Tradition des indischen Kulturbereichs, finden sich schon vor rund 2000 Jahren, nämlich in den ältesten heute noch erhaltenen Lehrbüchern, eigene Konzepte zur Erhaltung von Jugendlichkeit und Kraft auch in hohem Alter. Als „Wissenschaft vom Leben“, so die wörtliche Übersetzung des Sanskritwortes Ayurveda, hat der Ayurveda grundsätzlich das Ziel, nicht nur Krankheiten zu behandeln, sondern auch die Gesundheit des Gesunden zu schützen. In diesem Zusammenhang steht auch die Entwicklung des sogenannten Rasayana als eigenem Fachbereich der Ayurveda-Medizin. Ursprünglich bezeichnete dieser Begriff wohl Elixiere, denen verjüngende und stärkende Wirkungen zugeschrieben wurden. Im Laufe der Entwicklung zum klassischen Ayurveda, wie er uns in einer Reihe von Lehrbüchern aus den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung entgegentritt, ist der Begriff Rasayana zur Überschrift einer ganzen Disziplin geworden, die zum Ziel hat, dem Menschen möglichst lange seine Jugendlichkeit zu erhalten. Heute ist Ayurveda ein eigenständiges medizinisches System und im Anschluss an klassische Lehren werden auch Konzepte von Rasayana im Sinne einer umfassenden Präventivmedizin gelehrt und praktiziert.

Fachbereich Rasayana: Behandlungsansätze

Nach der klassischen Auffassung gilt Rasayana als einer von acht Fachbereichen des Ayurveda. Nach einer autoritativen klassischen Formulierung versteht man unter Rasayana solche Mittel und Praktiken, die dem Menschen „ein langes Leben, Gedächtnis, Verstand, Gesundheit, ein jugendliches Alter, Ausstrahlung, gute Hautfarbe, eine starke Stimme, Kraft in Körper und Sinnen, Wortgewalt, Manneskraft und Glanz“ verleihen. Zum Rasayana gehören daher auch eine Vielzahl verschiedener Vorgehensweisen und Behandlungsansätze. So zählt man neben spezifischen Nahrungsmitteln und pflanzlichen Arzneien auch besondere Kurverfahren, ebenso wie ausführliche Empfehlungen zu einer gesundheitsfördernden Lebensweise in Bezug auf physische, psychische, soziale sowie spirituelle Aspekte dazu. Für die Anwendung dieser verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten ist aber stets ein charakteristisches Merkmal der Ayurveda-Medizin zu beachten, nämlich die individuelle Betrachtung des Menschen in Bezug auf Diätetik und Therapie. So wird etwa auch bei der Behandlung von Krankheiten neben der besonderen Krankheit stets die individuelle Grundkonstitution eines Menschen berücksichtigt. Dieses Vorgehen gilt genauso für den Bereich des Rasayana, das heißt, die einzelnen Komponenten des Rasayana müssen stets für den individuellen Menschen zusammengestellt und kombiniert werden.

Zudem ist zu bedenken, dass der Ayurveda ein Medizinsystem ist, dem eine umfassende wissenschaftliche Systematik zugrunde liegt. Insofern verwundert es nicht, dass auch die Konzepte des Rasayana im Rahmen der ayurvedischen Wissenschaft formuliert und systematisiert werden. So heißt es in einer wichtigen klassischen Definition, dass Rasayana das Mittel ist, mit dem man „vorzügliche Körpergewebe wie Rasa und die anderen“ erlangt. Mit dieser Definition legt der Autor einen begrifflichen Zusammenhang zwischen dem Gewebe Rasa und dem Begriff Rasayana nahe und bezieht sich damit auf ayurvedische Anschauungen von Gewebephysiologie und Stoffwechsel. Rasa (ein schwierig zu übersetzender Begriff, allgemein vielleicht mit „Plasma“ zu übersetzen) ist nach ayurvedischer Anschauung das erste Gewebe, welches aus der Verwertung der Nahrung entsteht. Ausgehend von Rasa werden dann auch alle übrigen Gewebe des Menschen genährt. Rasayana sind also nach dieser Definition solche Mittel, welche die Gewebe des menschlichen Organismus stärken.

Klassifizierung diätetisch-therapeutischer Konzepte

Einem gelehrten ayurvedischen Autor des 12. Jahrhunderts folgend (Ḍalhaṇa ad Suśruta-Saṃhita Ci. 27.1–2), kann man die zu Rasayana gehörenden diätetisch-therapeutischen Konzepte in dreierlei Hinsicht klassifizieren.

Die erste Klassifikation
Die erste Klassifikation bezieht sich auf die Art der Durchführung eines Rasayana-Therapieverfahrens. Hier unterscheidet man die Kur mit „Eintritt in ein Gebäude“ von den Verfahren, die man bei „Wind und Sonne“, das heißt ohne spezielle räumliche Voraussetzungen durchführen kann. In den alten Texten wird eine ausführliche Verjüngungskur beschrieben, in deren Verlauf der Patient einen längeren Zeitraum in einem geschlossenen Raum verbringt, der durch drei konzentrische Mauern nach außen begrenzt ist. Diese intensive Behandlung wird deshalb auch die Verjüngungskur „mit Eintritt in ein Gebäude“ genannt. Besonders betont wird, dass der Mensch vor Eintritt in das Kurgebäude geistig zur Ruhe kommt und den Geist von unzuträglichen und negativen Gedanken gleichsam gereinigt hat. Mit einer positiven Einstellung möge er dann in das Kurgebäude eintreten. Zunächst wird der Mensch dann einer Reihe von ausleitenden Therapieverfahren unterzogen, die in vielerlei Hinsicht der sogenannten Pancakarma-Therapie entsprechen. Danach werden über einen längeren Zeitraum aufbauende und verjüngende arzneiliche Präparationen verabreicht, die sich in Menge und Zusammensetzung nach der individuellen körperlichen Verfassung des jeweiligen Individuums richten. Über den gesamten Zeitraum möge der Mensch sich in der beschriebenen reizarmen Umgebung aufhalten. Diese Kur wird zwar mit geringen Abweichungen in allen klassischen ayurvedischen Texten beschrieben, es ist aber unklar, ob sie jemals in dieser strengen Form praktisch durchgeführt wurde. In der Gegenwart hat es immer mal wieder Versuche gegeben, eine solche Kur durchzuführen, ohne dass dies jemals konsequent geschah (an der renommierten Gujarat Ayurveda University in Jamnagar, Indien, wurde sogar ein solches Gebäude mit drei konzentrischen Mauern erbaut, aber nie für diesen Zweck verwendet). Im Gegensatz zu dieser strengen Kur in einem speziellen Gebäude stehen die Maßnahmen, die man nach der klassischen Bezeichnung „bei Wind und Sonne“ durchführt, also praktisch alle anderen Maßnahmen für Vitalisierung und Anti-Aging.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Rasayana – Ayurvedisches Anti-Aging

Aus der Zeitschrift: Erfahrungsheilkunde 01/2019

Call to Action Icon
Erfahrungsheilkunde Jetzt abonnieren!

Newsletter-Service

Quelle

Erfahrungsheilkunde
Erfahrungsheilkunde

EUR [D] 112,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Heilpflanzensignaturen
Christian RaimannHeilpflanzensignaturen

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Das Heilfasten
Otto BuchingerDas Heilfasten

und seine Hilfsmethoden als biologischer Weg

EUR [D] 39,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.