• Schlaganfall

     

Prävalenz und Charakteristika apraktischer Defizite bei links- und rechtshemisphärischen Schlaganfällen

Die überwiegende Anzahl bisheriger Studien zu Apraxien fokussiert die Rolle der linken Hemisphäre (LH), obwohl im klinischen Alltag apraktische Defizite auch bei Patienten mit rechtshemisphärischen Schlaganfällen (RH) beobachtet werden. Daher wurden in der aktuellen Untersuchung die Prävalenz und Ausprägung apraktischer Defizite bei Patienten mit linkshemisphärischen (n = 66) und rechtshemisphärischen (n = 73) Schlaganfällen verglichen, nachdem für Alter und sprachliche Leistung kontrolliert worden war. Unter Anwendung dieser Kontrollvariablen ergab sich kein signifikanter Unterschied zwischen den linkshemisphärisch und rechtshemisphärisch betroffenen Patienten bei der Imitation von Handpositionen. Übereinstimmend mit früheren Berichten schnitten die Patienten mit rechtshemisphärischen Schlaganfällen aber bei der Imitation der Fingerkonstellationen schlechter ab. Interessanterweise zeigten die rechtshemisphärisch betroffenen Patienten auch geringere Leistungen bei den bukkofazialen Items des Kölner Apraxie Screenings (KAS), vornehmlich bei Gesten der oberen Gesichtshälfte. Für beide Patientengruppen wirkten sich sprachliche Auffälligkeiten mehr auf die Pantomime- als auf die Imitationsleistungen beeinträchtigend aus. Die Ergebnisse legen nahe, dass nach der Kontrolle für Alter und sprachliche Leistungen die Prävalenz und Ausprägung apraktischer Defizite bei Patienten mit rechts- und linkshemisphärischen Schlaganfällen nicht signifikant unterschiedlich sind und in den jeweiligen Rehabilitationsprogrammen entsprechend berücksichtigt werden sollten.

Als Apraxie bezeichnet man Störungen der motorischen Kognition, die nicht durch basale motorische oder sensorische Defizite bzw. Kommunikationsstörungen wie eine komorbide Aphasie in ausreichender Weise erklärt werden können. Typischerweise manifestieren sich apraktische Defizite nach Schlaganfällen sowohl ipsi- als auch kontraläsional und stellen ein beträchtliches Hindernis für den Rehabilitationserfolg und die Selbstversorgung der Betroffenen dar. Charakteristische apraktische Symptome sind der gestörte Werkzeuggebrauch (sowohl tatsächlicher Gebrauch als auch Pantomime) und eine Beeinträchtigung der Gestik. Die im Folgenden dargestellte Untersuchung stützt sich auf die häufig genutzte Unterteilung apraktischer Defizite nach motorischen Domänen, konkret den Werkzeuggebrauch, die Pantomime des Objektgebrauchs und die Imitation von Gesten.

In der Literatur werden apraktische Defizite vornehmlich in Zusammenhang mit linkshemisphärischen Läsionen geschildert, wobei je nach betroffener Domäne bzw. je nach Effektor auch eine Beteiligung der RH diskutiert wird. Die Imitation von Handstellungen wird vorwiegend mit der LH assoziiert, die Imitation von Fingerstellungen hingegen mit beiden Hemisphären. Des Weiteren wird eine überwiegende Repräsentation des Werkzeuggebrauchs, der Pantomime des Objektgebrauchs und der kommunikativen Gesten in der linken, oftmals sprachdominanten Hemisphäre postuliert.

Unterschiedliche hemisphärische Fehler-Muster bei effektor-spezifischen Aufgaben schilderten auch Bizzozero et al. für die bukkofaziale Apraxie, wobei Patienten nach Schlaganfällen der LH mehr zu fehlerhaften Gesten der unteren Gesichtspartie und Patienten nach Schlaganfällen der RH zur Apraxie der oberen Gesichtshälfte tendierten. Insgesamt sind apraktische Symptome laut einer zunehmenden Anzahl von Studien bei Schlaganfällen der RH in vielfältiger Erscheinungsform vorhanden sowie auch in einer nicht zu unterschätzenden Häufigkeit. Zum Beispiel identifizierten Wirth, Held et al. 34 apraktische Patienten in einer Stichprobe von 100 Patienten mit einem Schlaganfall der RH. Die dargestellten Gegebenheiten legen nahe, die Rolle beider Hemisphären bei der Prävalenz und Klassifikation der Apraxien genauer zu beleuchten.

 

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Apraktische Defizite bei links- und rechtshemisphärischen Schlaganfällen

Aus der Zeitschrift: Fortschritte der Neurologie Psychiatrie 04/2020

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