• Selbstwirksamkeit

     

Die Erfahrung der Selbstwirksamkeit ist wie eine Therapie

Prof. Manfred Zimmermann ist ein Pionier auf dem Gebiet der Schmerzmedizin in Deutschland – Die zkm traf den Heidelberger Physiologen auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt. Welches therapeutische Potenzial die Erfahrung von Selbstwirksamkeit für Schmerzpatienten hat und wie Schmerzerfahrungen bereits im Mutterleib das weitere Leben prägen können, erzählt er im Interview.

Sie haben ursprünglich Physik studiert, beschäftigen sich aber schon seit Jahrzehnten mit dem Thema Schmerz. Was hat Sie bewogen in diese Richtung zu gehen?

Meine Vorfahren haben mir ein wenig Medizinerblut vererbt. Mein Großvater arbeitete als Dorfbader und versorgte die Kranken mit allen möglichen Verfahren, die nicht invasiv waren. Ich kenne ihn nur aus Erzählungen, habe aber sein Instrumentarium kennengelernt. Er hat mich sehr fasziniert. Dies ist kein starker, aber sicher einer der Beweggründe. Der andere kam mit meiner Diplomarbeit. Ich beschäftigte mich mit Grenzflächenphysik bei Metallen und Nichtmetallen und lernte dabei eher zufällig eine andere Grenzfläche kennen: die Membranen von Nerven.

Nach dem Diplom war ich Assistent am Institut für Elektrobiologie in Karlsruhe und habe dort viel Basiswissen zur Nervenphysiologie erworben. Ich begann, experimentell mit peripheren Nerven von Fröschen zu arbeiten. In meiner Doktorarbeit beschäftigte ich mich mit der „Wirkung von Röntgenstrahlung auf die Erregungsleitung von Kaltblüternerven“, da war ich bereits mit einem Fuß in der Neurophysiologie.

Auf diesem Gebiet gab es Anfang der 1960er-Jahre messtechnisch und methodisch sehr viel Neues und einen großen Bedarf an Physikern und Elektroingenieuren, die das Instrumentarium, das in den Neurowissenschaften eingeführt wurde, beherrschten.

Und danach gingen Sie in die Schmerzforschung?

Ursprünglich habe ich nicht in der Schmerzforschung gearbeitet. Nach der Promotion ging ich nach Heidelberg an das Physiologische Institut und begann am Zentralnervensystem (ZNS) zu arbeiten, mit einer damals neuen Thematik: der präsynaptischen Hemmung, für deren Entdeckung Eccles 1963 den Nobelpreis erhalten hatte. Ich forschte zur Bedeutung der präsynaptischen Hemmung im Rückenmark bei der Verschaltung von Hautafferenzen, zu Hautsensationen mechanischer und thermischer Art, Schmerz war ganz im Hintergrund. Es ging um den Tastsinn und dessen Kontrolle durch die präsynaptische Hemmung, daraus entstand meine Habilitationsschrift. In dieser Zeit hatte ich einen Zufallsbefund, der im Widerspruch zur damals gerade publizierten Gate-Control-Theorie stand und belegte, dass die Theorie wie von Melzack und Wall behauptet nicht funktionieren kann. Nach der Publikation meiner Ergebnisse im Wissenschaftsmagazin Science erhielt ich einen Sturm von Zuschriften und Einladungen aus der ganzen Welt, und war ausgehend vom Tastsinn bei den Schmerzmechanismen angekommen. Ich hielt dann auch meinen Habilitationsvortrag an der Medizinischen Fakultät Heidelberg zum Schmerz und wurde ab diesem Zeitpunkt als Schmerzphysiologe wahrgenommen.

Sie sind Gründungsmitglied der wichtigen Schmerz-Fachgesellschaften, wie kam es dazu?

Nach meiner Entdeckung ging vieles automatisch. Es gab ein großes Interesse an der modernen neurophysiologischen Schmerzforschung. Weil ich einer der ersten war, die sich damit befassten, wurde ich weltweit als deutscher Repräsentant zu wissenschaftlichen Veranstaltungen zum Thema Schmerz eingeladen. 1973 lud der Anästhesie-Professor John J. Bonica nach Seattle zur Gründung einer internationalen Schmerzgesellschaft ein, der IASP, International Association for the Study of Pain. Bonica hatte bereits in der Nachkriegszeit auf die Defizite in der Schmerzbehandlung aufmerksam gemacht, z. B. bei den enorm vielen Kriegsverletzten, die unter starken Schmerzen litten, und für die es keine zufriedenstellende medizinische Behandlung gab.

Der Frankfurter Arzt Dieter Gross und ich als Wissenschaftler waren als deutsche Repräsentanten bei der Gründungstagung 1973 in Seattle dabei, wir nahmen den Auftrag mit, ein „German Speaking Chapter“ zu initiieren. Schließlich kam es 1975 in Florenz zur Gründung der Gesellschaft zum Studium des Schmerzes für Deutschland, Österreich und die Schweiz (GesDÖS). Um 1990 entstanden aus der GesDÖS schließlich 3 nationale Schmerzgesellschaften, um besser den Anforderungen der Arztausbildung und der Gesundheitspolitik zu entsprechen. Ich war seit der Gründung der GesDÖS aktiv dabei und viele Jahre als Präsident tätig. Seit 1990 firmiert das deutsche Chapter unter dem Namen Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS), neuerdings umbenannt in „Deutsche Schmerzgesellschaft“. Die Gesellschaft besteht in diesem Jahr nunmehr bereits 40 Jahre.

 

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Aus der Zeitschrift Zeitschrift für Komplementärmedizin 2/2015

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