• Periphere neuropathische Schmerzen: THC / CBD-Spray wirksam

    Die Therapie des peripheren neuropathischen Schmerzes ist eine schmerztherapeutische Herausforderung. Der Einsatz von Cannabis ist dabei eine oft diskutierte Medikamentenoption.

     

Periphere neuropathische Schmerzen: THC / CBD-Spray wirksam

Die Therapie des peripheren neuropathischen Schmerzes ist auch heutzutage eine schmerztherapeutische Heraus-forderung. Das Ziel, eine optimale medikamentöse Wirkung-Nebenwirkung-Relation zu erzielen, ist Grundvoraussetzung für die erwünschte Patientencompliance. Der Einsatz von Cannabis ist dabei eine oft diskutierte Medikamentenoption.

Ein tschechisch-englisches Forscherteam konnte THC / CBD-Spray in Form einer neu entwickelten innovativen Zusammensetzung als wirkungsvolle Substanz zur Behandlung therapierefraktärer neuropathischer Schmerzen detektieren. Dieses Resultat publizierten die Forscher nach Auswertung ihrer randomisierten, doppelblinden, plazebo-kontrollierten Studie. Dazu inkludierten die Autoren 303 Patienten mit peripheren neuropathischen Schmerzen, die mit einer Allodynie-Symptomatik einherging.

 

  • 128 Probanden erhielten dabei Tetrahydrocannabinol / Cannabidiol (THC / CBD) als oromukosales Spray und
  • weitere 118 Probanden Plazebo-Spray zusätzlich zu ihrer laufenden Schmerztherapie.
    Die Patienten konnten in das Studiendesign inkludiert werden, wenn sie > 6 Monate über neuropathische Schmerzen klagten und mind. eine Schmerzstärke von 4 auf der numerischen Rating-Skala bestand (NRS 0 = kein Schmerz; NRS = 10 stärkster vorstellbarer Schmerz). Karzinogene Schmerzentitäten sowie der CRPS-Typ I und diabetesbedingter Schmerz galten als Ausschluss-kriterien. Die Studienteilnehmer durften zuvor THC in keiner Form konsumiert haben und keinerlei neue Schmerzmedikamente verordnet bekommen. Zudem durften weibliche Probanden nicht schwanger sein oder stillen.

 

Die Autoren analysierten neben der Schmerzstärke zusätzlich etwaige Nebenwirkungen, Vitalzeichen, die Schlafqualität (NRS 0–10) sowie Intoxikationszeichen (NRS 0–10). Zudem dokumentierten sie, ob die Patienten zusätzlich bedarfsadaptiert Rescue-Medikamente einnahmen. Weitere wichtige Kriterien waren das Einnahmeverhalten der bestehenden regulären Schmerzmedikation und etwaige Veränderungen in der Co-Medikation. Zusätzlich analysierten die Wissenschaftler Blut- und Urinproben, wobei v. a. die Hämatologie und Medikamentenscreenings im Vordergrund standen. Die Schmerzstärke dokumentierten die Probanden täglich in ein Schmerztagebuch. Den NPS-Wert (neuropathic pain scale) dokumentierten sie wiederum wöchentlich.

Jeder Spray-Hub enthielt 100 μl mit 2,7 mg THC und 2,5 mg CBD. Sowohl Verum als auch Plazebo hatte einen pfefferminzartigen Geschmack und Geruch. Die Dosierung konnten die Teilnehmer bis zu einer optimalen Dosis selbst anpassen, wobei nicht mehr als 8 Hübe innerhalb von 3 h erlaubt waren. Anfangs sollten die Probanden innerhalb von 4 h nur 1 Hub anwenden und im weiteren Verlauf die Dosis bis zur subjektiven Schmerzreduktion anpassen. Die Erhöhung limitierten die Ärzte jedoch auf die Hälfte der Höchstdosis des Vortags. Als Rescue-Medikation stand den Patienten Paracetamol mit einer täglichen Höchstdosis von 4 g zur Verfügung.

Als Studienendpunkte definierten die Autoren eine 30 %-ige Verbesserung der Schmerzstärke von der Baseline bezogen auf die 10-stufige Schmerzskala.

Insgesamt 173 Probanden beendeten die Studie erfolgreich anhand der festgelegten Kriterien. Die durchschnittliche Schmerzdauer ähnelte sich in beiden Gruppen (THC/CBD: 0,6–38,1 Jahre; Plazebo: 0,4–39,2 Jahre).

 

Die durchschnittliche Anwendung

  • in der Verum-Gruppe lag bei 8,9 Hüben und
  • für die Plazebo-Patienten bei 14,2 Hüben pro Tag.

 

Die Dauer der Behandlung lag

  • bei 78,2 Tagen in der THC / CBD-Gruppe und
  • bei 86,4 Tagen in der Plazebo-Gruppe.

 

Betrachtet man nun die 30 %-Responder-Analyse als primären Endpunkt bei der PNP-NRS, so konnten

  • 34 Patienten (28 %) in der THC / CBD-Spray-Gruppe als Responder detektiert werden,
  • bei der Vergleichsgruppe jedoch nur 19 Patienten (16 %) (p = 0,034; 95 % CI: 1,05–3,70).

 

Unterstützt wurden diese Daten durch die PP-Analyse.

  • Dabei erreichten 36 % (n = 27) der Patienten der Verumgruppe eine 30 %-ige Verbesserung der Schmerzstärke (NRS),
  • verglichen mit 18 (20 %) in der Plazebo-Gruppe (OR 2,27; p = 0,021; 95 % CI: l,12–4,57)


Auch bei den sekundären Endpunkten der Studie demonstrierten die Autoren eine Überlegenheit in der Gruppe mit THC / CBD-Spray. So verbesserte sich sowohl die Schlafqualität bei diesen Patienten, gemessen anhand der NRS (p = 0,0072), als auch das subjektive Gefühl einer relevanten Veränderung (p = 0,023), verglichen mit den Patienten ohne Wirkstoffapplikation.

Als Nebenwirkungen gaben Patienten der Verum-Gruppe überwiegend nervöse und psychiatrische Nebenwirkungen 23 % (n = 30) an, wobei dies nur in 3 % der Fälle (n = 4) ohne Wirkstoffapplikation auftrat.

 

Fazit: THC / CBD-Spray könnte als eine wirkungsvolle Alternative bei Patienten mit therapieresistenten peripheren neuropathischen Schmerzen Eingang in das Behandlungsrepertoire finden. Bei gleichzeitiger Verbesserung der Schlafqualität und dem subjektiven Lebensgefühl sowie einer guten Verträglichkeit und Medikamentensicherheit könnte das Präparat nach weiterführenden Studien eine zunehmende Verbreitung bei therapierefraktären neuropathischen Schmerzen gewinnen.

 

Dr. med. Holger Baust, Petersberg

Aus der Zeitschrift Journal Club Schmerzmedizin

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