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    Je früher insbesondere Großgefäßverschlüsse erkannt werden, desto besser die Heilungschancen.

     

Akuter Schlaganfall – Gefäßverschluss: Vereinfachte Skala zur schnellen Diagnose

Bei einem Schlaganfall kommt es auf einen schnellen Beginn der Therapie an. Je früher insbesondere Großgefäßverschlüsse erkannt werden, desto besser die Heilungschancen. N. Pérez de la Ossa et al. haben eine vereinfachte Skala entwickelt, die helfen soll, Großgefäßverschlüsse frühzeitig zu erkennen.

Stroke 2014; 45: 87–91

 

Patienten mit einem akuten Schlaganfall werden in der Regel pharmakologisch behandelt. Dabei erhalten sie intravenös einen gewebespezifischen Plasminogenaktivator. Diese Behandlung sollte innerhalb der ersten 4 Stunden nach Beginn der Symptome erfolgen. Die intravenöse Thrombolyse wird zumeist in spezialisierten Kliniken und in Stroke Units durchgeführt.

Bei Patienten mit einem Verschluss der großen Gefäße ist zusätzlich die endovaskuläre Behandlung geeignet. Der Vorteil liegt in einer höheren Chance zur kompletten Revaskularisation. Jüngste Studien konnten den klinischen Benefit dieser Therapie nicht nachweisen. Die Autoren gehen jedoch davon aus, dass die Effekte der Behandlung besonders dann sichtbar werden, wenn sie früh begonnen wird. Dazu ist es notwendig, Großgefäßverschlüsse schnell zu erkennen. Basierend auf der National Institute of Health Stroke Scale (NIHSS) entwickelten die Wissenschaftler eine einfachere Skala: die Rapid Arterial Occlusion Evaluation Scale (RACE). Hierbei werden folgende Parameter jeweils mit 0–2 Punkten bewertet:

  • Gesichtslähmung,
  • Arm- und Beinmotorik,
  • Aphasie und Agnosie,
  • Abweichungen der Kopf- und Augenbewegungen.

 

Deutliche Korrelation zwischen RACE und NIHSS

Die Forscher evaluierten den prädiktiven Wert der RACE-Daten retrospektiv an 654 Patienten mit einem akuten Schlaganfall. Der RACE-Wert korrelierte dabei stark mit dem NIHSS-Wert (r = 0,93, p < 0,001). Danach überprüften sie den RACE-Wert prospektiv an 357 Patienten in einer Stroke Unit. Neurologen beurteilten den Schweregrad des Schlaganfalls bei Ankunft der Patienten. Ein Großgefäßverschluss wurde mittels transkranieller Duplexsonografie, Computertomografie oder Magnetresonanzangiografie diagnostiziert.

In der prospektiven Kohorte kamen die Untersucher mit der RACE-Skala zu ähnlichen Ergebnissen wie mit der NIHSS-Skala (Korrelation r = 0,76, p < 0,001). Ein Großgefäßverschluss wurde bei 76 von 357 Patienten (21 %) diagnostiziert. Dieser Verschluss konnte mittels RACE-Skala nahezu genauso gut vorhergesagt werden wie mit der NIHSS-Skala (Area Under the Curve = 0,82 bzw. 0,85). Dabei weist ein Wert von 5 oder mehr auf der RACE-Skala auf einen Großgefäßverschluss hin. Ein RACE-Wert von ≥5 hat eine Sensitivität von 0,85, eine Spezifität von 0,68 sowie einen positiven prädiktiven Wert von 0,42 und einen negativen prädiktiven Wert von 0,94.

 

Fazit

Die von den Wissenschaftlern entwickelte RACE-Skala ist ein einfaches Hilfsmittel, dass auch medizinischem Notfallpersonal ermöglicht, einen Großgefäßverschluss frühzeitig zu erkennen. Liegt der RACE-Wert bei ≥ 5, so ist ein Großgefäßverschluss sehr wahrscheinlich, so die Autoren.

 

Dunja Voos

Aus: Fortschritte Neurologie Psychiatrie 2014; 82(06): 305

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