•  

Automatische Erkennung von epilepsietypischen Potenzialen und Anfällen im EEG

Die Elektroenzephalografie (EEG) ist der wichtigste apparative Eckpfeiler in der Diagnostik und Therapieführung bei Epilepsien. Die visuelle EEG-Befundung stellt dabei nach wie vor den Goldstandard dar. Automatische computerunterstützte Methoden zur Detektion und Quantifizierung von interiktalen epilepsietypischen Potenzialen und Anfällen unterstützen eine zeitsparende, objektive, rasch und jederzeit verfügbare quantitative EEG-Befundung.

Fallbeispiel Frau E.: Anamnese und bisherige Untersuchungen

Anamnese

Die 53-jährige Patientin leidet seit ihrem 13. Lebensjahr an Epilepsie.

Anfallsbeschreibung:

  • Anfallstyp 1:
    • Komisches, nicht näher zu beschreibendes Gefühl im Kopf, innere Unruhe, fühlt sich wie ferngesteuert, kann sprechen, versteht alles, kann sich an alles erinnern, Bewusstsein durchgehend erhalten.
    • Frequenz: 3–4 ×/Monat.
  • Anfallstyp 2:
    • Entwickelt sich aus Anfallstyp 1, starrer Blick, keine Reaktion auf Ansprache, Bewusstseinsstörung, die Patientin erinnert diese Anfälle nicht.
    • Frequenz: 2 ×/Monat.
  • Anfallstyp 3:
    • Entwickelt sich aus Anfallstyp 2, bilateraler tonisch-klonischer Anfall.
    • Frequenz: 1–2 ×/Jahr.

Kein Status epilepticus in der Anamnese erhebbar.

Schwangerschaft und Geburt: Zwillingsgeburt (Zweitgeborene), Saugglocke.

Ätiologie:

  • rezidivierende Fieberkrämpfe im Alter von 1,5 Jahren,
  • keine Meningitis oder Enzephalitis,
  • kein signifikantes Schädel-Hirn-Trauma.

Bisherige Untersuchungen

  • MRT-Schädel: mikroangiopathische Marklagergliosen, sonst unauffälliger Befund.
  • Routine-EEG: gering abnorm, intermittierende Verlangsamung, generalisiert.
  • Bisherige medikamentöse Therapieversuche: Carbamazepin, Lacosamid, Lamotrigin, Levetiracetam, Phenobarbital, Valproinsäure.

Die Patientin wird zur besseren Charakterisierung ihres Anfallsleidens zur Durchführung eines stationären intensiven Video-EEG-Monitorings in unsere Epilepsie-Monitoring-Unit aufgenommen.

Bedeutung der Elektroenzephalografie in der Epileptologie

Die Erfassung von sog. epilepsietypischen Potenzialen (ETPs) ist wichtig 

  • in der Differenzialdiagnose von anfallsartigen Ereignissen,
  • in der Prognoseabschätzung nach einem ersten Anfall,
  • in der Klassifikation bzw. syndromatologischen Zuordnung von Epilepsien,
  • in der Lokalisation der irritativen und Anfallsursprungszone bei fokalen Epilepsien (im Speziellen in der präoperativen Epilepsiediagnostik),
  • in der Überprüfung der Therapiegüte bei generalisierten Epilepsien,
  • in der Prognoseabschätzung bei fokalen Epilepsien,
  • in der Diagnostik und Therapieführung beim Status epilepticus sowie
  • in der neurologischen Intensivmedizin.

Obwohl die EEG-Aufzeichnung seit vielen Jahrzehnten digital erfolgt, stellt die visuelle Analyse der EEG-Rohdaten („EEG-Kurven“) nach wie vor den Goldstandard der EEG-Befundung dar.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Automatische Erkennung von epilepsietypischen Potenzialen und Anfällen im EEG
aus der Zeitschrift Klinische Neurophysiologie 03/2020

Thieme Newsletter

  • Jetzt zum Newsletter anmelden und Paper sichern!

    Jetzt kostenlos anmelden

    Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an und Sie erhalten als Dankeschön ein Paper zum Download.

Quelle

Klinische Neurophysiologie
Klinische Neurophysiologie

Zeitschrift für Funktionsdiagnostik des Nervensystems

EUR [D] 196,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Praxisbuch EEG
Ingmar WellachPraxisbuch EEG

Grundlagen, Befundung, Beurteilung und differenzialdiagnostische Abgrenzung

EUR [D] 99,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Facharztprüfung Neurologie
Volker Limmroth, Hans Christoph DienerFacharztprüfung Neurologie

1000 kommentierte Prüfungsfragen

EUR [D] 99,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Neurologie compact
Andreas Hufschmidt, Carl Hermann Lücking, Sebastian Rauer, Franz Xaver GlockerNeurologie compact

Für Klinik und Praxis

EUR [D] 109,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Cookie-Einstellungen