• Umgang mit demenzkranken Patienten

    Bereits jetzt belasten neurologische Erkrankungen die Gesundheits- und Sozialsysteme in hohem Maße.

     

Belastung durch neurologische Erkrankungen wird unterschätzt

Die Fälle an Alzheimer und Parkinson und auch Schlaganfälle werden zukünftig als Folge der älter werdenden Gesellschaft explosionsartig zunehmen. Die Belastungen durch neurologische Erkrankungen werden jedoch noch allgemein unterschätzt, so ein Fazit beim europäischen Neurologenkongress in Istanbul.

Entsprechend der Daten des „European Brain Council“ leiden in Europa 220,7 Millionen Menschen an einer neurologischen Erkrankung. Kopfschmerzen führen mit 152,8 Millionen Betroffenen die Häufigkeitsliste an, gefolgt von Schlafstörungen mit 44,9 Millionen Menschen, Schlaganfällen mit 8,2 Millionen Betroffenen und Demenzerkrankungen mit 6,3 Millionen Patienten. Die Erkrankungen haben enorme Auswirkungen auf die Betroffenen selbst, aber auch auf deren soziales Umfeld und die Gesundheitssysteme. „Die Dimension neurologischer Erkrankungen wird aber nach wie vor unterschätzt“, betonte Professor Dr. Gustave Moonen, Lüttich, beim Kongress in Istanbul. Sie sollte aus seiner Sicht größte gesundheitspolitische Priorität besitzen.

 

Denn neurologische Krankheiten werden angesichts der steigenden Lebenserwartung erheblich an Häufigkeit zunehmen, so die Schätzungen der WHO. Die DALYs (Disability Adjusted Life Years: Zahl der verlorenen Lebensjahre durch vorzeitigen Tod kombiniert mit dem „Verlust“ an Lebensjahren durch Behinderung) aufgrund neurologischer Erkrankungen dürfte laut WHO von derzeit rund 95 Millionen bis 2030 auf 103 Millionen steigen. Das entspricht einem Zuwachs von etwa 9 Prozent. Verantwortlich hierfür sind insbesondere die Alzheimer-Krankheit und weitere demenzielle Erkrankungen, die bis 2030 um 37 Prozent zunehmen dürften, aber auch zerebrovaskuläre Erkrankungen, bei denen eine Steigerungsrate von 13 Prozent erwartet wird.

 

Bereits jetzt aber belasten neurologische Erkrankungen die Gesundheits- und Sozialsysteme in hohem Maße. Laut den vom European Brain Council publizierten Zahlen schlagen sie in den europäischen Volkswirtschaften – eingeschlossen sind in die Berechnung die 27 EU-Staaten sowie die Schweiz, Norwegen und Island – mit Gesamtkosten von rund 336 Milliarden Euro pro Jahr zu Buche. „Erwartungsgemäß steht die Demenz bei den Krankheitskosten an erster Stelle. Sie verursachte 2010 in Europa Kosten von 105,2 Milliarden Euro“, erklärte Professor Jacques L. De Reuck aus Gent.

 

Gefordert ist nach seinen Worten nicht nur die Gesundheitspolitik, sondern auch die Wissenschaft: Denn trotz bedeutsamer Fortschritte der Gehirnforschung in den vergangenen Jahrzehnten sind noch viele Fragen ungeklärt. „Um der wachsenden Last neurologischer Erkrankungen angemessen zu begegnen, bedarf es eines gut abgestimmten Generalkonzepts für Grundlagenforschung und klinisch-angewandter Forschung mit guter Vernetzung auf europäischer Ebene“, sagte Professor Moonen. „Davon wie auch von der länderübergreifenden Kooperation bei Studien und klinischen Prüfungen sind Fortschritte bei der Behandlung der Patienten zu erwarten“, so Professor De Reuck.

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