Akute schmerzhafte Radialisparese nach spontaner Nerventorsion

  • © Thieme

    Intraoperativer Befund. (a) Ca. 11 cm proximal des Epicondylus humeri radialis findet sich eine sanduhrförmige Einschnürung des N. radialis (Pfeil). An dieser Stelle ist der Nerv torsioniert. (b) Die Torsion kann retourniert werden. Der Nerv wird darauf i

     

Der Patient präsentierte sich mit einer akut aufgetretenen, höchstgradigen, axonalen Radialisparese, die initial von stärksten Schmerzen begleitet war. Differentialdiagnostisch wurde zunächst neben einer Kompressionsneuropathie zunächst auch an eine neuralgische Schulteramyotophie gedacht, doch bewies die am 1. Tag nach Auftreten der Paresen durchgeführte Neurographie eine Radialisläsion am Oberarm. Nach langer Verlaufsbeobachtung, und nachdem anamnestisch, klinisch, elektrophysiologisch und bildgebend keine befriedigende Ursachenklärung gelungen war, wurde die Indikation zur chirurgischen Exploration gestellt. Intraoperativ zeigte sich eine Torquierung des N. radialis am Oberarm, welche reponiert werden konnte. Der weitere Verlauf war günstig, heute, 2 Jahre nach Operation besteht eine zufriedenstellende Funktionalität der betroffenen Hand.

Warum dieser Fall?

Der Fall beschreibt die spontan aufgetretene Nerventorsion als eine seltene Ursache einer mechanischen Mononeuropathie. Eine Nerventorsion sollte dann erwogen werden, wenn akute stärkste Schmerzen von einer hochgradigen axonalen Mononeuropathie gefolgt werden, für die sich keine andere Ursache finden lässt. Die Nerventorsion konnte in unserem Fall nur durch die chirurgische Exploration als Diagnose gesichert und gleichzeitig behoben werden.

 

Fallbericht

Der 36-jährige Informatiker klagte seit 4 Tagen über progrediente Schmerzen im lateralen mittleren Oberarm links. Ein auslösender Faktor war nicht erinnerlich. Nachdem die Schmerzen so stark wurden, dass er die Nacht nicht schlafen konnte, und nachdem er auch eine Schwäche der linken Hand bemerkt hatte, suchte er die Notfallstation des Inselspitals auf. Er verneinte Zervikalgien. Kopfbewegungen und Husten/Pressen verstärkten die Schmerzen nicht. Der Neurostatus zeigte eine hochgradige Radialisparese links mit einer deutlichen Handgelenks- und Fingerextensionsschwäche (M2 von 5), bei normaler Kraft der Mm. brachioradialis und triceps brachii links. Es fanden sich keine sensiblen Defizite und die Muskeleigenreflexe waren symmetrisch lebhaft. Der restliche Neurostatus war unauffällig.

 

Lesen Sie hier den ausführlichen Artikel

 

Aus der Zeitschrift: Klinische Neurophysiologie 01/2014