• Pandemie

     

Die Covid-19-Pandemie: ein massiver Stress-Test für uns alle

Was macht die Pandemie mit unserer Seele? Diese Frage wird unter dem Eindruck der gravierenden gesamtgesellschaftlichen Krisensituation, die Covid-19 weltweit hervorgerufen hat, inzwischen natürlich immer wieder gestellt.

Was bedeutet es für die seelische Gesundheit, wenn der „Hoffnungspegel“ der Bevölkerung nach den jüngsten demoskopischen Erhebungen in Deutschland soweit abgesunken ist wie seit dem katastrophalen Ende des 2. Weltkriegs nicht? Muss nicht allein schon die tägliche Konfrontation mit der ubiquitären Ansteckungsgefahr und den möglichen Erkrankungs- oder sogar Todesfolgen Angst und Schrecken verbreiten? Werden die drastischen Einschränkungen des sozialen Lebens nicht, je länger sie andauern, immer mehr auf die Stimmung drücken und über Wut und Frust schließlich zu Depressionen führen? Drohen nicht insgesamt dieselben Belastungsreaktionen und seelischen Traumatisierungen, wie wir sie von lebensgefährlichen Großereignissen wie Kriegen oder Naturkatastrophen kennen?

Um diese Fragen zutreffend beantworten zu können, macht es sehr viel Sinn, die gegenwärtige virale Pandemie auch einmal aus dem Blickwinkel der modernen Stressforschung zu betrachten. So gesehen stellt sie dann nämlich in der Tat gar nichts anderes als einen groß angelegten, der Menschheit von außen aufgezwungenen Stress-Test dar, dem wir alle einzeln und gemeinsam gleichermaßen unterworfen sind.

Wie man reagiert, hängt weniger von den objektiven Gegebenheiten der Gefährdung und Einschränkung im jeweiligen eigenen Lebensbereich, als vielmehr von deren subjektiver Bewertung ab. Wer beispielsweise seine täglichen Belastungen durch die virale Krise mehr als Herausforderung erlebt, die er unter eigener „internaler“ Kontrolle halten und selber meistern kann, wird weniger mit Ängsten oder depressiven Verstimmungen reagieren. Wenn ich mich dagegen etwa Quarantäne-Maßnahmen wie einem von außen aufgezwungenen „externalen” Schicksal ausgeliefert fühle, erhöht sich mein Risiko, auf diese Belastungen immer mehr mit „toxischem“, bei langfristiger oder hochfrequenter Exposition auch tatsächlich krankmachendem Stress zu reagieren.

„The Lancet“ hat kürzlich eine Studie zu den Auswirkungen häuslicher Quarantäne auf die Psyche veröffentlicht, in die Erfahrungen von insgesamt 20.000 Betroffenen eingeflossen sind. Die Ergebnisse bestätigen noch einmal eindrucksvoll, wie sehr es tatsächlich auf die eigene kognitive Bewertung der Stress-induzierenden Maßnahmen ankommt. Je mehr ich über den Sinn der Quarantäne aufgeklärt bin, mir dementsprechend auch selbst ihre Zielsetzung zu eigen machen und die Maßnahme gewissermaßen als „altruistisch“ motivierte Selbstisolierung verstehen kann, umso eher bleibe ich von den in der Studie nachgewiesenen posttraumatischen Stresssymptomen verschont.

 

Lesen Sie den vollständigen Beitrag hier Die Covid-19-Pandemie: ein massiver Stress-Test für uns alle

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie Psychiatrie 06/2020

Call to Action Icon
Fortschritte der Neurologie Psychiatrie Jetzt abonnieren!

Thieme Newsletter

Quelle

Buchtipps

Praxisbuch EEG
Ingmar WellachPraxisbuch EEG

Grundlagen, Befundung, Beurteilung und differenzialdiagnostische Abgrenzung

EUR [D] 99,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Neurologie compact
Franz Xaver GlockerNeurologie compact

Für Klinik und Praxis

EUR [D] 109,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.