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Traditionelle Japanische Medizin – Kampo

Japan unterscheidet sich bezüglich der Einbindung seiner traditionellen Medizin in das öffentliche Gesundheitssystem grundsätzlich von seinen ostasiatischen Nachbarn: Sowohl in den chinesischen als auch in den koreanischen Staaten stehen das jeweilige traditionelle Medizinsystem und die westliche Schulmedizin als getrennte Einrichtungen nebeneinander. Die jeweiligen Therapeuten studieren von Anfang an in getrennten Studiengängen, und traditionelle Mediziner haben eigene Abschlüsse und Titel wie z.B. „trad. Dr.“. Im Gegensatz dazu gibt es in Japan nur ein Gesundheitssystem, in dem man nur dann eine Ausbildung zum traditionellen Kampo-Arzt abschließen kann, wenn man das schulmedizinische Studium zuvor abgeschlossen hat. An manchen Universitäten sind heute auch Kampo-Grundkurse bereits ins westliche Medizinstudium integriert.

Die Zulassung als Arzt beruht in Japan allerdings einzig auf dem Abschluss des im 19. Jh. größtenteils aus Deutschland übernommenen westlichen Medizinstudiums. Jeder nach diesen Bedingungen zugelassene Arzt kann jedes Medikament verschreiben und bedarf für die Verschreibung von Kampo- Mitteln keinerlei Zusatzqualifikation. Die Verschreibung von Kampo erfolgt somit zumeist durch den jeweiligen Hausarzt.


Kampo ist heute Bestandteil der Schulmedizin


Zum gegenwärtigen Aufschwung der Kampo- Medizin in Japan hat zum einen beigetragen, dass die moderne klinische Kampo Medizin zum überwiegenden Teil auf dem Kohoha-Kampo (s. Teil 2) mit seinem eingängigen Bestimmungsschlüssel beruht, zum anderen jedoch nicht mehr der „reinen Lehre“ dieser Schule folgt. Seit der Wiederaufnahme von Kampo in die nationale Krankenkasse vor beinahe 50 Jahren haben Gesundheitsministerium und Krankenkasse eine große Menge an klinischem Datenmaterial gesammelt, das ausreicht, um einem Kampo-Medikament oder Sho eine Reihe westlicher Diagnosen recht sicher zuzuordnen (siehe z.B. die Indikationsangaben in Teil 3), dies in krassem Gegensatz zur traditionellen Ablehnung von Krankheitsnamen im „reinen“ Kohoha- Kampo. Diese Entwicklung erlaubt es auch rein westlich ausgebildeten Ärzten ohne zusätzliche Kampo- oder spezifische Kohoha- Ausbildung, diese Rezepturen zu verschreiben. Heute werden Kampo-Präparate von mehr als 3/4 der japanischen Ärzteschaft regelmäßig verordnet. Unter Gynäkologen liegt dieser Anteil sogar bei über 90%. Daher wird Kampo heute in Japan gemeinhin nicht als Komplementär- oder Alternativmedizin aufgefasst, sondern als integraler Bestandteil der Schulmedizin, wenn auch teilweise nur, weil die Patienten hier oft „Schulmedizin“ als „alles was die Kasse zahlt“ definieren.


Diese Entwicklung wird zwar auch von vielen traditionellen Vertretern der Kampo- Medizin sehr begrüßt, doch wird immer wieder angeführt, dass die eigentliche Stärke zumindest des Kohoha-Kampo in der Identität von Sho und zu verschreibendem Medikament besteht und sich nur durch die Diagnose des korrekten Sho und die Therapie mit dem zu diesem Sho identischen Medikament das volle Potenzial des Kohoha-Kampo nutzen lässt.


Wissenschaftliche Forschung


Sowohl nach westlicher Indikation als auch nach traditioneller Sho-Diagnose wurde in den vergangenen Jahrzehnten eine beeindruckende Menge klinischer Daten zusammengetragen, die von einer noch größeren Menge an pharmakologischen und phytochemischen Forschungsarbeiten unterstützt wird. Allein schon aufgrund der großen Zahl verschiedener Kampo-Rezepturen kann hier auf einzelne Forschungsergebnisse nicht eingegangen werden. Stattdessen sei darauf verwiesen, dass beispielsweise für die Rezepturen Shosaikoto und Juzentaihoto komplette Bücher erschienen sind, die sich jeweils ausschließlich mit phytochemischen, pharmakologischen und klinischen Nachweisen für die Wirksamkeit jeweils eines dieser Medikamente befassen.


Lesen Sie hier den gesamten Beitrag:
Traditionelle Japanische Medizin – Kampo

Aus der Zeitschrift für Phytotherapie 5/2014

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