• Cannabis, Cannabinoide, Cannabiskonsumstörungen - Neurologie - Georg Thieme Verlag

     

Cannabis, Cannabinoide, Cannabiskonsumstörungen

Keine Droge führt derzeit zu so intensiven, teilweise leidenschaftlich geführten Diskussionen wie Cannabis. Welche gesundheitlichen und sozialen Risiken birgt die Substanz, wenn sie zu Rauschzwecken gebraucht wird? Dieser Beitrag beschreibt die wichtigsten Cannabinoide, das endogene Cannabissystem sowie mögliche kurz- und langfristige Risiken. Er zeigt zudem psychotherapeutische Behandlungsoptionen von Cannabismissbrauch und -abhängigkeit auf.

Etwa 24,7 Millionen Bürger der Europäischen Union konsumieren Cannabis zu Rauschzwecken, ca. 3 Millionen (1 %) davon klinisch relevant. Wie ein Mensch auf Cannabis reagiert, ist individuell unterschiedlich. Wissenschaftlich belegt sind erhöhte Risiken für kognitive Störungen, Einbußen im Bildungserfolg, Psychosen, Depressionen, bipolare Störungen, Angsterkrankungen sowie psychische und körperliche Abhängigkeit im Zusammenhang mit Cannabis. Faktoren wie Alter bei Erstkonsum, Dauer, Menge und Art des konsumierten Cannabis sowie eine individuelle Vulnerabilität spielen dabei eine Rolle.

Merke
Cannabis ist nach Alkohol der häufigste Anlass für eine Suchtbehandlung in Deutschland.

Das cannabisspezifische Entzugssyndrom lässt sich klinisch gut behandeln. Psychotherapeutische Interventionen beinhalten Kombinationen aus Motivationsförderung und kognitiver Verhaltenstherapie. Bei Kindern und Jugendlichen können familientherapeutische Ansätze hilfreich sein. Die Erfolgsraten der psychotherapeutischen Behandlungsansätze sind moderat, die Rückfallraten hoch. Effektive medikamentöse Optionen fehlen. Aus diesem Grund kommt der Prävention von riskantem, schädlichem und abhängigem Cannabisgebrauch eine tragende gesundheitspolitische Rolle zu.

 

Cannabis – eine Alltagsdroge?

Cannabis zählt zusammen mit Alkohol und Tabak zu den am häufigsten gebrauchten psychotropen Substanzen weltweit. Die häufigsten 2 Konsumformen von pflanzlichem Cannabis sind:

  • die getrockneten Blüten und Blätter der weiblichen Hanfpflanze (Marihuana) und
  • das aus dem THC-(Δ9-Tetrahydrocannabinol-)haltigen Harz der Blütenstände gewonnene, meist zu bräunlich-grünen Platten gepresste Haschisch.

Seltener nehmen die Konsumenten THC-haltiges Öl in Nahrungsmitteln zu sich.

Konsumprävalenz

Laut aktuellstem Weltdrogenbericht haben 4,3 % der erwachsenen Bevölkerung im letzten Jahr Cannabis gebraucht. Das entspricht rund 192,2 Millionen Menschen. Für Europa gehen die jüngsten Schätzungen davon aus, dass 6,6 % der Bürger der Europäischen Union im Alter von 15 bis 64 Jahren Cannabis in den letzten 12 Monaten gebraucht haben (rund 24,7 Millionen). In Deutschland wird die 12-Monats-Prävalenz des Cannabiskonsums bei 18- bis 64-Jährigen in der Allgemeinbevölkerung auf 6,1 % geschätzt, dies entspricht rund 3,11 Millionen Cannabiskonsumenten. Deutlich höhere Konsumprävalenzen wurden bei jungen Erwachsenen beobachtet. So berichtet eine Jugendstudie von einer 12-Monatsprävalenz von 17,6 % bei 18- bis 25-Jährigen für das Jahr 2014. In dieser Altersgruppe konsumierten mehr Männer (22,1 %) Cannabis als Frauen (12,9 %).

 

Lesen Sie den vollständigen Beitrag hier: Cannabis, Cannabinoide und Cannabiskonsumstörungen

Aus der Zeitschrift: Fortschritte der Neurologie Psychiatrie 12/2019

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