• Autofahren bei Morbus Parkinson

    Obwohl Medikamente die Fahrfähigkeit eischränken, ist das Fahren für viele Patienten mit Parkinson ein wesentlicher Bestandteil ihrer verbleibenden Unabhängigkeit.

     

Autofahren bei Morbus Parkinson

Einführung

 

Für viele Patienten mit M. Parkinson ist das Führen eines Kraftfahrzeuges (Kfz) ein elementarer Bestandteil ihrer Unabhängigkeit. 82% aller Parkinson-Patienten haben einen Führerschein, davon fahren 60% noch Auto. Gerade mit zunehmenden motorischen Einschränkungen wird die Nutzung alternativer Transportmittel wie Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel schwieriger und das Auto ermöglicht dem Patienten eine größere Unabhängigkeit, z. B. selbstständig einzukaufen, den Arzt aufzusuchen oder soziale Kontakte zu pflegen.

Das Autofahren ist eine komplexe Tätigkeit, die ein suffizientes Zusammenspiel sensorisch perzeptiver, motorischer und kognitiver Leistungen erfordert. Die progredient verlaufende Parkinson-Erkrankung geht regelhaft mit körperlichen (z. B. motorische Behinderung oder Sehstörungen) und psychischen (z. B. Demenz oder Halluzination) Beeinträchtigungen einher und kann somit die generelle Fahreignung (synonym: Fahrtauglichkeit) einschränken. Ferner können Therapie bedingte Symptome wir Müdigkeit oder spezielle Verhaltensstörungen die zeitlich umschriebene oder ereignisbezogene Fahrfähigkeit (sy­nonym: Fahrtüchtigkeit oder Fahrsicherheit) reduzieren.

Patienten mit M. Parkinson fahren generell unsicherer Auto als Gesunde vergleichbaren Alters. In einer deutschen Erhebung gaben von 3 088 aktiv fahrenden Parkinson-Patienten (mittleres Alter 68,5±8,7 Jahre) 15% an, in den letzten 5 Jahren einen Unfall gehabt zu haben, davon 11% schuldhaft. Dies ist im Vergleich zur Normalbevölkerung insgesamt und jeweils bezogen auf 6 gruppierte Altersklassen zwischen 45 und 75 Jahren eine erhöhte Rate an verschuldeten Unfällen. Dennoch sind viele Parkinson-Patienten fähig, ein Kraftfahrzeug ausreichend sicher zu führen, wobei die Nutzung eines Automatikgetriebes oder Umbauten am Fahrercockpit notwendig sein können. In einem kürzlich veröffentlichten Review über Studien zu Fahrleistungen von Parkinson-Patienten im Fahrsimulator oder auf der Straße wird vorgeschlagen, die individuelle Fahreignung des Patienten auf der Basis verschiedener kognitiver, visueller und motorischer Tests vorzunehmen, und betont, dass es bislang keine standardisierte, für die Fahreignung prädiktive Testbatterie gibt. Solche multiplen, sehr aufwändigen Testungen können im Einzelfall hilfreich sein, sind jedoch im Praxisalltag nicht umsetzbar.

Die Beurteilung der Fahreignung und Fahrfähigkeit ist medizinisch und rechtlich ein komplexes Thema. Der behandelnde Arzt sollte in jedem Fall wissen, ob der Patient aktiv Auto fährt und ist verpflichtet, ihn hinsichtlich des Führens einen Kraftfahrzeuges aufzuklären und zu beraten. Hier ist die Fremdanamnese durch die Angehörigen äußerst wichtig, da der Betroffene selbst nur sehr selten von sich aus eine Einschränkung beim Autofahren berichtet und die Selbsteinschätzung unzuverlässig ist. Bemerkenswerterweise überschätzen Neurologen häufig die Fahreignung der Patienten.

Im Folgenden wird ein Überblick gegeben, welche Aspekte der Erkrankung das Autofahren bei Parkinson-Patienten beeinträchtigen können, worauf in der Beratung zu achten ist, welche Kriterien eine relative oder absolute Fahrunfähigkeit anzeigen und welche Möglichkeiten der Arzt hat, wenn ein fraglich oder sicher fahruntauglicher Patient weiter ein Kraftfahrzeug führt.

 

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Aus der Zeitschrift Aktuelle Neurologie 6/2013