• Medikament

    Cholinesterase-Inhibitoren sind in der Lage, kognitive Beeinträchtigungen bei Parkinson-Patienten positiv zu beeinflussen.

     

Parkinson-Syndrom – Cholinesterase-Inhibitoren bei kognitiver Beeinträchtigung

Unter den nicht-motorischen Symptomen, die mit Parkinson einhergehen, sind kognitive Beeinträchtigungen klinisch von besonderer Bedeutung, da sie einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten haben. Wissenschaftler haben nun auf Basis einer Metaanalyse die Effekte von Cholinesterase-Inhibitoren auf kognitive Störungen sowie das Sturzrisiko analysiert.

Die Wissenschaftler um G. Pagano haben für ihre Recherche die Datenbanken MEDLINE, Web of Science, CENTRAL sowie Scopus genutzt. Für die Analyse kamen Artikel infrage, die vor Mai 2014 erschienen waren und eine Behandlung von Parkinson-Patienten mit Cholinesterase-Inhibitoren zum Thema hatten. Abstracts und Tagungsberichte wurden nicht berücksichtigt. Primäre Outcomeparameter waren Kognition, ermittelt mithilfe des Mini-Mental-Status-Tests (MMST), sowie Sturzraten. Von den 945 identifizierten Artikeln wurden 19 genauer begutachtet, 4 erfüllten die Kriterien und gingen schließlich in die Metaanalyse ein. Eine randomisiert-kontrollierte Studie verglich Rivastigmin mit Placebo. Drei weitere untersuchten die Wirksamkeit von Donepezil. Die Studien schlossen insgesamt 941 Patienten ein.

 

Kein Einfluss auf das Sturzrisiko nachweisbar

Cholinesterase-Inhibitoren verlangsamten den Rückgang der MMST-Scores (p = 0,001). Ein Effekt auf das Sturzrisiko konnte nicht nachgewiesen werden (p = 0,681). Patienten, die Cholinesterase-Inhibitoren erhielten, wiesen höhere Tremorraten (p = 0,001) und Raten von unerwünschten Arzneimittelwirkungen auf (p < 0,0001) als solche unter Placebo. Die Werte auf der Alzheimer Disease Assessment Scale-cognitive Subscale (ADAS-cog), die Ergebnisse der Gesamtbeurteilung sowie Verhaltensstörungen verbesserten sich innerhalb der Cholinesterase-Inhibitor-Gruppe, wobei die Invalidität unbeeinflusst blieb. In Bezug auf die Unified Parkinson Disease Rating Scale III zeigten beide Gruppen keine Unterschiede. Mit Cholinesterase-Inhibitoren behandelte Patienten waren im Vergleich zu solchen, die Placebo erhielten, durch eine deutlich verringerte Sterberate gekennzeichnet.

 

Fazit

Die Studie konnte zeigen, dass Cholinesterase-Inhibitoren in der Lage sind, kognitive Beeinträchtigungen bei Parkinson-Patienten positiv zu beeinflussen. Ein Effekt dieser Medikamentenklasse auf das Sturzrisiko war hingegen nicht feststellbar. Im Rahmen der Therapiefindung sollte nach Meinung der Autoren berücksichtigt werden, dass Cholinesterase-Inhibitoren mit einem erhöhten Tremor und unerwünschten Arzneimittelwirkungen einhergehen.

 

Frank Lichert

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie • Psychiatrie

Call to Action Icon
Fortschritte der Neurologie · Psychiatrie Jetzt kostenlos testen!

NEWSLETTER-SERVICE

Quelle

Buchtipps

Das EMG-Buch
Christian Bischoff, Wilhelm Schulte-MattlerDas EMG-Buch

EMG und periphere Neurologie in Frage und Antwort

EUR [D] 99,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Parkinson-Syndrome und andere Bewegungsstörungen
Günther Deuschl, Wolfgang H. Oertel, Werner PoeweParkinson-Syndrome und andere Bewegungsstörungen

EUR [D] 119,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.