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    Autoantikörper können Mikrogefäße im Gehirn schädigen und so dementielle Erkrankungen triggern.

     

Autoantikörper leisten dementiellen Erkrankungen Vorschub

Autoantikörper können Mikrogefäße im Gehirn schädigen und so dementielle Erkrankungen – insbesondere die vaskuläre Demenz, aber wohl auch die Alzheimersche Krankheit – triggern. Das haben Wissenschaftler des Max- Delbrück-Centrums (MDC) Berlin-Buch in MRT-Untersuchungen bei Nagern zeigen können.

Die Tiere wurden nach Angaben der Forscher in einem 9,4 Tesla Magnetresonanz-Tomographen (MRT) untersucht. Dabei wurde gezeigt, dass Autoantikörper, die an alpha1 adrenerge Rezeptoren binden, eine Dauerstimulation dieser Rezeptoren bedingen, damit die Gefäßwände verändern und den Blutfluss in den großen Hirngefäßen reduzieren. Gleichzeitig kommt es bei den Tieren zu einer pathologischen Zunahme der Konzentration von Kalziumionen in der Zelle, wie Dipl.-Ing. Marion Bimmler vom MDC und Dr. Peter Karczewski von der Biotechfirma E.R.D.E.-AAK- Diagnostik GmbH in Berlin-Buch nachweisen konnten.

Zusammen mit einem Expertenteam für experimentelle Ultrahochfeld-Magnetresonanztomographie um Dr. Andreas Pohlmann vom MDC prüften die Wissenschaftler im MRT, inwieweit auch die Mikrozirkulation im Gehirn der Tiere durch die Autoantikörper beeinträchtigt ist. Um Veränderungen der Gefäße und eine Blutvolumenreduktion darstellen zu können, verabreichten die Forscher Tieren, die den Autoantikörper bilden, während der MRT-Untersuchung Ferumoxytol, das seit kurzem zur Behandlung erwachsener Patienten, die aufgrund eines chronischen Nierenschadens unter Eisenmangel leiden, zugelassen ist.

Ferumoxytol eignet sich außerdem als Kontrastmittel für die Blutvolumen-Untersuchung des Gehirns in einem 9,4T MRT, wie die MDC-Forscher mit einer eigens für die Autoantikörperstudie entwickelten Methodik nachweisen konnten. Damit wurde zugleich eine neue Methode der Hirnforschung etabliert.

„Wir konnten in den Untersuchungen sehen, dass die kleinen Blutgefäße in weiten Teilen des Gehirns geschädigt und die Durchblutung vermindert waren“, erläutern Marion Bimmler und Dr. Andreas Pohlmann das Ergebnis ihrer Untersuchungen. Konkret waren sowohl der Kortex als auch der Hippocampus von den Schädigungen betroffen und damit Areale, die für das Gedächtnis besonders wichtig sind. „Der Hippocampus gilt als ein Hirnareal, das bei der Entstehung der Alzheimer Krankheit und allgemein der Demenz frühzeitig betroffen ist. Fallen jedoch große Bereiche im Gehirn wegen mangelnder Durchblutung aus, sind sowohl das Kurz- als auch das Langzeitgedächtnis und ebenso das Orientierungsvermögen beeinträchtigt“, so Bimmler. Zusätzliche Gewebeuntersuchungen der Rattengehirne erbrachten den Nachweis, dass die Autoantikörper tatsächlich die Schäden der Mikrogefäße verursacht haben.

Geplant sind nunmehr Untersuchungen bei Patienten, die entsprechende Autoantikörper aufweisen. Die Berliner Wissenschaftler hoffen dabei, durch eine Elimination der Autoantikörper die Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten aufhalten und möglicherweise sogar wieder Verbesserungen erwirken zu können.

Literatur:
Pohlmann A et al., NMR Biomed 2014, doi: 10.1002/nbm.3160

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