• Reizdarmsyndrom

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Das Reizdarmsyndrom − Integrative Therapie

Das Reizdarmsyndrom zählt zu den funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen. Als typische Symptome treten Stuhlunregelmäßigkeiten, Obstipation, Diarrhö, Meteorismus und Schmerzen auf, die Lebensqualität der Patienten ist häufig sehr eingeschränkt.

Die Genese des Reizdarmsyndroms (RDS) ist multifaktoriell, es besteht bis heute keine kausale und damit keine kurative Therapie.

Gerade weil die Genese multifaktoriell ist, die konventionellen Therapiemöglichkeiten häufig unbefriedigend bleiben, die erreichten unspezifischen Effekte (Placeboraten 50−70 %) aber ausgesprochen hoch sind, ist ein integrativer Therapieansatz, bei dem die Aktivierung der eigenen Ressourcen und Selbstheilungskräfte im Zentrum der Therapie stehen, anzustreben. Der Anteil der Reizdarmpatienten, die komplementäre Verfahren nutzen, ist in den vorliegenden angloamerikanischen Studien dementsprechend hoch.

Allgemeinmaßnahmen

  • stabiles und empathisches Arzt-Patienten-Verhältnis (therapeutisches Bündnis)
  • ausführliche Information und positive Diagnosestellung
  • klare Diagnosevermittlung mit Interpretation der Diagnoseergebnisse (Reassurance)
  • Aufklärung über Wesen und Ursache der Beschwerden
  • Information über normale Lebenserwartung und Erläuterung der Krankheitsmodelle
  • Glaube an Echtheit der Beschwerden vermitteln
  • Vermeiden wiederholter Diagnostik
  • Formulierung realistischer Therapieziele
  • Förderung der Eigenverantwortung
  • Konfliktklärung im psychosozialen Bereich
  • Aufzeigen von unterstützenden medikamentösen Maßnahmen
  • Ernährungsberatung
  • einfach erlernbare Entspannungsübungen
  • Identifizierung und Abbau von allgemeinen und beruflichen Stressfaktoren
  • allgemeine körperlich kräftigende − roborierende − Maßnahmen

In der bemerkenswerten Studie von Kaptchuk et al. konnte die überragende Bedeutung einer positiven und tragenden Arzt-Patienten-Beziehungsgestaltung herausgearbeitet werden.

Ordnungstherapie/Mind-Body-Medicine/MBSR

Im Zentrum der Ordnungstherapie für Reizdarmpatienten stehen die Module Ernährung, Bewegung, naturheilkundliche Selbsthilfestrategien, Stressmanagement und Entspannungsverfahren sowie verhaltenstherapeutische Elemente. Den Patienten werden konkrete Handlungsmöglichkeiten zur Selbsthilfe gegeben und die Entwicklung von Krankheitsbewältigungsstrategien unterstützt, die eine „Entchronifizierung“ ermöglichen sollen.

Durch einen integrativen Therapieansatz wird es dem Reizdarmpatienten ermöglicht, seine verschiedenen Lebensbereiche und Strukturen zu reflektieren. Auf dieser Basis kann er neue Erfahrungen sammeln und Handlungsstrategien entwickeln, die im salutogenetischen Sinne dem Erhalt und der besseren Nutzung der eigenen Ressourcen dienen. Die Durchführung der Ordnungstherapie in Gruppen gibt zudem Raum für die Reflexion und Verbesserung der psychosozialen Kommunikation und der sozialen Unterstützung.

Für die folgenden einzelnen Module liegen Daten aus wissenschaftlichen Studien vor.

Entspannende Verfahren

Auf die große Bedeutung von psychischen und psychosozialen Faktoren für das RDS wurde bereits ausdrücklich hingewiesen.

Der Zusammenhang zwischen psychosozialen Stressoren und dem Auftreten bzw. einer Exazerbation der Erkrankung wurde häufig beschrieben. So berichten viele Betroffene, dass dem Beginn der gastrointestinalen Symptomatik ein belastendes Lebensereignis vorausging. Zahlreiche Patienten geben an, dass Stress die gastrointestinalen Symptome verschlimmert. Psychosoziale Faktoren scheinen dabei als „Modulatoren“ von Bedeutung zu sein. Während Stress nicht allein chronische gastrointestinale Symptome verursachen kann, so kann er die gastrointestinale Symptomatik verschlimmern, Symptomepisoden triggern, extraintestinale Symptome bedingen und das Krankheitsverhalten und -erleben beeinflussen.

Die Datenlage im Hinblick auf eine erhöhte physiologische Stressreaktivität bei Reizdarmpatienten ist widersprüchlich. Eindeutig wissenschaftlich nachgewiesen ist allerdings eine erhöhte affektive Reagibilität von Reizdarmpatienten.

Der Stellenwert von Entspannungsverfahren als wirksames Therapieverfahren ist vielfach belegt. In mehreren randomisiert-kontrollierten Studien konnte gezeigt werden, dass eine Hypnotherapie beim RDS effektiv ist (z. B. 7 Sitzungen in 3 Monaten bzw. 12 Sitzungen in 6 Wochen). Auch der Nachweis der Wirksamkeit von MBSR bei Frauen mit RDS erfolgte im Rahmen einer randomisiert-kontrollierten Studie.

Auch für Meditation mit Auslösung der „Relaxation Response“ liegen positive Daten vor.

Als Therapieformen können empfohlen werden:

  • diaphragmales Atmen,
  • Meditation,
  • Autogenes Training,
  • Progressive Muskelrelaxation,
  • Yoga,
  • Qigong,
  • Achtsamkeitstraining (Mind-Body-Medicine, MBSR),
  • Hypnotherapie.

In der AWMF-Leitlinie für das RDS wird darauf hingewiesen, dass Entspannungsverfahren nicht als Monotherapie angewandt werden sollen.

Im Kommentar wird u. a. Yoga (autogenes Training, Tai-Chi, Qigong etc.) trotz unzureichender Studienlage als aktive, längerfristig durchführbare sowie nebenwirkungsarme und kostengünstige Form der körperorientierten Therapie bewertet.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Das Reizdarmsyndrom − Integrative Therapie

Aus der Zeitschrift EHK 3/2014

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