• Das Schmerzgedächtnis

    Wie entsteht das Schmerzgedächtnis und noch wichtiger: wie kann man Schmerzen „vergessen“?

     

Das Schmerzgedächtnis – Vergessen unmöglich?

In Deutschland leiden rund 12 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. Bei ihnen hat der Schmerz seine physiologische Warnfunktion verloren und sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickelt. Ist es möglich, diesen Prozess umzukehren und den Patienten zu einem weitgehend schmerzfreien Leben zu verhelfen?

Die neurophysiologische Forschung der vergangenen Jahre hat eine Fülle von interessanten Einsichten in die komplexen Vorgänge der Entstehung des Schmerzgedächtnisses erbracht. Man weiß heute, dass wiederholte und intensive nozizeptive Reizungen zu vielfältigen Umstrukturierungen im Zentralnervensystem führen. Beteiligt an der Entstehung des Schmerzgedächtnisses sind unter anderem das Mittelhirn sowie thalamische, limbische und kortikale Strukturen. Nervenzellen, deren Dendriten sowie kleine Fortsätze, sogenannte Spins, an denen sich die Synapsen befinden, besitzen eine hohe strukturelle und funktionale Plastizität. Diese ermöglicht zum einen lebenslanges Lernen, andererseits aber auch maladaptive Veränderungen wie die Ausbildung des Schmerzgedächtnisses.

Wie Prof. Dr. med. Walter Zieglgänsberger, Leiter der Arbeitsgruppe Klinische Neuropharmakologie am Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie, erläutert, erfolgt die Speicherung von Informationen in Dendriten und Spines durch eine Modulation der synaptischen Übertragung, an der auch eine De-novo-Proteinsynthese beteiligt ist. „Derartige Umbauprozesse können nicht einfach wieder rückgängig gemacht werden. Selbst wenn die Ursachen chronischer Schmerzen nicht mehr bestehen, erinnert sich das Gehirn daran. Unsere Forschungen haben ergeben, dass das Gehirn keine Löschtaste besitzt. Erlebte Schmerzen bleiben gespeichert, ihre Spuren können nicht einfach zum Verschwinden gebracht werden.“

 

Vielfältige Chronifizierungsfaktoren

Neben neuroanatomischen und –physiologische Prozessen spielen auch psychosoziale Faktoren bei der Chronifizierung von Schmerzen eine wichtige Rolle. Dies erklärt, weshalb gleiche Schmerzintensitäten und -verläufe nicht bei jedem Individuum zwangsläufig und in gleicher Ausprägung zur Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses führen. So werden Patienten, die unter muskulären Verspannungen, chronischen Entzündungen oder körperlichen Funktionseinschränkungen leiden bzw. körperlich dekonditioniert sind, Schmerzen ungleich schlechter verarbeiten als Menschen ohne diese Einschränkungen. Bei ihnen ist daher das Risiko für die Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses bedeutend höher.

 

Aus der Zeitschrift DMW Dtsch Med Wochenschr 2013; 138, Nr.27

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