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    Die IL-6-Serumwerte im mittleren Lebensalter können Prädiktoren für das Demenz-Risiko im Alter sein. (Foto: ©Osterland-Fotolia.com)

     

Demenz – Entzündungsmarker als Vorboten in jungen Jahren?

Bei Patienten mit Demenz sind periphere Entzündungswerte erhöht. Ob diese Marker im mittleren Lebensalter bei Gesunden prognostisch für ein zukünftiges Nachlassen der kognitiven Leistungsfähigkeit relevant sind, haben die Forscher um A. Singh-Manoux untersucht.
Neurology 2014; 83: 486–493

Im Rahmen der longitudinalen Kohortenstudie Whitehall-II wurden bei 7 666 Personen die zu Studienbeginn 35–55 Jahre alt waren, in 2 Phasen (1991–1993 und 1997–1999) neben anderen Parametern auch die Serumwerte von Interleukin-6 (IL-6) und dem C-reaktiven Protein (CRP) bestimmt. Teilnehmer mit hohen CRP-Werten als Zeichen einer akuten Infektion wurden aus der Studie ausgeschlossen. Kognitive Tests zur Gedächtnisleistung, logischem Denken und Wortflüssigkeit erfolgten bei den übrigen 5 217 Probanden (27,9 % Frauen) in 3 Untersuchungsphasen: 1997–1999, 2002–2004 und 2007–2009. Der Mini-Mental Status-Test (MMST) wurde in den letzten beiden Phasen durchgeführt, eine Veränderung um 3 und mehr Punkte wurde als kognitiver Abbau gewertet.

Zur Prüfung einer Assoziation von IL-6- und CRP-Spiegeln mit dem Abbau der kognitiven Leistungen im Verlauf wurden die Patienten nach den Spiegeln der Inflammationsmarker in Terzile eingeteilt. In den Analysen wurden außerdem andere Einflussfaktoren auf die Entwicklung der Kognition mit zunehmendem Alter berücksichtig, wie z. B. Rauchen, Adipositas, das kardiovaskuläre Risiko nach dem Framingham-Score und chronische Erkrankungen wie Krebs, koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Diabetes und Depression.

Einflüsse der Inflammation nachweisbar

Die Querschnittsanalysen wiesen auf einen Effekt eines hohen IL-6-Spiegels auf das logische Denken hin (Standardabweichung [SD]= 0,08; 95 %-Konfidenzinterval [KI] -0,14 bis -0,03). Die longitudinale Analyse bestätigte dies mit einer deutlicheren Abnahme der Leistung im Test des logischen Denkens über einen 10-Jahres-Zeitraum bei hohem IL-6-Spiegel (-0,35; 95 % KI -0,37 bis -0,33) als bei niedrigem Spiegel (-0,29; 95 % KI -0,31 bis -0,27). Außerdem wiesen Probanden mit IL-6-Spiegeln im obersten Terzil eine 1,81-mal höhere Wahrscheinlichkeit für eine Abnahme im MMST auf als die im niedrigsten Terzil (95 %-KI 1,20–2,71). Keinerlei Assoziation fanden die Untersucher allerdings zwischen CRP und den Testergebnissen zur Kognition.

 

FAZIT

Erhöhte IL-6-Spiegel im mittleren Lebensalter gehen mit einem erhöhten Risiko für einen kognitiven Abbau in den nächsten 10 Jahren einher. Rechnerisch beschleunigt sich der Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit durch hohe Spiegel des Inflammationsmarkers nach dieser Studie unabhängig von anderen Einflussfaktoren um 3,9 Jahre. Für CRP ließ sich eine solche Assoziation nicht nachweisen.

 

F. Klein

Aus: Fortschritte Neurologie Psychiatrie

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