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    Rund fünf Prozent der ALS-Patienten müssen nach Angaben der DGN via Magensonde ernährt werden.

     

Amyotrophe Lateralsklerose: Kalorienreiche Ernährung scheint Lebenserwartung und Lebensqualität zu bessern

Die Prognose sowie Lebensqualität sind bei der ALS wahrscheinlich besser, wenn die Patienten kalorienreich ernährt werden. Das teilt die DGN mit und bezieht sich auf eine im Lancet erschienene aktuelle Forschungsarbeit.

In der Studie wird nach Professor Dr. Albert C. Ludolph, Ulm, bei Patienten, die künstlich ernährt werden, eine positive Korrelation zwischen einem geringerem Gewichtsverlust und einer längeren Überlebenszeit dokumentiert. Offensichtlich profitieren die Patienten, wenn sie eine kalorienreiche Nahrung über die Magensonde erhalten und ein höheres Körpergewicht aufweisen.

 

Rund fünf Prozent der ALS-Patienten müssen nach Angaben der DGN via Magensonde ernährt werden. In einer Phase II-Studie der Arbeitsgruppe um Ann-Marie Wills von der Havard Medical School wurden bei rund 20 ALS-Patienten vier Monate lang spezielle Nahrungsmischungen untersucht: Gruppe 1 fungierte als Kontrollgruppe und bekam eine Formulierung, die 100 Prozent des Kalorienbedarfs decken sollte und eine ausgewogene Mischung von Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten enthielt. Zwei weitere Gruppen erhielten 125 Prozent des Kalorienbedarfs, wobei die zusätzlichen Kalorien entweder zur Hauptsache auf Fett oder in der dritten Gruppe auf Kohlenhydraten basierten. Der Proteingehalt war in allen drei Formulierungen identisch (1).

 

Während der fünfmonatigen Nachbeobachtungszeit verstarben in der Kontrollgruppe drei von sieben Patienten (43 Prozent) gegenüber lediglich einem von acht Patienten in der besonders fettreich ernährten Gruppe (13 Prozent) und keinem der neun Patienten in der kohlenhydratreich ernährten Gruppe. Alle Todesfälle traten binnen vier Monaten nach Studienbeginn auf und zwar ausschließlich unter Studienteilnehmern, die die künstliche Ernährung aufgrund von Nebenwirkungen abgebrochen hatten.

 

Die Ergebnisse zur Sterblichkeit waren allerdings nur ein Nebenbefund, primär ging es den Wissenschaftlern um die Verträglichkeit und Sicherheit der Nahrungsmischungen. Dabei war die kohlenhydratreiche Ernährung allen anderen Nahrungsmischungen hinsichtlich des Auftretens von Nebenwirkungen überlegen. So wurden die häufigsten Nebenwirkungen wie eine dislozierte Magensonde, Blähungen, Dyspepsie und Diarrhoe bei allen Patienten der Kontrollgruppe wie auch der besonders fettreich ernährten Patientengruppe berichtet, jedoch nur bei jedem zweiten Patienten mit der Kohlenhydrat-angereicherten Ernährung. Eine kombinierte Analyse aus Überleben und Lebensqualität zeigte zudem einen signifikanten Vorteil einer kohlenhydratreichen Ernährung, nicht jedoch einer fettreichen Ernährung, gegenüber der Kontrollgruppe. Angesichts der geringen Zahl an Studienteilnehmern mahnt Ludolph allerdings zur Zurückhaltung bei der Interpretation der Daten.

 

Ob auch für oral ernährte Patienten eine Verbesserung der Lebenserwartung durch eine hochkalorische Ernährung erreicht werden kann, soll in Kürze durch eine Interventionsstudie geprüft werden. So wird Professor Ludoplph im Herbst dieses Jahres mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eine Studie mit 200 ALS-Patienten starten, die unter kontrollierten Bedingungen täglich zirka 400 Kalorien zusätzlich erhalten sollen. Studienteilnehmer werden derzeit noch gesucht.

 

Literatur:

1. Wills, AM al. Hypercaloric enteral nutrition in patients with amyotrophic lateral sclerosis: a randomised, double-blind, placebo-controlled phase 2 trial, Lancet 2014; 383: 2065-72

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