• Botulinum-Toxin lindert auch den Medikamenten-induzierten Kopfschmerz

    Rund jeder hundertste Bundesbürger – das sind fast eine Million Menschen in Deutschland – leidet seinen Angaben zufolge unter einer chronischen Migräne.

     

Botulinum-Toxin lindert auch den Medikamenten-induzierten Kopfschmerz

Botulinum-Toxin, das seit kurzem zur Prophylaxe der chronischen Migräne zugelassen ist, lindert auch den Medikamenten-induzierten Kopfschmerz. Dies belegt eine vorgeplante Analyse bei 904 Patienten mit Medikamentenübergebrauch von insgesamt 1.384 Patienten der beiden Migränestudien PREEMPT 1 und 2. In der 24wöchigen placebokontrollierten Untersuchung gaben Patienten unter Botulinum-Toxin eine um 8,2 Tage und in der Placebogruppe um 6,2 Tage geringere Häufigkeit von Tagen mit Kopfschmerzen an. Der Unterschied war statistisch signifikant.

 

Doch nicht nur die Häufigkeit der Kopfschmerztage ging zurück, auch die Gesamtzahl der Kopfschmerz-Stunden an Kopfschmerztagen sowie die durch Kopfschmerzen bedingten Einschränkungen im täglichen Leben waren in der Botulinum-Toxin-Gruppe statistisch eindeutig geringer als unter Placebo. „Die Studienergebnisse werden die gängige Praxis bei dieser schwierig zu behandelnden Kopfschmerzform verändern“, erwartet Professor Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), der federführend an der Studie beteiligt war. Denn bisher gingen die Experten davon aus, dass eine gezielte medikamentöse Prophylaxe beim Medikamentenmissbrauch erst nach einer Entzugsbehandlung sinnvoll ist. „Jetzt wissen wir, dass die Prophylaxe auch ohne vorherigen Entzug wirksam ist und automatisch eine Reduktion des Schmerzmittelgebrauchs bewirkt“, erläuterte dazu Professor Andreas Straube, München, als Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

 

Rund jeder hundertste Bundesbürger – das sind fast eine Million Menschen in Deutschland – leidet seinen Angaben zufolge unter einer chronischen Migräne. Laut Definition bekommen diese Patienten mehr als 15 Mal pro Monat Kopfschmerzen, darunter an mindestens acht Tagen migräneartige Kopfschmerzen. „Einen Medikamentenübergebrauch sehen wir in unserem Kopfschmerzzentrum bei mehr als der Hälfte unserer Patienten mit chronischer Migräne“, erläutert Diener.