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Vergessene Heilpflanzen

Pflanzen waren zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte als Lebensmittel und als Heilmittel in der Volksheilkunde bzw. Medizin von großer Bedeutung. Seit der Antike sind hunderte von Heilpflanzen bekannt, die jedoch zum größten Teil jetzt nicht mehr angewendet werden und scheinbar aus dem Blickfeld unserer Zeit verschwunden sind.

Einige dieser altbekannten Heilpflanzen bzw. Arzneidrogen, wie beispielsweise die Weidenrinde, Johanniskraut oder Leinsamen, werden heute auch im Rahmen der rationalen Phytotherapie angewendet, da die Wirksamkeit dieser Pflanzen in klinischen Studien belegt ist und zugleich die Qualität und Unbedenklichkeit gesichert ist, weitere als traditionelle pflanzliche Arzneimittel. In diesem Beitrag soll der Frage nachgegangen werden, was mit vielen anderen, in der Antike und im Mittelalter beschriebenen Pflanzen geschehen ist und warum diese heute nicht mehr oder nur noch in geringem Maße arzneiliche Verwendung finden. Anhand von fünf Heilpflanzen soll der Weg in die heutige Zeit exemplarisch verfolgt und der Kenntnisstand zur Anwendung dieser Pflanzen und deren Drogen zusammengefasst werden.

Geschichtliches im Überblick

Ursprünglich wurde das Wissen um die Anwendung von Heilpflanzen mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Die frühesten schriftlichen Überlieferungen sind etwa 5000 Jahre alt und stammen von den Sumerern. Im europäischen Raum gibt es medizinische Überlieferungen aus der Antike, u. a. von Hippokrates (459–370 v. Chr. ) und von Plinius d.Ä. (23–79 n. Chr. ), in denen zahlreiche Arzneipflanzen und deren Anwendung beschrieben werden. Eine sehr umfassende Zusammenstellung von ca. 1000 Arzneidrogen, darunter mehr als 600 pflanzlichen Drogen, erstellte der griechische Arzt Dioskurides im 1. Jahrhundert n. Chr., die heute in Form von Abschriften und Überarbeitungen noch erhalten ist (u. a. bekannt als „Wiener Dioskurides“). Im Mittelalter, bis etwa zum 12. Jahrhundert, wurde das Wissen um die Anwendung von Heilpflanzen durch die Klostermedizin, u. a. durch die Schriften der Äbtissin Hildegard von Bingen (1098–1179), und danach durch verschiedene Kräuterbücher bis zum Jahr 1500 weitergegeben. Durch die Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johannes Gutenberg Mitte des 15. Jahrhunderts war eine größere Verbreitung der Kräuterbücher möglich. Eine wesentliche Erweiterung ist den „Vätern der Botanik“ Otto Brunfels (1488–1534), Hieronymus Bock (1498–1554) und Leonhart Fuchs (1501–1566) zu verdanken, da die Angaben über die arzneiliche Verwendung der pflanzlichen Drogen durch Abbildungen der Pflanzen in Form von Holzschnitten ergänzt waren. So erschienen kurz hintereinander zwischen den 1530er- und 1540er-Jahren die Kräuterbücher von Brunfels, Bock und Fuchs mit jeweils einigen hundert Abbildungen. In einem Kräuterbuch von Tabenaemontanus (1525–1590) aus dem Jahr 1588 waren bereits ca. 3000 Pflanzenarten abgebildet und deren arzneiliche Anwendung beschrieben. Bedingt durch Handelsreisen, durch Expeditionen und später auch durch die Kolonialisierung wurden pflanzliche Drogen aus anderen Kontinenten in Europa eingeführt, u. a. Echinacea, Chinarinde, Ipecacuanhawurzel und Ratanhiawurzel. Erst im 19. und 20. Jahrhundert wurde aus pflanzlichen Drogen Inhaltsstoffe isoliert, hinzu kamen neue synthetische Wirkstoffe, sodass die Anwendung von Heilpflanzen nach und nach an Bedeutung verlor.

Der Gewöhnliche Blutweiderich – Lythrum salicaria L.

Lythrum salicaria L. stammt aus der Familie der Lythraceae (Weiderichgewächse) und kommt auch in Europa vor, insbesondere in Feuchtgebieten wie Flussufern, Teichen und Flachmooren. Die Staude mit einem dicken Wurzelstock wird bis zu 1,5 m hoch und hat lanzettliche Laubblätter und einen ährenförmigen Blütenstand, wobei die rot-violetten Kronblätter in der Blütezeit von Juni bis September auffallen. Arzneilich werden seit langem die getrockneten, blühenden Zweigspitzen, Lythri herba, verwendet. Bereits in der Antike war diese Pflanze zur Behandlung von Ekzemen bekannt, aber auch zur Behandlung von Blutspeien, Ruhr und Metrorrhagie. In den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts wird vom Einsatz dieser Droge bei Hämorrhagien im Verdauungstrakt und in der Nase, von der Wundbehandlung, von Menorrhagie (Verlängerung der Monatsblutung) und von Dysenterien berichtet. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden Zubereitungen aus L. salicaria zudem äußerlich bei Augenentzündungen, Sinusitis, Krampfadern, Hämorrhoiden, Menorrhagien, Hämorrhagien, Leukorrhoe und Ulzerationen angewendet.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Vergessene Heilpflanzen
aus der Zeitschrift für Phytotherapie 05/2020

 

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