• Hyperhidrose

    Massiv alltagsbeeinträchtigende Hyperhidrose vor allem der rechten Leiste bei Ross-Syndrom (Minor-Schweißtest vor Injektion mit Botulinumtoxin).

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Ungewöhnliche therapeutische Anwendungen von Botulinumtoxin

Zusammenfassung

Die muskellähmende Wirkung von Botulinumtoxin wurde in den 80er Jahren zunächst bei kraniozervikalen Dystonien und beim Spasmus hemifacialis eingesetzt und 1993 in Deutschland zur Therapie zugelassen. Weitere Zulassungen – nicht für alle Toxine in gleicher Weise – folgten für Spastik, infantile Zerebralparese, axilläre Hyperhidrose, chronische Migräne und überaktive Blase. Darüber hinaus ist eine Vielzahl von ungewöhnlichen Indikationen realisiert worden – von der Wundheilungsstörung und unterschiedlichsten Drüsensekretionsstörungen über neuropathische Schmerzen bis hin zur Depression. Allerdings wurden viele ungewöhnliche Indikationen lediglich auf kasuistischer Basis oder offenen Serien beschrieben und beruhen auf einem niedrigen Evidenzniveau.

 

Einleitung

Mit den ersten Studien zur erfolgreichen therapeutischen Muskellähmung durch Botulinumtoxin bei krankhaften kraniozervikalen Muskelverkrampfungen schien das Indikationsspektrum im Wesentlichen „abgesteckt“ zu sein. Nach der Zulassung der „klassischen“ Indikationen Blepharospamus, rotatorischer Torticollis und Spasmus hemifacialis 1993 in Deutschland wurden jedoch weitere Indikationen erarbeitet und zugelassen. Nicht für alle Toxine in gleicher Weise bestehen weitere Zulassungen in Deutschland für Spastik, infantile Zerebralparese, axilläre Hyperhidrose, chronische Migräne und überaktive Blase. Zunächst wurde die Wirkung von Botulinumtoxin bei der quergestreiften Muskulatur, dann auch bei glatter Muskulatur und dem autonomen Nervensystem angewandt. Später wurde noch eine Vielzahl innovativer Indikationen meist kasuistisch erprobt, die auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, weil sie sich auf indirekte oder noch unbewiesene Wirkmechanismen von Botulinumtoxin beriefen. Solche Indikationen reichen von Schmerzen z. B. bei chronischer Migräne, über Depressionen oder Wundheilungsproblemen bis hin zu malignen Tumoren. Die Erfahrungen der letzten 30 Jahre der lokalen Injektionen mit Botulinumtoxin lassen erwarten, dass noch weitere ungewöhnliche Indikationen zu erwarten sind. Aus historischer Perspektive ist es interessant, dass bereits der deutsche Arzt und romantische Dichter Justinus Kerner (1768–1862) als Erstbeschreiber des Botulismus über vielfältige und ungewöhnliche therapeutische Indikationen des von ihm als „Wurstgift“ bezeichneten Toxins spekulierte und dabei an jegliche Formen neuronaler Hyperexzitationen dachte. Kerner vermutete bspw. eine Wirksamkeit von Botulinumtoxin beim „Wahnsinn“ – gemeint waren damit auch affektive Psychosen, bei Magen- und Darmkrämpfen, aber auch bei der Wundheilung und nicht zuletzt bei Cerumen [1].

In der folgenden Übersicht soll das Spektrum ungewöhnlicher therapeutischer Möglichkeiten mit Botulinumtoxin umrissen werden.

 

Lesen Sie hier den gesamten Artikel

Aus der Zeitschrift Aktuelle Neurologie 2/15

 

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